Star Treks wilde Videospiele-Geschichte: Die Grafik-Adventures von Interplay
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Videospiele zu Star Trek gibt es - fast - so lange wie das Franchise selbst. Einen besonderen Platz im Herzen der Fans haben aber die Adventures von Interplay ...
Diesen Drang nach Verbesserung zeigte bereits Interplays Fortsetzung Star Trek: Judgment Rites, die im Jahr 1993 logischerweise nach dem Originalspiel, aber noch vor dessen CD-Version erschien und dieselbe Engine wiederverwendete.
Spielerisch und storytechnisch waren alle Missionen bei Judgment Rites spannender, runder und ausgefeilter als beim Vorgänger, außerdem wurden die sieben einzelnen Geschichten durch einen zarten roten Faden miteinander verknüpft.
Fans freuten sich außerdem darüber, dass die Rückgriffe auf die Originalserie einige besondere Favoriten bedienten; so landete man gleich in der ersten Mission im Spiegeluniversum und geriet in Episode 3 in einem Weltkriegsszenario mit dem gottgleichen Trelane aus The Squire of Gothos (Tödliche Spiele auf Gothos) aneinander, der Pate auch stand für den Q der Next Generation.
Wem es heutzutage einfach nur darum geht, die Interplay-Star-Trek-Spielerfahrung einmalig zu machen, der sollte sich auf jeden Fall sofort an Judgment Rites begeben und 25th Anniversary skippen. Das Spiel von 1993 macht praktisch alles besser.
Noch einmal alles besser gemacht hätte womöglich der dritte Teil der Serie, Secret of Vulcan Fury, der sich von der bekannten Grafik-Engine trennte und stattdessen mit aufwendiger Rendergrafik daherkommen sollte.
Quelle: Interplay
Der Nachfolger Judgment Rites machte alles besser.
Mitte 1997 wurde es von Interplay bereits fürs Weihnachtsgeschäft angekündigt und die Story, die von dem schwierigen Verhältnis der Vulkanier zu ihrem Schwestervolk, den Romulanern, hätte handeln sollen, versprach nicht nur episch zu werden, sondern stammte auch erstmalig aus der Feder einer wahrhaftigen Star-Trek-Veteranin: Dorothy "D.C." Fontana; der Frau, die zu Zeiten der Originalserie Spock zu dem Charakter gemacht hatte, der sich zum absoluten Publikumsliebling mauserte.
Die Geschichte war fertig geschrieben und sogar alle Darstellerinnen und Darsteller hatten ihre Dialoge bereits vollständig eingesprochen, als Interplay das Projekt nach langen Monaten in der Development Hell 1999 einstellte. Die Behauptung, es wären zu dem Zeitpunkt lediglich fünf Prozent des Spiels fertiggestellt gewesen, passt nicht zu den bereits vorgenommenen und überlieferten Arbeiten.
Doppelt tragisch war der Projektabbruch nicht nur, weil eine genuine Fontana-Geschichte unveröffentlicht blieb, sondern auch, weil dies die letzte Darstellung des DeForest Kelley als Dr. McCoy war, bevor dieser 1999 als erster der Originalbesetzung verstarb.
Zum Verzweifeln ist insbesondere deswegen, dass Interplay bei einer fehlgeschlagenen Datensicherung die Tondateien zu Secret of Vulcan Fury unwiederbringlich löschte. So ist und bleibt die letzte erhaltene Darstellung von Kelley die CD-Talkie-Version von Judgment Rites.
Mit diesem bittersüßen Blick auf ein Spiel, das hätte sein können, aber nie war, endet auch die Rückschau auf das 25-jährige Jubiläum von Star Trek und dessen diverse, popkulturelle Konsequenzen. Das Produktionsjahr 1992/93 kommt bestimmt - und damit weitere Geschichten aus Hollywood und von dort, wo nie ein Mensch zuvor gewesen ist.
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Verfügbarkeitshinweis: Star Trek 4: Zurück in die Gegenwart und Star Trek 6: Das unentdeckte Land sind im Streaming verfügbar auf Paramount+, außerdem auf 4K-UHD, Blu-Ray und DVD. Alle Staffeln von Star Trek: The Next Generation sind im Streaming verfügbar auf Paramount+, außerdem auf Blu-Ray und DVD.
Sebastian Göttling, Jahrgang 1978, ist Co-Moderator von Deutschlands beliebtestem Star-Trek-Podcast "Trek am Dienstag". Er forscht beharrlich auf den Retro-Gebieten Film und Fernsehen im Allgemeinen, Star Trek im Besonderen, Kultur- und Weltgeschichte des 20. Jahrhunderts zwischen Space-Race und Mauerfall, Medienentwicklung, Kunst und Kommerz.
