Star Treks wilde Videospiele-Geschichte: Die Grafik-Adventures von Interplay

Special Sebastian Göttling Lukas Schmid
Star Treks wilde Videospiele-Geschichte: Die Grafik-Adventures von Interplay
Quelle: Paramount

Videospiele zu Star Trek gibt es - fast - so lange wie das Franchise selbst. Einen besonderen Platz im Herzen der Fans haben aber die Adventures von Interplay ...

Zum Star-Trek-typischen Worldbuilding trug auch der Bordcomputer bei, den man zu unglaublich vielen Begriffen befragen konnte, von Romulanern bis Tribbles. Einen richtigen Einfluss auf die Spieltiefe hatte das zwar nicht, aber die reine Möglichkeit erzeugte umso mehr Atmosphäre.

Diese Atmosphäre wurde tatsächlich erst im Jahr 1994 perfektioniert, als das Spiel auf CD-ROM neu aufgelegt wurde - das war dann auch die Version, die ich erstmalig spielte, also deutlich nach dem 25. Jubiläum, nach dem es benannt wurde - eigentlich wäre im 28. Jahr längst ein neuer Titel für das Spiel fällig gewesen.

Die große Sensation dieser Silberscheiben-Version war nicht bloß, dass die klassische Geräuschkulisse auf der Brücke der Enterprise erstmalig durch digitalisierte Original-Soundeffekte wiedergegeben wurde. Das beste Kaufargument war, dass die sieben Hauptdarstellerinnen und -darsteller der Serie tatsächlich im Tonstudio ihrem Text einsprachen.

Wenn Captain Kirk redete, hörte man nun William Shatner, Leonard Nimoy lieh natürlich Spock seine unvergleichliche Stimme - und so weiter. Ein weiterer riesiger Schritt in die Richtung, dass sich das Spiel wirklich wie sieben Episoden der Serie anfühlte.

Allerdings sollte man schon mit den Originalstimmen vertraut sein, denn eine deutsche Synchronisation gab es nie, auch wenn auf der deutschen Spieleschachtel von Originalsprechern die Rede war, was eventuell zu Verwirrung und Verärgerung führen konnte.

Ein wenig geschmälert wurde die Vollvertonung der zahlreichen Texte dadurch, dass sie "geixt" wurden, dass also die Darstellenden niemals gleichzeitig, sondern nur nacheinander im Tonstudio waren und nicht aufeinander reagieren konnten, was in Sachen Betonung oftmals zu unsauberen Dialog-Anschlüssen führte.

Wenig Rätseln, dafür umso mehr Reden auf den Außenmissionen Quelle: Interplay Wenig Rätseln, dafür umso mehr Reden auf den Außenmissionen Günstig kann dieses Unterfangen für Interplay nicht gewesen sein, es stellte aber auch wie eine Casting-Meisterleistung dar, denn nach den Kino-Eskapaden der 80er-Jahre war allen Beteiligten klar, dass einige der Akteure, allen voran Leonard Nimoy, zum Zaudern neigten und nur mit Engelszungen zur Teilnahme überredet, ja, fast schon gezwungen werden mussten.

Brian Fargo wusste jedoch um die Egos seiner Pappenheimer und ging äußerst geschickt vor, indem er sich voll und ganz auf William Shatner konzentrierte, ihm Honig um den Bart schmierte, bis er dessen Zusage im Sack hatte.

Das erzeugte in Nimoy den altbekannten Neid ("Wie, Bill macht bei so einem Computerspiel mit und lässt sich dafür gut entlohnen!? Dann will ich das auch!"), was wiederum dazu führte, dass auch die Zusagen der restlichen fünf Darstellenden so kamen, wie Dominosteine fallen.

Überhaupt war die Arbeit mit William Shatner wie immer ein Quell wunderbarer Anekdoten. Sehr respekt- und würdevoll ist eine CD-exklusive, von Shatner vorgetragene Ehrung des verstorbenen Gene Roddenberry, da kann man schon Gänsehaut bekommen.

Diese lief auch - wenn auch auf deutlich unangenehmere Art - einem der Tontechniker von 25th Anniversary über den Rücken, als er während der Aufnahmen etwas tat, was man mit keinem Schauspieler tun sollte, schon gar nicht mit William Shatner: ihm vorzusprechen, wie eine Dialogzeile vorgetragen werden soll (das verpönte "line feeding").

Shatners Sprache war seit jeher geprägt von Idiosynkrasien und so betonte er das englische Wort "sabotage" nicht richtig "säbbotaasch", sondern "säbbotääsch", was ihm eine Korrekturbitte aus der Tonkabine einbrachte.

Shatner daraufhin angekäst: "I don't say säbbotääsch, you say säbbotääsch." Gefolgt von: "Please don't correct me, it sickens me" ("Bitte korrigieren Sie mich nicht, das widert mich an"). Dieser wundervoll entgleisende Clip wurde bald darauf von Comedy-Radiomoderator Howard Stern lästernd aufgegriffen und somit zur Legende.

Schließlich reparierte die CD-Version sogar noch das größte Manko der Diskettenfassung, genauer gesagt die verkorkste siebte Mission, die ohne jegliche Rätselei direkt in dem nur unter Qualen zu gewinnenden Gefecht mündete.

Auf CD musste man sich neuerdings auf der USS Republic durch einige Räume rätseln, was die Mission auf einmal spannender und komplexer machte als die vorigen sechs und so zum Ende hin noch mal für eine äußerst zufriedenstellende Spielerfahrung sorgte. Dafür war dann die Raumschlacht - wie eingangs geschildert - umso schwieriger, denn zusätzlich zur falschen Enterprise musste man sich nun auch noch die zwei feindlichen Elasi-Schiffe wehren.

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