Gestern, heute, morgen: Star Trek TNG lieferte ein Serienfinale für die Ewigkeit
Special
Zum Abschied von Star Trek The Next Generation lieferten die Macher ein Finale, das bis heute nachwirkt und der Serie endgültig zu Legendenstatus verhalf.
Gepasst hätte es schon, auch diese Episode noch einmal zu besuchen, war sie doch der Wendepunkt, der aus der anfangs lahmenden Next Generation einen Quotenerfolg gemacht hatte. Doch dann wurde dieser Plot aus mehreren Gründen verworfen.
Zum einen lag das am Budget, viel schwerer aber wog: Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft bildeten einen so guten Dreiklang, dass eine vierte Ebene die Struktur der Episode empfindlich gestört und die ohnehin schon verworrene Handlung nur noch unübersichtlicher gemacht hätte.
Vorvorgestern: Die Urzeit
Und dann wäre dann noch Q, seit jeher gespielt von John de Lancie, der den stoischen Captain von Tag 1 seiner Mission an als allmächtiger Quälgeist/Antagonist plagte. Q war zentral im Pilotfilm, als er die Enterprise-Crew stellvertretend für die gesamte Menschheit vor Gericht gestellt hatte, um zu beweisen, dass sie lange nicht so utopisch fortgeschritten war, wie sie von sich selbst dachte.
Nun stellte Q fest, dass das Gerichtsverfahren niemals geendet hatte. Die sieben Jahre mit allen 178 Episoden (je nach Zählweise) waren nur weitere Beweistücke in Qs Verfahren für oder gegen die Menschheit. So legten sich auch konzeptionell Pilotfilm und abschließender TV-Film wie Buchstützen um die gesamte Serie.
Wobei sich Q selbst vom Fiesling längst dazu gewandelt hatte, dass er eher als Comic-Relief oder sogar als zähneknirschend geduldeter Verbündeter von Captain Picard in Erscheinung trat. Wer - anders als ich - nicht im Vorhinein durch die Trekworld gespoilert wurde, für den waren erste Hinweise auf die Präsenz Qs sehr clever gesät, denn man sah in einzelnen Szenen immer wieder pöbelnde, Mad-Max-ähnliche Leute, die nur Picard aufzufallen schienen.
Tatsächlich handelte es sich bei ihnen um die Statisten aus der dystopischen Gerichtsverhandlung des Pilotfilms - beim ersten Anschauen zunächst rätselhaft, beim zweiten völlig folgerichtig.
Die Szene gegen Ende, in der sich Q im Gerichtssaal nach dem vorübergehenden Freispruch von Picard verabschiedet, war die vorletzte gefilmte Szene an Drehtag 17, der spontan angehängt worden war. Danach ging es rüber auf ein Urzeit-Set, wo die Anomalie die Entstehung einzelligen Lebens auf der Erde verhinderte - dazu musste de Lancie noch einmal in die Maske und Umkleide.
In dieser wirklich allerletzten Szene am allerletzten Tag arbeiteten nur Patrick Stewart, John de Lancie und wenige Leute von der Filmcrew. Die Next Generation endete nach der letzten Urzeit-Klappe heimlich, still, leise und von der Weltöffentlichkeit unbemerkt in den Morgenstunden des 6. April 1994, genauer gesagt um zwei Uhr in der Früh. Neun Tage später war der erste von Patrick Stewarts Drehtagen für "Star Trek: Generations".
Quelle: Paramount
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"Der Himmel ist das Limit"
Schon für viele Folgen hatte man Szenen geschrieben, in denen Picard am Pokerspiel der anderen Offiziere teilnahm - doch aus den unterschiedlichsten Gründen wurde dies jedes Mal wieder verworfen. Am Ende war man froh, es nie getan zu haben, denn es ermöglichte die letzte, ikonische Szene der Serie, in der Picard über seinen Schatten sprang, nicht länger der einsame Captain sein wollte und sich erstmalig hinzugesellte.
Aus Marketingzwecken wurde diese Szene, die gegen Ende von Tag 16 gedreht wurde, der Presse als die allerletzte, gedrehte Szene untergejubelt, obwohl an Tag 17 noch - wie oben erwähnt - mit Stewart und de Lancie gedreht wurde.
Am Anfang der Pokerszene hielten sich alle Schauspieler rund um den Tisch an den Händen und als Patrick Stewart aus dem Enterprise-Korridor hineinkam, saßen dort - ohne dass die Kamera sie auffing - zahllose Presseleute und hohe Tiere von Paramount, die sich teilweise jahrelang nicht hatten blicken lassen. Die ganze Filmcrew und halb Hollywood waren versammelt, um diese "letzte Szene" von TNG zu feiern.
Als sie im Kasten war, erinnerte sich Worf-Darsteller Michael Dorn: Ihm wurde von den Kostümleuten die Schärpe abgenommen, woraufhin er in Tränen ausbrach. Er umarmte und küsste alle Leute aus der Filmcrew - selbst diejenigen, die er eigentlich nicht leiden konnte (oder sie ihn). Für viele aus der Fernsehcrew und die meisten im Autorenzimmer war das wahrhaftig das Ende der Next Generation, der endgültige Abschied.
Doch für die Schauspielenden, für Moore und für Braga war das "nur ein weiterer Tag im Büro", denn sie arbeiteten nahtlos an "Generations" weiter. Schon während die Episode gefilmt wurde, drehte Regisseur David Carson nebenan bereits alle Szenen mit William Shatner, Walter Koenig, James Doohan und Alan Ruck auf der Brücke der Enterprise-B.
Doch zurück zum Pokerspiel. Am Ende sollte die Kamera nicht wie in der fertigen Episode nach außen auf die Enterprise umblenden, sondern durch die einzelnen Decks fliegen, doch das Budget verhinderte das. Den letzten Titel des Soundtracks - die Musik, bei der die Enterprise in den "Sonnenuntergang" flog - nannte Komponist Dennis McCarthy kurioserweise "I Have a Gun".
Nicht etwa, weil Picard einen Phaser zum Kartenspiel mitbrachte. Nein, in den letzten Jahren hatte Star-Trek-Chef Rick Berman immer dann Einspruch eingelegt, wenn die Musik allzu melodisch wurde. Sie sollte einen Klangteppich bilden, sich nicht in den Vordergrund drängen oder gar schön sein. Dieses emotionale Ende aber wollte sich McCarthy nicht verderben lassen und so war der Titel des Tracks eine kecke Drohung an Berman.
Ein Fun Fact am Rande: In der Romanumsetzung von Michael Jan Friedman, die schon im Juni 1994 erschien, tauchten auch Wesley Crusher, Kate Pulaski, Ärztin aus Staffel 2, und Deannas Mutter Lwaxana Troi auf.
Vier Tage vor der Fernsehausstrahlung fand eine Dernierenfeier im studioeigenen Paramount-Kino statt. Alle kamen im teuren Fummel und tranken Champagner, doch wie heftig gefeiert wurde, ist nicht überliefert, denn man arbeitete hart. Dies war mitten in der fünften von insgesamt acht Wochen, in denen die Next-Generation-Crew für den Kinofilm vor der Kamera stand.
Kurz nach dieser Folge wurden die Nominierungen für die diesjährigen Emmy-Awards angekündigt, und die Next Generation war - erstmalig und sehr ungewöhnlich für eine Science-Fiction-Serie - als beste Dramaserie nominiert. Im September 1994 gewann dann aber die Crime-Drama-Comedy-Serie "Picket Fences" den begehrten Preis.
Vermächtnis
Noch ein paar Zahlenspiele, denn die gesamten Ausstrahlungsjahre beim ZDF fürchteten meine Nerd-Clique und ich, dass die Serie niemals bis zu Ende laufen würde, so sehr im Schneckentempo und mit langen Sendepausen ging die öffentlich-rechtliche Sendeanstalt vor. Den größten Vorsprung hatte das US-Fernsehen am 2. August 1993, als auf dem ZDF die Staffel-3-Episode "Tin Man" (Der Telepath) gesendet wurde. Diese war in den USA am 21. April 1990 gezeigt worden, das war ein Abstand von 1199 Tagen.
Ein gutes halbes Jahr später hatte SAT.1 die Serie aufgegriffen und umso schneller versendet; jeden Wochentag eine Episode, außer bei Tennis-Ausstrahlungen. Und so kam "All Good Things..." hierzulande am 26. Juli 1994, gerade einmal 64 Tage nach der US-Erstausstrahlung. Dieser kürzeste Turnover aller Zeiten passt mehr als 18 Mal in die Zeitspanne des längsten Sendeabstands, dem von "Tin Man".
