Gene Roddenberry, der Erfinder von Star Trek: Von der Luftfahrt bis zur Originalserie
Special
Jeder kennt Star Trek, einst in Deutschland als Raumschiff Enterprise geboren - aber nicht jeder seinen Schöpfer. Wir blicken zurück auf das bewegte Leben von Gene Roddenberry!
Roddenberry 9: Vermarkter (Originalserie, Staffel 3)
Es ist mittlerweile Allgemeinwissen, dass Star Trek nach der zweiten Staffel gerettet und für eine dritte verlängert wurde, weil eine nie dagewesene Flut von Fanpost den Sender ereilte. Es ist auch bekannt, dass diese Briefaktion größtenteils orchestriert war von Roddenberry selbst in Zusammenarbeit mit Superfan Bjo Trimble.
Weniger bekannt ist, dass sich hierauf eine professionelle Fanpost-Beantwortungsfirma mit dem Namen "Star Trek Enterprises" gründete. Trimble kümmerte sich um Anfragen jeglicher Art, schrieb ein paar nette Worte zurück oder schickte ein Foto von der Enterprise oder ihrer Crew.
Als sich eines Tages der bereits genannte Science-Fiction-Autor Isaac Asimov mit einem Brief an seinen persönlichen Freund Gene Roddenberry wandte, gelangte dieses Schreiben versehentlich in den falschen Stapel und der legendäre Autor war einigermaßen irritiert, dass er keine Antwort seines Freundes und Showrunners erhielt, sondern stattdessen ein Hochglanzbild von Kirk & Co.
Roddenberry war angemessen empört ob dieses Zwischenfalls und beschloss, dass jemand Professionelles angestellt werden müsste. Er kündigte Trimble und installierte seine frisch gebackene Gattin Majel Barrett als Chefin einer Firma, die nun "Lincoln Enterprises" hieß - denn Majel verehrte Abraham Lincoln - und sich als Versandhaus in Sachen Star Trek betätigte.
Was damals noch niemand auf dem Schirm hatte - Merchandising zu Fernsehserien -, gab es hier direkt bei der Frau des Schöpfers höchstpersönlich zu kaufen. Gegen einen Verrechnungsscheck und entsprechendes Rückporto konnte man Original-Filmstreifen von Star Trek erwerben. Die Roddenberrys verdienten sich auf diese Weise eine goldene Nase.
Quelle: Paramount
In einem legendären Memo Roddenberrys bekam nicht nur William Shatner sein Fett weg, sondern auch Leonard Nimoy und DeForest Kelley.
Schon bald sollte der kommerzielle Arm Star Treks die Serie rückbefruchten. Aus irgendeinem Grund konnte Majel Barrett - nicht in ihrer Funktion als Schauspielerin von Krankenschwester Chapel, sondern als Chefin von "Lincoln Enterprises" - zum Schleuderpreis beim Großhandel eine große Menge metallener Schmuck-Anstecker erwerben: ein Kreis mit einem eindringenden Dreieck, an dessen Spitze ein funkelnder Stein sitzt.
Schnell erfand Gene Roddenberry eine Erklärung, warum dieses Symbol im Star-Trek-Universum große Bedeutung haben sollte. Er nannte es IDIC - Infinite Diversity in Infinite Combination, manchmal übersetzt als Unendliche Mannigfaltigkeit in Unendlicher Kombination (also auf Deutsch mitunter UMUK), was tatsächlich bis heute zentraler Bestandteil des Star-Trek-Ethos ist. Symbolisierte Diversität, viele Jahrzehnte, bevor daraus ein politisches Schlagwort wurde.
Verkaufsfördernd eingebaut und erklärt werden sollte das Konzept dieser Brosche in der Episode Is There in Truth No Beauty (Die fremde Materie), sehr zum Missfallen von Spock-Darsteller Leonard Nimoy, der es überhaupt nicht einsah, dass er inmitten einer ernst zu nehmenden Geschichte einen unverhohlenen Werbespot für die Firma seines Chefs einschieben sollte - dann auch noch hemdsärmelig verpackt in eine Message von Friede-Freude-Eierkuchen.
Doch Nimoy war nicht der Boss, Roddenberry war es - und so wurde die Vermarktung des Ansteckers auf diese Weise angekurbelt.
Damit enden die 60er. Gene Roddenberry ist 48 Jahre alt, doch die wildesten Zeiten sollten erst noch folgen - in Teil 2 dieses Artikels, den es am kommenden Wochenende zu lesen gibt.
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"Star Trek VI: Das unentdeckte Land" ist im Streaming verfügbar auf Paramount+, außerdem auf 4K-UHD, Blu-Ray und DVD. Alle Staffeln von "Star Trek: The Original Series" sind im Streaming verfügbar auf Paramount+, außerdem auf Blu-Ray und DVD.
Sebastian Göttling, Jahrgang 1978, ist Co-Moderator von Deutschlands beliebtestem Star-Trek-Podcast "Trek am Dienstag". Er forscht beharrlich auf den Retro-Gebieten Film und Fernsehen im Allgemeinen, Star Trek im Besonderen, Kultur- und Weltgeschichte des 20. Jahrhunderts zwischen Space-Race und Mauerfall, Medienentwicklung, Kunst und Kommerz.
