Gene Roddenberry, der Erfinder von Star Trek: Von der Luftfahrt bis zur Originalserie
Special
Jeder kennt Star Trek, einst in Deutschland als Raumschiff Enterprise geboren - aber nicht jeder seinen Schöpfer. Wir blicken zurück auf das bewegte Leben von Gene Roddenberry!
Star Trek, so Roddenberrys Pitch-Dokument, sollte die besten Aspekte beider Konzepte miteinander verheiraten. "Eine einstündige, dramatische Fernsehserie. Action, Abenteuer, Science-Fiction. Das erste Konzept seiner Art, mit starken, zentralen Hauptcharakteren und einigen wiederkehrenden Charakteren."
Im Kern also eine Anthologieserie, aber eben nicht mit wöchentlich wechselnden Gesichtern, sondern mit Charakteren, die man über die Zeit kennenlernen und liebgewinnen konnte.
Um zu erklären, wie sich die Charaktere mittels eines großen Raumschiffes jede Woche zu einer neuen Geschichte begeben, schuf Roddenberry in seinem Dokument eine Western-Analogie, indem er sich auf die erfolgreiche Serie "Wagon Train" bezog, in welcher ein Planwagen-Treck gen Westen unterwegs ist und Woche für Woche neue Abenteuer vor wechselnder Kulisse erlebt, wobei in jeder Episode als Gaststars neue, zuvor ungesehene Gesichter aus dem Wagenzug in den Vordergrund treten.
Im Pitch hieß es: "Star Trek ist ein Wagon-Train-Konzept, konstruiert um Charaktere, die Welten besuchen, die unseren eigenen ähnlich sind, wo sie Action, Abenteuer und Drama antreffen, woraus dann unsere Storys werden."
Um dem Produktionsstudio gleich hier die Angst vor zu hohen Kosten zu nehmen, die mit wöchentlich wechselnden, außerirdischen Planetenkulissen verbunden gewesen wären, nannte Roddenberry hier direkt das Konzept der Parallelwelten, also eine Science-Fiction-These, die postuliert, dass es "dort draußen" sehr viele erdähnliche Planeten gibt mit Völkern, die unserer Zivilisation nahezu gleichen.
Das Dokument nahm sich große Zeit, um den Vulkanier Mister Spock als tapferen Held mit satanischem Aussehen zu beschreiben. Auch waren in knappen Zweizeilern schon einige Story-Konzepte angeregt, die tatsächlich Episoden der Serie werden sollten.
Aus The Next Cage wurde der erste Pilotfilm The Cage (Der Käfig), aus The Day Charlie Became God die zweite ausgestrahlte Episode Charlie X (Der Fall Charlie) und President Capone stand buchstäblich Pate für A Piece of the Action (Epigonen). Und siehe da: Mit diesem Dokument überzeugte Roddenberry das Produktionsstudio. Star Trek ging in Produktion und am 27. November 1964 rollte die erste Kamera.
Roddenberry 6: Freund des goldenen Zeitalters (Originalserie, Staffel 1)
Gene Roddenberry wusste: Wenn sein Star Trek eine Serie sein sollte, die nicht albern altern würde wie Lost in Space, sondern stattdessen über die Jahre oder vielleicht sogar Jahrzehnte zum Klassiker avancieren würde, dann musste er einerseits das Publikum unterhalten, andererseits aber auch die sehr wählerischen Fans harter Science-Fiction ansprechen, um auf diesem Wege gute Publicity in deren angesehenen Fanzines zu bekommen.
So suchte er schon früh den Schulterschluss mit den Granden des Goldenen Zeitalters der Science-Fiction; den Schwergewichten unter den Autoren des mittleren 20. Jahrhunderts. Solche Freundschaften schloss er gerne und schnell auf damaligen Science-Fiction-Literatur-Conventions, denn Roddenberry war hochintelligent, schmeichelnd, gesellig und trinkfest.
Quelle: Warner
Mit einer politisch aufgeladenen Episode seiner ersten eigenen Serie The Lieutenant fing Gene Roddenberry an, unbequem zu werden.
Persönlich befreundet war er bald darauf mit Ray Bradbury, der auf Gene Roddenberrys Trauerfeier sprach und das Vorwort zu seiner Biografie beisteuerte, mit Arthur C. Clark, der die Errungenschaften Star Treks anlässlich des vierzigsten Jubiläums im Jahr 2006 in einer Festschrift lobte, ganz besonders dicke mit Roboter-Spezi Isaac Asimov, der 1967 den Artikel Mister Spock Is Dreamy verfassen würde, worin er feierte, dass dank des Vulkaniers Klug auf einmal wieder sexy war, und mit Robert Heinlein. Die beiden letzteren lud Roddenberry ein, Drehbücher für seine neue Science-Fiction-Serie zu schreiben, doch dazu kam es nie.
Das Line-up großer Autoren in der ersten Staffel Star Trek konnte sich aber dennoch sehen lassen: Es schrieben George Clayton Johnson, bekannt für Logan's Run (Flucht ins 23. Jahrhundert), Richard Matheson, Autor von I am Legend (Ich bin Legende) und The Shrinking Man (Die seltsame Geschichte des Mister C.), Robert Bloch, der die Romanvorlage von Alfred Hitchcocks Psycho schrieb und persönlich befreundet war mit H. P. Lovecraft, dem Vater des kosmischen Horrors, Theodore Sturgeon und schließlich Harlan Ellison, der mit The City on the Edge of Forever (Griff in die Geschichte) eine der wohl besten Star-Trek-Episoden schrieb.
Doch bei ihnen allen, am ärgsten wohl bei Ellison, gab es mächtig Beef hinter den Kulissen. Denn weil Star Trek eben keine reine Anthologie-Serie wie The Twilight Zone war, mussten die Hauptcharaktere von Woche zu Woche einigermaßen konstant bleiben.
Das führte dazu, dass die heiligen Worte aus den Federkielen der Science-Fiction-Größen zunächst von Script-Editor John D.F. Black und am Ende grundsätzlich von Roddenberry selbst komplett generalüberholt wurden. Auch wenn das sicherlich nötig war: In der Kommunikation mit den prominenten Autoren zeigte Roddenberry sich anscheinend wenig diplomatisch und betätigte sich als Kontrollfreak sowie Micro-Manager.
Am Ende der ersten Staffel hatte er sämtliche Autoren klassischer Science-Fiction vergrätzt, die sich an Star Trek gewagt hatten, doch diese verbrannten Brücken waren egal:
Durch die erarbeitete Glaubwürdigkeit war ihm nunmehr Tür und Tor geöffnet, die Pilotfilme seiner neuen Serie auf Science-Fiction-Conventions vorzuführen, wo sie als erste wirklich ernst zu nehmende, Fernseh-Science-Fiction gefeiert wurden und sich die frohe Kunde unter Insidern wie ein Lauffeuer verbreitete.
Roddenberry 7: Workaholic (Originalserie, Staffel 1 + 2)
Wer sich so intensiv in die Arbeit aller anderen Kreativabteilungen seiner Serie einmischt, der kennt bald schon keinen Feierabend und kein Wochenende mehr. Dieser enorme Arbeitsaufwand Roddenberrys führte dazu, dass sich die ersten etwa zwanzig Episoden von Star Trek ganz besonders anfühlen.
