Gene Roddenberry, der Erfinder von Star Trek: Von der Luftfahrt bis zur Originalserie

Special Sebastian Göttling Lukas Schmid
Gene Roddenberry, der Erfinder von Star Trek: Von der Luftfahrt bis zur Originalserie
Quelle: Paramount

Jeder kennt Star Trek, einst in Deutschland als Raumschiff Enterprise geboren - aber nicht jeder seinen Schöpfer. Wir blicken zurück auf das bewegte Leben von Gene Roddenberry!

Roddenberry 3: Autor eines besonderen Westerns

Als Fernsehautor schloss Gene Roddenberry recht bald Freundschaft mit Sam Rolfe und heuerte im Autorenzimmer bei dessen Westernserie Have Gun - Will Travel an, die von 1958 bis 1963 lief und für die Roddenberry als einer der Chef-Autoren stolze 24 Episoden schrieb. Eine ungewöhnliche Serie, die auf viele der damals gängigen Westernklischees verzichtete.

Hier war nicht schwarzer Hut gleich böse und weißer Hut gleich gut, hier waren nicht die Cowboys die Helden und die Indigenen die Antagonisten, hier gab es Graustufen. Wo die meisten anderen Westernserien dieser Zeit Episoden mit einer Laufzeit von etwa 50 Minuten hatten, waren die einzelnen Folgen von Have Gun - Will Travel mit gerade einmal 25 Minuten extrem gekapselte und ökonomische Erzählungen.

Keine reinen Actionstorys, sondern Western für überdurchschnittlich gebildete Fernsehzuschauerinnen und -zuschauer. Geschichten, dir eine Moral transportierten und zum Nachdenken anregen sollten. Genau wie später Star Trek.

Richard Boone spielt den Hauptcharakter Paladin, ganz in Schwarz gekleidet und doch strahlender Held. Kein schmutziger Cowboy, sondern ein edler Herr, der in einem gehobenen Hotel in San Francisco residiert und der sich für ein entsprechendes Honorar anheuern lässt.

Dabei kommt es auch schon mal vor, dass Paladins Auftraggeber keine weiße Weste haben, er sich dies im Verlauf der Story erarbeitet und sich dazu entscheidet, das Richtige zu tun, dem Underdog zu helfen und auf sein Geld zu verzichten. Am bemerkenswertesten ist aber, dass Paladin Prototyp des Star-Trek-Triumvirats ist - in Personalunion.

Er ist draufgängerisch und entschlossen wie Jim Kirk, er ist logisch-scharfsinnig und kühl kalkulierend wie Mister Spock, und wenn er Ungerechtigkeit sieht, dann kocht ihm vor rechtschaffener Wut das Herz über - genau wie das des Dr. Pille McCoy. In den besten Episoden der Serie muss Paladin diese drei unterschiedlichen Aspekte seines Wesens befragen und vereinen, um Situationen aufzulösen.

Als Roddenberry einige Jahre später Star Trek schrieb, kam er dabei auf die geniale Idee, "seinen" Paladin in drei Personen aufzuspalten und sie miteinander diskutieren zu lassen. Die Geburt des wichtigsten Freundestrios bei Star Trek.

Roddenberry 4: (Inszenierung als) unbequemer Showrunner

Nach dem Ende von Have Gun - Will Travel wurde Roddenberry erstmalig Showrunner einer eigenen Serie, The Lieutenant. Gary Lockwood, später bekannt aus 2001: Odyssee im Weltraum und Gary Mitchell im zweiten Star-Trek-Pilotfilm, spielte William Tiberius Rice; ein Name, der kaum mehr nach Star Trek klingen könnte.

Roddenberry verarbeitete hier gleichermaßen seine Militär- wie auch seine Polizeierfahrungen, denn Rice ist eine Art Proto-Kirk, der sich als JAG-Offizier (die Justiz-Instanz innerhalb der US-Streitkräfte) auf einer Navy-Basis betätigt.

Rice ist ein Hitzkopf, dem deswegen ein älterer Offizier und freundschaftlicher Mentor zur Seite gestellt wird, und seine Aufgabe ist es vorrangig, sich - sehr im Geiste von Star Trek - auf der Basis um soziale Ungerechtigkeiten zu kümmern.

Paladin, Westernheld aus Have Gun - Will Travel, ist Kirk, Spock & McCoy in einem. Quelle: CBS Paladin, Westernheld aus Have Gun - Will Travel, ist Kirk, Spock & McCoy in einem. Tatsächlich sollte diese Serie für das US-Militär werben und war deswegen in Zusammenarbeit mit dem Pentagon entwickelt worden. Doch die Unterstützung des Militärs war an gewisse Regeln geknüpft und mit der 21. Episode der Serie, To Set It Right, überspannte Roddenberry den Bogen. Er stellte etwas dar, was nicht gezeigt werden konnte, weil es nicht sein durfte: Rassismus innerhalb der eigenen Reihen des US-Militärs.

Dennis Hopper spielte darin den bigotten Antagonisten, und in einer sensationellen, leidenschaftlichen Nebenrolle ist Uhura-Darstellerin Nichelle Nichols zu sehen. In anderen Episoden wirkten die Star-Trek-Granden Leonard Nimoy, Walter Koenig, Majel Barrett und Ricardo Montalban mit.

Obwohl das Pentagon drohte, der Serie die Unterstützung zu entziehen, falls die strittige Episode nicht geändert würde, wähnte sich Roddenberry im absoluten und höheren Recht und zog die Story durch wie geplant, sehr zum Missfallen der Militärspitze, aber auch seines Fernsehsenders.

Viele Jahre lang hieß es, die Episode sei nie ausgestrahlt worden, doch mittlerweile gibt es ausreichend Zeitungsausschnitte vom 22. Februar 1964, die eine Ausstrahlung belegen, ebenso wie Augenzeugenberichte von Fernsehzuschauerinnen und -zuschauern.

Möglicherweise setzte Roddenberry selbst das Gerücht der Nicht-Ausstrahlung in die Welt, um schon so früh an seiner eigenen Legende als sozialverantwortungsbewusster Rebell zu arbeiten, der sich gerne mit der Obrigkeit der Senderbosse anlegt.

Roddenberry spürte diesen rechtschaffenen Auftrag von ganzem Herzen und tat in solchen Belangen viel Gutes, war sich aber nicht zu schade, hin und wieder in Form von Hollywood-Anglerlatein zu übertreiben. So oder so war diese Episode der Sargnagel für The Lieutenant. Nachdem die letzte Folge im Frühjahr 1964 abgedreht war, musste sich Roddenberry einen neuen Job suchen.

Roddenberry 5: Autor eines legendären Pitches (die Geburt von Star Trek)

Auch wenn gemeinhin der 8. September 1966 als der Geburtstag von Star Trek gilt, weil an diesem Tag die erste Episode The Man Trap (Das Letzte seiner Art) zum ersten Mal über US-Fernsehbildschirme flimmerte, gilt eigentlich der 11. März 1964 als frühester Lebensfunke; womit Star Trek vor wenigen Wochen recht unbemerkt prinzipiell sechzig Jahre alt geworden ist.

Von diesem Datum stammt Roddenberrys erstes, 16-seitiges Pitch-Dokument "STAR TREK is...", worin er für die Verantwortlichen des Produktionsstudios Desilu das Konzept einer bahnbrechenden Science-Fiction-Serie umriss.

Doch, bevor es an dessen Inhalt geht, vielleicht ein Blick darauf, in welche beiden Lager sich Fernseh-Science-Fiction zur damaligen Zeit aufspaltete. Da waren zum einen Abenteuerserien basierend auf den alten Kinos-Serials, in denen pulpige Helden wie Buck Rogers oder "Tom Corbett, Space Cadet" Groschenroman-Storys erlebten.

In den 60ern entwickelte sich dieser Stil weiter, unter anderem zu Lost in Space (Verschollen zwischen fremden Welten), einer kindgerechten Robinsonade im All mit knallbunten Aliens, einem prototypischen Roboter ("Danger, Will Robinson!") und einem schnurrbartzwirbelnden Fiesling.

Auf der anderen Seite Anthologieserien wie The Twilight Zone oder The Outer Limits, die jede Woche eine für sich stehende Geschichte zeigten, zwischen 25 und 50 Minuten lang, welche viel ernstzunehmenderes SciFi darstellten, wurden sie doch zum Großteil von renommierten Genre-Autoren geschrieben. Während die Outer Limits vorrangig Monster und Invasionen zeigten, die oft, aber nicht immer in Völkerverständigung mündeten, lieferte die ironische Twilight Zone knackige Fabeln mit schwarz-ironischem Twist am Ende.

  • Print / Abo
    Apps
    PC Games 06/2026 PCGH Magazin 06/2026 play5 06/2026 N-Zone 06/2026 Linux Magazin 06/2026 LinuxUser 06/2026 Raspberry Pi Geek 07/2026
    PC Games PC Games Hardware Linux Magazin Raspberry Pi Geek Computec Kiosk