Gene Roddenberry, der Erfinder von Star Trek: Von der Luftfahrt bis zur Originalserie
Special
Jeder kennt Star Trek, einst in Deutschland als Raumschiff Enterprise geboren - aber nicht jeder seinen Schöpfer. Wir blicken zurück auf das bewegte Leben von Gene Roddenberry!
Der Weltraum ist in ihnen groß, fremd, geheimnisvoll, gruselig, Ursprung von Träumen und Albträumen. Was dort unter der engen Kontrolle von Roddenberry entstand, ist Zelluloid gewordene Science-Fiction-Weltliteratur.
Und natürlich kam es, wie es kommen musste: Nach dieser intensiven Phase, in welcher der Ton der Serie zementiert wurde, war der große Vogel der Galaxis vollkommen ausgebrannt. Zwar arbeitete er immer noch mit, aber längst nicht mehr so intensiv wie am Anfang - und zuallererst brauchte er einen üppigen Sabbatical.
Ein Stellvertreter musste für diese Zeit her, ein zweiter Gene mit Nachnamen Coon, ebenso ein Workaholic und Kettenraucher, der keine Nächte kannte und sensationelle Episoden wie The Devil in the Dark (Horta rettet ihre Kinder) unter Einfluss von streng genommen nicht legalen Drogen in gerade einmal 48 Stunden schrieb.
Gene, der Ältere, hatte volltes Vertrauen in den neuen Gene, welcher die Föderation als Konzept ausarbeitete, die erste Direktive der Sternenflotte formulierte und viel anderen neuen Boden erschloss, der heute bei Star Trek als gegeben angenommen wird.
Doch der größte Verdienst von Coon ist sicherlich, dass er Star Trek zugänglicher machte, denn er sorgte für warme Momente zwischen den Charakteren, für Kabbeleien, wie sie gerade zwischen Spock und McCoy legendär wurden, für Schlussgags in den letzten Momenten vieler Episoden.
Allerdings verdarb er es sich auf diese Art und Weise auch mit seinem großen Chef Gene, denn als dieser von einem längeren Urlaub zurückkehrte und mittenmang in die Dreharbeiten zu einer der wohl komödiantischen Episoden stolperte, The Trouble with Tribbles (Kennen Sie Tribbles?), wurde Roddenberry womöglich der weltweit erste, der das sagte, was in den kommenden Jahrzehnten viele ablehnende Fans sagen würden: "Das ist nicht mein Star Trek!"
Zu albern erschien ihm, was er sah, aber doch ist es die Mischung der beiden Gene-Stile, harte Science-Fiction gepaart mit leicht verdaulichen und menschlichen Momenten, die Star Trek so unwiderstehlich und über die Jahrzehnte tragfähig machten.
Roddenberry 8: Erteiler von klaren Ansagen (Originalserie, Staffel 2)
Im ersten Drittel der zweiten Staffel Star Trek herrschte dicke Luft am Set. Eigentlich war ja William Shatner als Captain Kirk der Star der Show mit sogenanntem "Top-Billing" im Vorspann, doch im Laufe der ersten Staffel hatte sich der fremdartige Vulkanier Mister Spock, gespielt von Leonard Nimoy, zum Publikumsliebling gemausert, der vor allem - aber nicht ausschließlich - die weiblichen Fans ansprach.
Quelle: Paramount
Weil Gene ein Workaholic war, übernahm bald ein zweiter Gene mit Nachnamen Coon. Ein Szenenbild aus dessen Episode Horta rettet ihre Kinder.
Dder logische Wissenschaftsoffizier bekam viel Screentime, der Auftakt der zweiten Staffel spielte sogar auf seinem Heimatplaneten und war voll und ganz der mysteriösen Natur der Vulkanier gewidmet - und außerdem wurden immer mehr Dialoge für den Mann geschrieben, der eigentlich Nummer zwei auf dem Call Sheet war.
Sehr zum Missfallen von Star Shatner, der Vertragsbruch rief, neuerdings in jedem einzelnen Drehbuch die Dialogzeilen abzählte und verlangte, dass Nimoy nie mehr zu reden haben dürfte als er.
Diese Streitereien schwappten aus den Hinterzimmern und Trailern bis aufs Set und sogar ein ausgemachter Gentleman wie DeForest Kelley, Darsteller des Dr. McCoy, erlaubte sich die ein oder andere Star-Allüre. Im Laufe der Staffel wurde das Set zunehmend unbeliebter bei den Regisseuren und der Schauspielerzunft Hollywoods.
So konnte es nicht weitergehen, weswegen sich Gene Roddenberry im Oktober 1967 an seine Schreibmaschine schwang und die Mutter aller Ansagen verfasste. Ein langes Memo, in dem er sich an die drei Hauptdarsteller wandte und von dem ich hier nur einige knappe Auszüge wiedergeben mag:
"Werft diese Seiten in die Luft, wenn ihr möchtet. Trampelt auf ihnen herum und seid sauer. Das bedeutet mir nicht mehr viel, denn ihr habt mich auch an den Rand der Gleichgültigkeit getrieben. Nein, William, ich schreibe das nicht in Wirklichkeit an Leonard und setze dich nur aus psychologischen Gründen in Kopie.
Ich spreche mit dir direkt und mit einer ärgerlichen Ehrlichkeit, die du noch nie zuvor gehört hast. Und Leonard, du liegst falsch, wenn du denkst, dass ich hiermit nur Shatner ärgern möchte und lediglich so tue, als wärst du auch ein Teil des Problems.
Derselbe Brief geht an euch beide, denn ihr seid beide ebenbürtige Experten auf dem Gebiet der Egozentrik. [...] Ihr seid wie Fischweiber, die versuchen, die Tagesfänge aufzuteilen. [...] Schluss mit dem Zählen der Dialogzeilen des anderen, Schluss mit halbtagelangen Diskussionen. Der Regisseur entscheidet, wenn diskutiert wird. [...] Alles klar, meine ehemaligen Freunde, und 'einzigartige Professionelle', das war's erstmal." Danach wurde es merklich besser.
