Star Trek: Am Rande des Franchise-Universums - mit Firefly in die 2000er

Special Sebastian Göttling Maik Koch
Star Trek: Am Rande des Franchise-Universums - mit Firefly in die 2000er
Quelle: Paramount

Star-Trek-Papst Sebastian Göttling (Trek am Dienstag) begibt sich auf in unendliche Weiten des Franchise-Universums. Was wird er dort finden?

Bis die Übersättigung eintrat. Denn als Berman-Trek 1987 anfing, war die Next Generation das große und sehr riskante Experiment einer hochwertigen Science-Fiction-Fernsehserie. Als diese Ära 2005 endete, war das Schlusslicht Enterprise eine SciFi-Serie unter vielen, und wenn hinlänglich viele Fans einer solchen Serie Qualität bekundeten, war das schon lange nicht mehr Grundlage zum Überleben. Vergleiche dazu auch Joss Whedons kurzlebige Serie "Firefly".

Das späte Berman-Trek, das bekanntermaßen 2005 vorzeitig mit der vierten Staffel der Prequel-Serie Enterprise endete, begleitete sogar noch - passenderweise - George Lucas' Star-Wars-Prequel-Trilogie. Denn nur eine Woche nach dem Enterprise-Finale "These Are the Voyages..." (Dies sind die Abenteuer) lief "Star Wars: Episode III - Revenge of the Sith" (Die Rache der Sith) in den Kinos. Generell morphte der Blockbuster über die Nullerjahre hinweg noch vergleichsweise zaghaft in Richtung Franchise-Bildung. Filme groß angelegter und im Voraus geplanter Serien waren noch vereinzelte Inseln, nicht wöchentliche Dauergäste im Kino und auf Streamingplattformen. Zu nennen sind da: die Herr-der-Ringe-Trilogie (2001 bis 2003), die "Piraten der Karibik" (Teil 1 im Jahr 2003, 2 und 3 in den Jahren 2006 und 2007 back-to-back gefilmt wie seinerzeit "Zurück in die Zukunft"), Christopher Nolans edgy Batman-Trilogie (2005, 2008, 2012) und schließlich im Jahr 2008 die ersten MCU-Gehversuche von Marvel mit "Iron Man" und "The Incredible Hulk".

Mit dem Erfolg all dieser Beispiele ereignete sich dann, fünf Jahre nach dem Ende der integren Berman-Trek-Ära, schließlich der Sündenfall Star Treks. (Man möge mir die Ironie und die Überdramatik verzeihen, ich baue eine Rampe.) Denn im Jahr 2009 nahm sich auch Paramounts im Dornröschenschlaf liegende SciFi-Property vor, zu einem Franchise ausgebaut zu werden. Eigentlich wollte Regisseur J. J. Abrams ja liebend gerne Star Wars machen, das durfte er dann auch einige Jahre später. Doch zunächst konnte er "nur" den Deal für Star Trek an Land ziehen. Kein Grund für ihn, Star Trek nicht zu einem absurden Abbild von Star Wars umzudenken. Der 2009er Film "Star Trek" geriet zu einem bunten Actionspektakel ohne viel Tiefgang, das sich mehr Fantasy-Elemente à la Star Wars gönnte als alle zehn Trek-Filme vor ihm, aber auch mit kessen Onelinern und Sight Gags in Richtung einer Art Proto-Marvel-Superhelden-Komödie tendierte, wo doch gerade erst "Iron Man" als lustige Comicverfilmung vorgelegt hatte. Vor allem aber gab es 2009 auf dem Markt der Franchise-Blockbuster noch viel weniger Konkurrenz. Und so spielte dieser elfte Star-Trek-Film überraschend knapp 400 Millionen Dollar ein. (Wie gesagt, inflationsbereinigt immer noch weniger als 1979.)

Star Trek 4 Quelle:  Paramount Star Trek IV war der mit den Walen - ein Film, der nicht erfolgreich sein dürfte, es aber trotzdem war. Gut für Star Trek, schlecht für viele Fans, die mit dieser Art von Inszenierung nichts anzufangen wussten. Denn dieser Erfolg von 2009 und dessen knappes Übertreffen vier Jahre später sollte die Messlatte darstellen, der Star Trek seitdem bis heute, 16 Jahre später, immer noch hinterherzuspringen versucht.

Die 2010er Jahre wurden dann unbestritten das Jahrzehnt des Franchise-Blockbusters. Da wandelten sich einzelne Kino-Megahits, einzelne Tentpoles, vollends zu von langer Hand geplanten Mega-Filmreihen. Marvels Cinematic Universe wurde ausgebaut, lieferte schnell zwei, dann auch drei Filme pro Jahr, die alle paar Jahre in einem Avengers-Superduper-Get-Together kumulierten. Außerdem riss sich Disney auch Star Wars unter den Nagel, um in der weit entfernten Galaxie die Sequel-Trilogie, aber auch die Story-Filme "Rogue One" und "Solo" sowie diverse Fernsehserien zu produzieren.

Disneys Filmprogramm wurde teilweise Jahre im Voraus auf Apple-ähnlichen Keynotes feierlich verkündet - eine Inszenierung, die mehr Turbokapitalismus ausstrahlte als Filmkunst. Doch damit trug man ohnehin nur die internen Funktionsweisen Hollywoods nach außen, denn ab den 2010ern wurde in Boardrooms penibel ausgerechnet und geplant, wie einzelne Filmreihen den maximalen Return on Investment erzielen könnten.

Einige Filmjournalisten bezeichneten dieses rasante Wachsen des Franchise-Blockbusters als die bedeutendste Revolution seit dem Ende der Studio-Ära. (Zur Erklärung: So bezeichnet man die sogenannte "goldene Zeit" in Hollywood von den 1920ern bis in die 1950er, wo Regisseurinnen und Regisseure, Schauspielerinnen und Schauspieler noch bei festen Studios angestellt waren. Warner hatte seine ganz eigene Riege an Talenten und ebenso Paramount, MGM usw.)

Wie bereits gesagt: Star Trek hatte 2009 Blut geleckt und war fortan nicht mehr zufrieden in seiner nerdigen Nische, in der man es unter Rick Berman 18 Jahre lang lukrativ bequem hatte. Es galt nun nicht mehr, die eigene Vision durchzuziehen, sondern bei anderen erfolgreichen Franchises zu wildern. Das setzte sich nach dem ersten Reboot-Film direkt bei J. J. Abrams' zweiten "Star Trek Into Darkness" fort, diesmal als starke Anleihe an die Christopher-Nolan-Batman-Filme. Benedict Cumberbatches Khan-Interpretation sollte ganz bewusst das ein zweites Mal einfangen, was Heath Ledgers Joker in "The Dark Knight" preisgekrönt dargeboten hatte - und weniger den Khan eines Ricardo Montalban channeln.

Drei Jahre später dann der dritte J.-J.- Film "Star Trek Beyond", dessen Trailer nicht zufällig die Bildsprache von "The Fast and the Furious" zitierte. Beides für mich erstaunliche und fragwürdige Zielsetzungen, denn sowohl Christopher Nolan als auch die Schnelle-Autos-Filme sind eindeutig testosterongesteuerte Projekte. Doch wo kam Star Trek eigentlich ursprünglich her? Wie mein letzter Artikel beschrieb, waren die glühendsten unter den frühen Fans der Original-Serie - außerdem diejenigen, die das wachsende Fandom organisierten und die ganzen 1970er Jahre über am Laufen hielten - die weiblichen Fans, die maßgeblich von Leonard Nimoys mysteriösem und friedliebendem Spock angezogen wurden. Und auch ein Captain Picard war zumindest während der Serie kein muskelbepackter Actionheld, sondern ein nachdenklicher Feingeist.

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