Spielegeschichte von 1990 bis 2000 - Zocken wird Mainstream!

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Spielegeschichte von 1990 bis 2000 - Zocken wird Mainstream!
Quelle: id-Software / Medienagentur plassma

Die 1990er sind für viele ältere Zocker das beliebteste Jahrzehnt der Gaming-Geschichte und voller einschneidender Entwicklungen. Wir blicken zurück!

Super Mario 64 profitierte zudem vom neuartigen Analog-Stick des Nintendo-64-Controllers, der die Vorzüge eines Flightsticks auf die handliche Größe eines Digi-Kreuzes komprimierte. Das Resultat: Erstmals konnte man mit seinem Daumen feinstufige Bewegungen durchführen, was Super Mario 64 zu einem der spielbarsten Titel seiner Zeit machte. Ein weiteres Gimmick, das Nintendo salonfähig machte, war das Rumble Pak. Es wurde im Zuge des Rail-Shooters Star Fox 64 (1997; in Europa auch bekannt als Lylat Wars) eingeführt und sorgte während des Spielens für leichte Vibrationen des Controllers, um der Atmosphäre auf die Sprünge zu helfen. Das Konzept blieb auch Konkurrent Sony nicht verborgen, der wiederum seinen zeitgleich mit dem Rennspiel-Überflieger Gran Turismo eingeführten Dualshock-Controller mit einer ähnlichen Funktion ausstattete.

Die Tücken der 3D-Technik

Nun hatten all diese rasanten und wegweisenden Entwicklungen auch einen gravierenden Nachteil: Viele frühen Multimedia- und 3D-Werke werden heute häufig als "schlecht gealtert" bezeichnet.

"Das kann man nicht mehr spielen!" ist ein beliebter Satz, wenn man Titel wie das just erwähnte Tomb Raider (1996), den Dark-Forces-Nachfolger Jedi Knight (1997) oder Acclaims ambitioniertes Horror-Action-Adventure Shadow Man (1999) erwähnt. Die Ironie: Viele Pixelart-Klassiker für Mega Drive oder Super Nintendo, die ihrerseits nur wenige Jahre nach Release verpönt waren, sind heutzutage deutlich beliebter.

Unserer Meinung nach ein etwas unfaires Urteil: Es gab gute Gründe, warum alte Playstation-Spiele einen Riesenspaß gemacht haben - und mit dem richtigen Mindset tun sie das auch heute noch. Unser Tipp: Spielt den Kram nicht im Vollbild auf einem voluminösen Flachbildfernseher!

Tomb Raider Quelle: Core Design / Medienagentur plassma Tomb Raider Macht das Bild kleiner, aktiviert in einem Emulator die Scanlines oder stöpselt am besten eine alte Konsole an einen anarchischen Röhrenfernseher an. Ihr werdet feststellen, dass viele alte Klassiker immer noch toll aussehen, wenn man sie auf dem richtigen - beziehungsweise dem damals gängigen - Equipment zockt.

Durchaus kritischer darf man diverse Serienklassiker betrachten, die den Sprung von 2D zu 3D nicht ohne Blessuren geschafft haben. So begann Segas Jahrzehnt unter anderem mit dem rasanten Sonic the Hedgehog (1991), dessen spätere Dreamcast-Fortsetzung Sonic Adventure (1998) aufgrund einer anstrengenden Kameraführung nicht mehr die gleiche unbeschwerte Leichtfüßigkeit besaß.

Noch umstrittener war Konamis Castlevania für das Nintendo 64 (1998), das in Bezug auf Atmosphäre, Spielprinzip und Grafik kaum noch etwas mit seinen Vorgängern gemein hatte.

Super Mario 64 Quelle: PC Games Super Mario 64 Stichwort Dreamcast: Segas letzte Konsole mag zwar nicht den Erfolg eingefahren haben, den sich die Fans des Unternehmens sehnlichst wünschten. Trotzdem läutete die Konsole mit fantastischen Arcade-Adaptionen wie Soul Calibur (1999) ein neues Zeitalter ein: Konsolen-Versionen konnten plötzlich besser sein als gerade mal ein Jahr alte Spielhallenautomaten!

Plötzlich Millionen Mitspieler

Ein weiterer Punkt, bei dem die Dreamcast eine wichtige Vorreiterrolle übernahm, war die Online-Tauglichkeit der Konsole - auch, wenn diese von viel zu wenigen Spielen genutzt wurde. Aber sie war für einige Spieler der erste Kontakt mit dem Internet, das bekanntermaßen unser aller Leben in vielen Bereichen verändert hat.

Bezüglich des Zockens wandelte sich vor allem die Art, wie wir Multiplayer-Titel konsumieren: nicht mehr zusammen mit Freunden auf der Couch, sondern via Internet mit Menschen aus der ganzen Welt. Zudem sorgten viele Online-Spiele dafür, dass der stereotypische Zocker kein starrköpfiger Einsiedler mehr und stattdessen ein Mitbegründer einer neuen sozialen Kultur.

Bevor nun Einsprüche erhoben werden: Ja, es gab auch schon in den 1980er-Jahren die Möglichkeit, sich via Modem ins Netz einzuwählen und beispielsweise im Lucasarts-MMORPG Habitat (1986) Zeit miteinander zu verbringen. Doch das ganze System war noch sehr langsam, sehr simpel und umständlich handhabbar, zumal das Spiel nie den europäischen Kontinent erreichte und in Japan erst 1990 erschien.

Der wahre Durchbruch erfolgte schließlich mit Ultima Online (1997), wobei das mutmaßlich erste kommerziell erfolgreiche MMORPG mit enormen Anlaufschwierigkeiten zu kämpfen hatte und aus heutiger Sicht sehr sperrig wirkt. Das zwei Jahre später veröffentlichte Everquest gefiel aufgrund seiner bunten 3D-Grafik schon besser, sollte Ultima langfristig den Rang ablaufen und den Weg für World of Warcraft (2004) ebnen.

Fazit: Kein Limit in Sicht

Obwohl in den 1990er-Jahren enorm viel passierte, lassen sich die Ereignisse zugespitzt wie folgt zusammenfassen: 2D war out, 3D war in. Während die Adventures (kurzfristig) ausstarben, wuchs das Rollenspiel-Genre zum neuen Heiland an. Der Heimcomputer wurde obsolet,

Nintendo verlor die Marktführerschaft an Sony und das Internet streckte seine ersten Fühler aus. Das Digitalkreuz wurde klammheimlich vom Analog-Stick abgelöst und Arcade-Automaten - bedingt durch den rasanten technologischen Fortschritt - standen vor dem Aussterben.

So oder so sollten die 90er das letzte Jahrzehnt mit einem derart radikalen Umbruch in der Computer- und Videospielindustrie sein. Und genau aus diesem Grund werden sie wohl für immer etwas ganz Besonderes sein. Oder um es mit den Worten einer großen Britpop-Band der 1990er zu sagen: You and I are gonna live forever.

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