Spielegeschichte: Von 1980 bis 1990 - jetzt ging es richtig los!

Special Andreas Altenheimer Benedikt Plass-Fleßenkämper Lukas Schmid Sascha Lohmüller 53,99 €
Spielegeschichte: Von 1980 bis 1990 - jetzt ging es richtig los!
Quelle: Nintendo

In den 1980ern vollzog Gaming einen technischen Quantensprung nach dem anderen und überlebte gar einen Beinahe-Crash. Teil 2 unseres großen Rückblicks!

Entsprechend gab es auf dem Rechenknecht weder Hardware-Scrolling noch Soundchips, infolgedessen die Games hässlich ruckelnd über den Bildschirm zuckelten und man allenfalls mit hochfrequenten Piepstönen gequält wurde. Auch existierten keine einheitlichen Standards oder so gut wie keine übergreifenden Treiber, die die Vielzahl an Mainboards, Prozessoren sowie Grafikkarten auf einen gemeinsamen Nenner brachten - so wie wir es heute von Windows und DirectX gewöhnt sind. Wer ergo ein Spiel für den PC entwickeln wollte, der musste die verschiedensten Systeme und Konfigurationen durchtesten.

Trotzdem war der Sprung, den der PC von 1980 bis 1989 vollzog, vermutlich der Größte der gesamten Computer- und Videospielindustrie: Die ersten Spiele verzichteten auf jegliche Musikbegleitung und konnten nur umständlich via Tastatur gespielt werden. Zudem setzten die meisten Entwickler auf einen ganz bestimmten Bildschirmmodus der damals geläufigen CGA-Grafikkarten, der die Spiele in einer bemerkenswert hässlichen Kombination aus Schwarz, Weiß, Türkis und Violett darstellte. Am Ende der Dekade profitierten PC-Spiele hingegen von einer satten VGA-Farbpalette, die sämtliche Grafikchips aller anderen Heimcomputer regelrecht verblassen ließ. Zudem wurden die Spiele dank Festplatteninstallation in Windeseile in den Hauptspeicher geschaufelt und erfreuten ihre Besitzer mit orchesterreifer Musik, sofern die sich ein sündhaft teures MT-32-Soundboard von Roland geleistet hatten.

All diese Entwicklungen sorgten dafür, dass Computerspiele immer beliebter wurden - zumindest in Europa und den USA. Die Videospielindustrie hingegen schien nur auf den ersten Blick "tot" zu sein. In Wahrheit war sie jedoch quicklebendig. Sie hatte nur ein wenig ihren Fokus verschoben - nämlich auf Japan.

Eine Gruppe Menschen steht auf einem Friedhof. Quelle: Cinemaware Wings

Die Stunde der Japaner

Der Hauptgrund, warum Videospiele in Japan immer mehr an Reputation gewannen? Logisch, Nintendo höchstpersönlich. Der Konzern hatte bereits 1977 mit dem Color TV-Game einen brauchbaren Magnavox-Odyssey-Konkurrenten produziert, während ab 1980 die Game-&-Watch-Serie folgte.

Dabei handelte es sich um schlichte Minispiele, die jeweils mit einem eigenen LCD-Bildschirm ausgestattet waren und heute begehrte Sammlerobjekte sind.

So richtig los ging es allerdings erst 1983 mit dem legendären Famicom, dessen Bezeichnung sich aus den englischen Wörtern "Family" sowie "Computer" zusammensetzte. Die rot-beige Konsole entpuppte sich in Japan als eine wahre Sensation und wurde Jahr um Jahr mit immer mehr legendären Spiele-Highlights versorgt.

Auf dem Famicon debütierten zahlreiche Kultserien wie Super Mario Bros. (1985), The Legend of Zelda (1986), Dragon Quest (1986) oder Final Fantasy (1987), die wiederum die Landschaft der Videospiele entscheidend prägen sollten.

Andere japanische Entwickler wie Konami oder Capcom fuhren indes zweigleisig und entwickelten sowohl tolle Famicom-Spiele als auch technisch bombastische Arcade-Automaten. Egal, ob Castlevania, Contra, Ghosts 'n Goblins oder Mega Man: All diese Klassiker feierten in den 1980ern ihren Einstand!

Sie repräsentierten zudem eines der damals beliebtesten Genres, nämlich einen Mix aus Jump 'n' Run und Action, der vornehmlich von der Seite dargestellt wurde.

In King's Quest 4 streifen wir auch durch den Wald. Quelle: Sierra On-Line King's Quest 4 In den USA und in Europa sollte das Famicom 1985 unter dem sperrigen Namen Nintendo Entertainment System (kurz NES) erscheinen. Der Hype war zwar hier nicht ganz so groß wie in Japan, allerdings reichte er aus, um den Glauben an die Konsole zu erneuern und den Schock des Videospielcrashs hinter sich zu lassen.

Schlussendlich vermied Nintendo einige jener Fehler, die zu Ataris Untergang führten. Allen voran stand stets die Qualität der Spiele an oberster Stelle, was dem NES eine lange Lebensspanne bescherte. Des Weiteren wusste Nintendo ganz genau, wann die Hardware ihren Zenit erreichte und man eine Nachfolgekonsole produzieren musste.

Deshalb erschien Ende 1990 das Super Famicom (hierzulande Super Nintendo), das mit mehr Farben, sattem Sound und dem revolutionären Mode 7, mit dem die Entwickler eine Grafik stufenlos drehen sowie zoomen konnten, auftrumpfte.

Krieg der Konsolen

Ein weiterer wichtiger Aspekt, der die 80er entscheidend prägte, war der zunehmende Konkurrenzkampf zwischen den verschiedenen Herstellern. Nintendo musste sich von Anfang an gegen mehrere Konkurrenten durchsetzen, die ebenfalls ein Stück vom Konsolenkuchen abhaben wollten. Der hartnäckigste war zweifelsohne Sega, der mit dem SG-1000 (1983), dem Sega Mark III (1985; hierzulande bekannt als Sega Master System) und natürlich dem Sega Mega Drive (1988) die dicksten Geschütze auffuhr.

  • Print / Abo
    Apps
    PC Games 06/2026 PCGH Magazin 06/2026 play5 06/2026 N-Zone 06/2026 Linux Magazin 06/2026 LinuxUser 06/2026 Raspberry Pi Geek 07/2026
    PC Games PC Games Hardware Linux Magazin Raspberry Pi Geek Computec Kiosk