Dragon's Dogma 2, Elden Ring ... Das ist doch alles kein JRPG! Darum schadet das Label japanischen Spielen

Special Annika Menzel
Dragon's Dogma 2, Elden Ring ... Das ist doch alles kein JRPG! Darum schadet das Label japanischen Spielen
Quelle: PC Games, Atlus/Fotomontage: PC Games

Ein Rollenspiel aus Japan ist ein JRPG, richtig? Na ja, so leicht können wir uns das leider nicht machen. Es handelt sich vielmehr um ein eigenes Genre als eine Herkunftsbezeichnung. Das Label kann manchen Spielen daher sogar im Weg stehen.

Die Hintergrundgeschichte ist aber genau wie die spielerische Ausrichtung in Stein gemeißelt und auch der Handlungsverlauf ist bis auf Dialogmöglichkeiten oder andere Kleinigkeiten im Vorfeld festgelegt worden. Besonders viel Freiheit gibt es hier nicht, die Richtung wird von der Erzählung vorgegeben.

Das heißt nicht, dass ihr die Welt nicht erkunden dürft oder keinerlei Wahl habt, wann ihr welchen Aufträgen nachgeht. Doch bei allem, was ihr tut, folgt ihr mit dem Protagonisten einem vorgefertigten Pfad. Das Storytelling ist daher stark an den Charakter und seine Gefährten gebunden.

Und ja, die Geschichten triefen gerne mal vor Klischees und lösen selbst bei Vollblutfans den einen oder anderen Moment des Fremdschämens aus. Doch wie in jedem anderen Genre auch gibt es bessere und schlechtere Vertreter.

Ein gutes Beispiel dafür ist eines der am besten bewerteten JRPGs der letzten Jahre: Persona 5 Royal. Das Spiel überzeugt nicht nur durch die absolut stylishe Aufmachung, sondern gerade durch die Mischung aus genretypischen Klischees und außergewöhnlichen Aspekten, die es so besonders machen.

Kasumi neben ihrer Persona Quelle: Atlus Persona 5 Royal Neben teils stereotypischen Charakteren und Anime-Dauerbrennern wie einem Strandausflug gemeinsam mit den Mitschülern werden äußerst ernste Themen angesprochen. Dazu zählen unter anderem Missbrauch, Korruption, psychische Störungen und sogar Suizid.

Davon ist in vielen anderen JRPGs, die es eher locker-flockig angehen, keine Spur zu finden. Doch egal, ob ihr es mit so einem Werk oder Feel-Good-Spielen wie etwa der Atelier-Reihe zu tun habt, die deutlich weniger ernst sind, folgt ihr mit dem vorgegebenen Charakter einer linearen Geschichte.

Erleben statt erzählen

In westlichen Rollenspielen ist es dagegen gebräuchlich, dass ihr euch einen eigenen Charakter erstellen oder den Protagonisten zumindest spielerisch anpassen könnt. Geralt von Riva wird zwar immer der Hexer sein, durch verschiedene Waffen, Fähigkeiten und Spielstile kann es sich aber ganz unterschiedlich anfühlen.

Doch nicht nur über den Protagonisten habt ihr eine gewisse Macht, sondern vor allem über das Geschehen in der Spielwelt an sich. Hier schlüpft ihr wirklich in eine Rolle hinein und steuert den Avatar nicht nur durch die Handlung, sondern bringt sie gewissermaßen selbst zu euch.

Ciri und Gerat aus The Witcher 3: Wild Hunt sitzen gemeinsam vor einem Baum Quelle: CD Projekt Red The Witcher 3: Wild Hunt Nicht nur, dass euch oftmals die ganze Welt offensteht und ihr entscheidet, was ihr wann erledigt. Eure Taten und Entscheidungen haben einen direkten Einfluss auf euer weiteres Schicksal und auch auf eure Umwelt.

Denn die NPCs folgen nicht nur ihrem eigenen Tagesrhythmus, sondern reagieren auch auf das, was ihr so tut. Der Fokus liegt in westlichen Rollenspielen also stärker auf dem Erleben als auf der Präsentation einer stringenten Geschichte.

Auf Reddit hat ein User den Vergleich zwischen japanischem und westlichem Rollenspiel gut auf den Punkt gebracht: Ein JRPG ist, als würdet ihr einen Roman lesen. Die Handlung ist geschrieben, die Charaktere sind zum richtigen Zeitpunkt am richtigen Ort. Ihr müsst lediglich umblättern und weiterlesen.

Diesem Gedankengang nach könnt ihr euch ein westliches Rollenspiel wie eine lose Sammlung Notizen vorstellen. Es gibt Ereignisse, die passieren können, und Figuren, denen ihr vielleicht begegnet, euren Weg dürft ihr allerdings selbst bestreiten und dadurch konkreten Einfluss auf das Geschehen nehmen.

Ein Spielercharakter aus Baldur's Gate 3 muss sich für eine Dialogoption entscheiden Quelle: PC Games Baldur's Gate 3 Eine Freiheit wie in Baldur's Gate 3, in der die Spieler gänzlich unterschiedliche Erfahrungen in der Welt sammeln können, wäre in einem klassischen JRPG absolut undenkbar. Auch westlich inspirierte Rollenspiele können einer stärkeren Erzählstruktur folgen, das möglichst freie Interagieren mit der Spielwelt und dadurch das direkte Erleben zeichnet sie allerdings aus.

Nebencharaktere, aber nicht nebensächlich

Damit einher gehen die Beziehungen, die nicht nur euer Charakter, sondern auch ihr selbst mit den verschiedenen Figuren aufbaut. Eure Kameraden in Persona 3 Reload mögt ihr zwar beispielsweise durch Zufall kennengelernt haben, dennoch sind es nicht nur irgendwelche Mitschüler.

Jeder von ihnen findet aus seinen eigenen Beweggründen einen Weg in das Team und erfüllt eine bestimmte Rolle. Gerade, weil ihre Menschlichkeit im Vordergrund steht und ihre persönlichen Schwächen nicht unter den Teppich gekehrt werden, fühlt sich die Gruppendynamik besonders authentisch an.

Ebenso verhält es sich mit der bunt zusammengewürfelten Truppe aus Xenoblade Chronicles 3. Zu Beginn gehören sie feindlichen Lagern an, sie müssen sich aber zusammenraufen und werden im Angesicht einer großen Bedrohung mit der Zeit unzertrennlich. Der Zusammenhalt sorgt nicht nur für ein eingeschworenes Team in den Kämpfen.

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