Vom Live-Service-Millionengrab bis zum steuerfinanzierten Totalschaden: Wir lassen die schlimmsten, erfolglosesten und unbeliebtesten Spiele des Jahres 2024 Revue passieren und nehmen euch mit auf Katastrophen-Kreuzfahrt!
Platz 3: Straßenmeisterei Simulator 2 + Winterdienst
Na Kinder, habt ihr Bock, mal als Bauarbeiter ein paar Straßen zu teeren und den Mittelstreifen auf die Fahrbahn zu malen? Nein? Okay, wir eigentlich auch nicht, aber da wir uns hier immer noch in Deutschland befinden, gibt es auch für dieses Pläsierchen den passenden Simulator. Und zwar schon Teil 2! Plus Winterdienst!
Gut, wir wollen mal nicht so sein. Wenn der orangene Overall überhaupt keinen Reiz auf uns hätte, dann hätten wir uns die neueste Softwareumsetzung gar nicht erst angesehen.
Wobei wir ja eigentlich nur gehofft hatten, dass uns das Spiel öfter zum Lachen bringen würde. Leider ist das hier alles ungefähr so spannend, wie dem Straßenbegleitgrün beim Wachsen zuzusehen.
Wir sind nämlich der einzige Asphalt-Cowboy, der in diesem Spiel jemals die Fahrbahnmarkiermaschine sattelt. Die Story: Beim Dorf Lötzen im Kreis Wehlau müssen knapp 200 Meter Straße geteert werden. BÄM! Macht's nach, Naughty Dog!
Jedenfalls brauchen wir fast ein ganzes Jahr dafür, weil wir wirklich jeden einzelnen Handgriff alleine erledigen müssen. Im Werkhof stehen sich zwei Kollegen die Beine in den Bauch, aber die haben weder ne Hitbox noch Interesse, sich ihre Uniform zu verdienen. Können wir verstehen.
Der Großteil der Spielzeit geht allein dafür drauf, die vielen Fahrzeuge zur Baustelle zu karren, natürlich alle einzeln, und natürlich auch alle einzeln wieder zurück. Im Gegensatz zur Realität dürfen die orangenen Mechs der Arbeiterklasse hier nämlich nicht einfach an der Baustelle stehengelassen werden.
Es geht also jedes Mal über die genau gleiche Strecke, mit schwammiger Fahrphysik und ohne Verkehrsregeln, durch die gähnende Einöde. Hier kann man eigentlich nur arbeiten, im "Un-Real" einkaufen, und sterben. Ach ne, streicht das letzte. Wollen wir unserer traurigen Existenz ein Ende bereiten und uns vor ein Auto werfen, dann prallt es von unserem Astralkörper ab, als wären wir der Terminator.
Hilft also alles nichts. Frei nach dem Motto "Winterdienst is coming" ziehen wir die Straßenverlegung bis zum bitteren Ende durch. Wir kommen nach 15 Stunden Sisyphusarbeit im krönenden Feature des Spiels an und stellen fest ... dass wir schon seit 14 ½ Stunden echt keine Lust mehr haben.
Wir brauchen dringend ein Dosenbier und ne Kippe, die Baumaschinen lassen wir jetzt einfach hier. Die können uns alle mal kreuzweise. Woah, Moment! Vielleicht klappt die Simulation doch besser, als wir dachten ...
Platz 2: Concord
Noch weniger Gegenliebe zu bekommen als Skull and Bones und Suicide Squad, das scheint nahezu unmöglich. "Hold my Serverabschaltung" hat sich Sony gedacht und mit Concord ein Produkt ins Rennen geschickt, das kaum noch weiter am Markt vorbeientwickelt sein könnte.
Der Startpreis von 40 Euro, während die gesamte Hero-Shooter-Konkurrenz auf ein Free-to-Play-Modell setzt, war der erste Sargnagel. Dazu kommen noch die Figuren, also das, womit sich ein solches Spiel primär vermarkten muss.
Overwatch hat Cyber-Engel, strahlende Ritter, coole Ninjas und Cowboys. Concord hat eine vergoldete Oma, Temu-Thanos, die gelbe Tonne und eine Figur, bei der man schon nach einem einzigen Blick weiß, dass man gleich ganz dringend die Sprachausgabe abschalten muss.
Auch spielerisch hat man es nicht geschafft, dem ausgelutschten Genre irgendetwas neues hinzuzufügen. Es war ordentlicher, aber belangloser Durchschnitt, der von der ersten Sekunde an keine Playerbase anziehen konnte.
Concord wäre also einfach erschienen und abgesoffen, wie Foamstars von Square Enix, wenn, ja, wenn Sony in dieser Nullnummer nicht das nächste große Franchise gesehen hätte.
Da wurden Gerüchten zufolge hunderte Millionen Dollar ins Spiel versenkt, das ganze Entwicklerstudio gekauft und eine eigene Folge der Amazon-Serie Secret Level produziert. Tja, und dann wurde Concord nicht einmal alt genug, um sich selbst noch auf der Leinwand bewundern zu können.
Sportliche 14 Tage nach dem Release sind hier nämlich schon wieder die Lichter ausgegangen. Damit ist es nach dem acht Tage lang spielbaren The Culling 2 das Live-Service-Game mit der kürzesten Lebensdauer. Selbst der Asset-Flip-Flop The Day Before hat mit 45 Tagen länger durchgehalten.
Dass Sony das gerade erworbene Studio hinterher auch gleich wieder dichtgemacht hat, wundert da wohl niemanden mehr. Wenn Produkte, die Concord(e) heißen, in dieser Timeline eine Chance hätten, dann könnten wir schließlich immer noch in knapp drei Stunden von Paris nach New York jetten.
Platz 1: Highway Police Simulator
Okay, Leute, wir geben's zu: Deutsche Simulatoren sind ziemlich leichte Beute für ein solches Video. Zu leicht, könnte man sagen. Deswegen lassen wir die meisten auch in Frieden vor sich hin simulieren und mischen uns mit unseren nervigen Ansprüchen nicht weiter ein.
Aber das Dortmunder Studio Z-Software hat eben einfach das Glück - oder Pech - dass wir uns immer sehr für ihre Arbeit interessieren. Wie könnten wir das auch nicht, bei all den Lachtränen, die wir bei ihren Spielen schon vergossen haben.
Kurz vor Weihnachten haben die Macher der berühmt-berüchtigten Autobahn Polizei Simulationen noch schnell ihr neustes Werk abgeseilt. Und wie erwartet hat man den Kackbraten mal wieder ein paar Monate zu früh aus dem Ofen geholt.
Der Highway Police Simulator bringt die patentierte 2-von-10-Formel aus Schland in die US-und-A. Das bedeutet: Es gibt heftigere Schießereien, dubiosere Cops und nochmal deutlich weniger Respekt vor der Menschenwürde.
Also vor allem vor unserer Menschenwürde, denn beim Spielen dieses staatlich geförderten Produkts ist uns stellenweise vor Entsetzen fast das beschlagnahmte Koks vom Polizeiausweis gerieselt.
Hier ist eigentlich alles kaputt, was überhaupt kaputt sein kann: Grafik, KI, Sound, Physik, Performance, Hauptmissionen, Streifeneinsätze, Dialoge, Animationen, Wegfindung, unser Auto, andere Autos, teilweise sogar der Boden.
Ach ja, und in einer der Städte steht ein Baum, der aus unerklärlichen Gründen dauernd auf und ab springt, und es dabei manchmal bis über die Wolkendecke schafft. Nein, wir wissen auch nicht, was da los ist, aber das macht es eigentlich noch besser.
Wir empfehlen euch unseren Video-Erlebnisbericht (oben), wenn ihr nach der kleinen Kostprobe hier noch einen Nachschlag möchtet.
Es sind wirklich Bilder für die Ewigkeit, die man da zu sehen bekommt. Da tut es fast schon ein bisschen weh, den Highway Police Simulator als das schlechteste Spiel des Jahres aufzulisten.
Das ist es, keine Frage, und zwar konkurrenzlos, aber es gab 2024 auch kein anderes Spiel, das uns so zuverlässig zum Lachen gebracht hat, bis wir Bauchschmerzen hatten.
Zwar immer nur mit seiner himmelschreienden Inkompetenz, aber hey - es heißt ja nicht umsonst Schadenfreude und Katastrophentourismus ist auch irgendwo Urlaub. In diesem Sinne - bis nächstes Jahr, in dem es sich die Spieleindustrie garantiert nicht nehmen lassen wird, wieder mindestens zehn Mal auf die Nase zu fallen!
