Warum gibt es ständig Leaks von Videospielen? Das steckt wirklich dahinter!

Special Manuel Zippl Lukas Schmid
Warum gibt es ständig Leaks von Videospielen? Das steckt wirklich dahinter!
Quelle: Nintendo

Leaks von Games können ein Grund zur Freude sein - oder Studios und Fans gehörig die Laune vermiesen. Aber wie kommt es überhaupt dazu?

Als weiterer berüchtigter Hacker-Leak gilt der Half-Life 2-Leak durch den Deutschen Axel Gembe. Im Oktober 2003 veröffentlichte er den gesamten Source-Code des Valve-Spiels und sorgte so für einen Schaden von 250 Millionen Dollar. Wie er in einem Interview mit arstechnica zugab, brachte er sich das Hacken durch eine Malware, die als Warcraft-3-Key-Generator getarnt war, selbst bei.

Schon bald codierte er seine eigene Malware und schaffte sich Zugang zu Spielen, die er sich damals nicht leisten konnte. Er erhoffte sich durch den Hackerangriff keinen Profit, sondern war vor allem von seiner Leidenschaft zum Gaming getrieben und um das Wohlbefinden des Nachfolgers seines Lieblingsspiels Half-Life besorgt.

So hackte er sich mehrmals in Valves Netzwerk und downloadete schließlich den Source-Codes des Spiels, der laut eigener Aussage von einer Person veröffentlicht wurde, der er ihn geschickt hatte.

Die Folgen des Leaks waren verheerend: Nicht nur wurde der komplette Source-Code eines bisher unveröffentlichten Spiels veröffentlicht, es kam auch ans Licht, dass Valve das versprochene Veröffentlichungsdatum, das nur wenige Wochen entfernt war, nicht einhalten konnte.

Half-Life 2 Quelle: Valve Fünf Monate, nachdem Half-Life 2 schließlich erschienen war, stellte Gembe sich selbst und fragte Valve-Chef Gabe Newell trotz allem nach einem Job beim Entwicklerstudio. Newell lockte Gembe mit dem FBI schließlich in eine Falle, indem sie ihn bei einem angeblichen Vorstellungsgespräch per Telefon über seine Taten ausfragten.

Anschließend kontaktierten sie die deutsche Polizei, die Gembe schließlich verhaftete. Er wurde zu zwei Jahren auf Bewährung verurteilt und gibt heute an, seine Taten zu bereuen und damals naiv gewesen zu sein. Half-Life 2 erschien schließlich im November 2004 und verkaufte sich trotz des Leaks sensationell. Es gilt bis heute als Meilenstein der Gaming-Geschichte.

Ein weiteres lang ersehntes Game, das von einem Leak heimgesucht wurde, ist Halo 2. 2004 luden Hacker die komplette französische Version des Shooters einige Wochen vor Release auf Raubkopie-Seiten hoch.

In einem E-Mail-Statement bezichtigte der damalige Xbox Group Product Manager Carlos de Leon alle, die diesen Code downloadeten, des Diebstahls. Der Hacker konnte jedoch nie ausfindig gemacht werden. Ein ähnliches Schicksal erlebte Doom 3, welches ebenfalls 2004 durch Hacker und Raubkopierer geleakt wurde.

Halo 2 Quelle: Microsoft Auch der sogenannte Nintendo Data Leak - oder Gigaleak - wurde von einem Hacker verursacht. Dabei handelt es sich um eine Serie von Leaks, die bereits 2018 anfing und 2020 ihren Höhepunkt erreichte, als verschiedene Prototypen, Quellcodes und Dokumente unterschiedlicher Spiele und Konsolen auf die Imageboard-Website 4chan und auf den PRET-Discord (Pokémon Reverse Engineering Team) gelangten.

Bis 2024 gab es insgesamt elf Datenstapel, die über die Jahre hinweg geleakt wurden, deren Daten teilweise bis in die 80er zurückgehen. Während der Leak für Nintendo eine Katastrophe war, konnten Fans viele Einblicke auf die Entwicklung von Spielen und Konsolen erhalten und unter anderem das jahrelange Rätsel um den Satz "L is real" aus Super Mario 64 lösen.

Tatsächlich wurde ein 3D-Modell von Luigi gefunden und so bestätigte sich, dass er einst als Charakter im Co-Op spielbar sein sollte, dieses Feature dann aber von Nintendo verworfen wurde. Als Schuldiger für den Leak wird häufig der Name Zammis Clark genannt, ein britischer Security-Spezialist, der sich ebenfalls unerlaubten Zugang zu Microsofts Servern verschafft hat. Er wurde zu einer Bewährungsstrafe verurteilt.

Nächstes Mal besser aufpassen

Leaks müssen nicht immer absichtlich geschehen, sondern können auch das Ergebnis von Unachtsamkeit seitens der Mitarbeiter sein. Dazu zählen beispielsweise Versprecher von Entwicklern in Interviews, Tweets, die etwas zu viel verraten oder auch das verfrühte Veröffentlichen von Daten, die noch niemand außerhalb des Entwicklerstudios zu Gesicht bekommen sollte.

Szene aus Mass Effect Quelle: Electronic Arts Im November 2011 lud ein Microsoft-Mitarbeiter versehentlich eine Beta-Version von Mass Effect 3, die für interne Tests gedacht war, auf Xbox Live hoch und machte das unfertige Spiel damit für alle zugänglich. Spieler erhielten so Zugang zu Single- und Multiplayer - Abschnitten des Spiels, die massive Spoiler zur Story beinhalteten.

Immerhin half der Leak dem Entwicklerstudio BioWare, ihr Spiel zu perfektionieren, indem sie auf das Feedback der Spieler hören und auf deren Wünsche eingehen konnten.

Ein weiterer Leak solcher Art, der anfangs kaum glaubwürdig erschien, war ein Post des Users "krimsoncharge" im Forum NeoGAF vom März 2014. Darin behauptete er, sich auf einem Flug mit einem Entwickler von Ubisoft unterhalten zu haben, der mitbekommen hatte, dass er gerade Assassins's Creed: Liberation auf seiner PSP spielte.

Assassin's Creed Unity Quelle: Ubisoft In diesem Gespräch erzählte der Entwickler krimsoncharge allerlei Details zum bevorstehenden Assassin's Creed Unity, wie etwa der Name des Protagonisten, die Zeitepoche oder auch der interne Codename des Spiels, "Unity", der sich später als finaler Titel herausstellte.

Zusätzlich zeigte er ihm ein Video des Spiels, das ihm weitere Einblicke in das kommende Assassin's Creed gab. Viele dieser Informationen stellten sich letztendlich als zutreffend heraus. Lustigerweise gab es bei Assassin's Creed: Black Flag einen ähnlichen Vorfall in einem Flugzeug.

Ein Passagier bemerkte, dass eine Frau vor ihm an einer PowerPoint-Präsentation über Marketing-Strategien mehrerer Spiele arbeitete. Eins davon war das bisher nicht vorgestellte Black Flag. Der Passagier sah außerdem das Logo des Spiels. Wenige Wochen später stellten sich diese Informationen als korrekt heraus, als Ubisoft das Spiel offiziell vorstellte.

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