Rückblick 2016 - Mistspiele, Firaxis, Ankündigungen, Verkaufszahlen
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Der Jahresrückblick 2016 befasst sich auf Seite 3 mit den frechsten Drecksspielen des Jahres, wirft einen Blick auf zurückgehende Retail-Verkaufszahlen und erinnert an geschlossene Traditions-Studios.
Auf dieser Seite
- 1 Die schlechtesten Spiele 2016
- 2 Wiedergeburt der Totgeglaubten
- 3 Ein Schmaus für Augen und Ohren
- 4 Keine Liebe für Gearbox
- 5 Fleißige Runden-Strategen
- 6 Nicht für möglich gehaltene Ankündigungen
- 7 Release-Überraschung
- 8 Verkaufszahlen im Sturzflug
- 9 Bitte doppelt bezahlen!
- 10 Tradition schützt nicht
Die schlechtesten Spiele 2016
Zu einstelligen Wertungen inspirierte uns der Bodensatz des Spielejahres 2016 zwar nicht, dennoch gab es mehr als genug Software-Schrott. Atari versuchte mit Rollercoaster Tycoon World den Spielern das Geld aus der Tasche zu ziehen - inklusive einer Retail-Veröffentlichung der Early-Access-Version ohne Kennzeichnung des unfertigen Zustands und einem kurzerhand einen Tag vor die Veröffentlichung des vielfach besseren Konkurrenten Planet Coaster gelegten "finalen" Releasetermins. Frechheit! Dagegen war der Multiplayer-Ableger von Resident Evil, Umbrella Corps, einfach nur langweilig - und mit IS Defense versuchte der Entwickler des indizierten Hatred, mit einem billig umgesetzten Terrorszenario Geld zu scheffeln. Erbärmlich! Und dann war da noch das Kickstarter-Projekt Mighty No. 9, das nach etlichen Release-Verschiebungen endlich erschien - und aus dem Stand zu einem der schlechtesten Spiele des Jahres wurde. Reife Leistung!
Wiedergeburt der Totgeglaubten
Manchmal kommen sie wieder: Wer hätte Anfang des Jahres ernsthaft daran geglaubt, dass 2016 ausgerechnet Myst- und Commandos-Spieler neues Futter bekommen? Und dass diese neuen Vertreter zweier schon tot geglaubter Genres auch noch richtig, richtig gut sind? Mit dem Grafik-Adventure Obduction bieten die französischen Entwickler Cyan Worlds Rätselkost für die ganz Harten und verzücken Fans des Abgedrehten zudem mit dem ein oder anderen WTF-Moment.
Quelle: PC Games
Das Taktikspiel Shadow Tactics: Blades of the Shogun zeigt, wie klasse deutsche Spiele sein können.
Die Rückkehr der Echtzeit-Taktik ist dagegen ausgerechnet einem deutschen Studio zu verdanken: Mimimi Productions orientiert sich mit Shadow Tactics: Blades of the Shogun derart genau an der mittlerweile 16 Jahre alten Commandos-Gussform, dass es glatt ein offizieller Serienteil sein könnte - Ninja-Thematik außen vor gelassen. Ob der Erfolg dieser beiden Überraschungs-Hits andere Entwickler inspiriert? Zu wünschen wäre es - im Sinne der Genre-Vielfalt 2017.
Einen zweiten Frühling erlebte erstaunlicherweise auch MMORPG-Oldie World of Warcraft. Mit Legion veröffentlichte Blizzard ein Add-on, das nicht nur für den typischen kurzfristigen Anstieg von aktiven Spielern sorgte, sondern auch Monate nach dem Release im August noch viele Spieler begeistert. Bei uns in der Redaktion hat die Spielsucht selbst abgebrühte WoW-Veteranen wieder fest in der Hand, was auch am diesmal ungewöhnlich großen Umfang der Erweiterung und Blizzards hervorragendem Post-Launch-Support liegt.
Ein Schmaus für Augen und Ohren
Quelle: PC Games
Wunderschönes 2D: The Banner Saga 2
Die beste Grafik hatte dieses Jahr, da müssen wir nicht lange diskutieren, Battlefield 1. Aber den schönsten Stil? Diese Frage ist schon kniffliger zu beantworten, denn gerade im Indie-Bereich gab es 2016 gleich mehrere wundervoll anzusehende Highlights abseits des Mainstreams. Dabei war von handgezeichneten 2D-Hintergründen und Figuren (The Banner Saga 2) über farbenfrohe Pixelkunst (Owlboy) bis hin zu stimmungsvollen Naturpanoramen (The Witness, Unravel, Firewatch, Abzû) und beeindruckendem Licht-Schatten-Spiel (Inside) alles geboten.
Quelle: PC Games
Der Indie-Titel Owlboy hat eine Entwicklungszeit von rund zehn Jahren hinter sich.
Viele Screenshots dieser knuffigen Spiele würden wir uns am liebsten an die Wand hängen. Umso beeindruckender, dass neben der Optik auch die Akustik 2016 nicht zu kurz kam. Während im AAA-Lager Mafia 3 mit authentischer 60er-Jahre-Atmosphäre dank Songs von Johnny Cash, den Rolling Stones oder Credence Clearwater Revival die Ohren verwöhnte, sprachen die Indie-Geheimtipps Hyper Light Drifter, Oxenfree und Brigador in Sachen Musik vor allem die Chiptune-, Synthesizer- und Elektro-Fraktionen an.
Keine Liebe für Gearbox
Ein Spiel für den "ultimativen Badass" wollte er sein, der Ego-Shooter Battleborn. Doch im Schatten von Overwatch ging das kunterbunte Online-Geballer mit MOBA-Helden komplett unter und entwickelte sich als Reaktion auf das aggressive Marketing zum Treppenwitz der Branche. Niedrige Spieler- und Verkaufszahlen machen Battleborn zum finanziellen AAA-Flop des Jahres. Immerhin: Entwickler Gearbox hielt am Spiel fest, veröffentlichte teils kostenlose DLCs und eine Gratis-Version des Mehrspielermodus.
Fleißige Runden-Strategen
Quelle: PC Games
Mit Civilization 6 hat Firaxis die Rundenstrategie-Serie perfektioniert.
Firaxis, das Studio von Designer-Legende Sid Meier, war 2016 besonders fleißig. Entsprechend ihrer DNS blieb die Spieleschmiede dem rundenbasierten Prinzip treu und veröffentlichte gleich zwei Genre-Hits in kurzem Abstand. Nachdem Taktik-Fans Anfang des Jahres mit XCOM 2 Jagd auf die Aliens gemacht hatten, folgte im Oktober Teil 6 der Civilization-Serie. Ein Traum für Zug-um-Zug-Fans!
Nicht für möglich gehaltene Ankündigungen
Red Dead Redemption 2 kommt 2017, The Last of Us 2 auch irgendwann um den Dreh und Ubisoft wird tatsächlich endlich mal Beyond Good & Evil 2 angehen - das vergangene Jahr hatte einige Knaller in Sachen Überraschungs-News zu bieten. Fehlte eigentlich nur die Half-Life 3-Ankündigung, dann wäre es für die seit langer Zeit nach einer Fortsetzung ihrer Lieblingsspiele schmachtenden Fans wohl das perfekte Jahr gewesen.
Release-Überraschung
Publisher Daedalic wagte ein riskantes Experiment: Deponia Doomsday wurde am 25. Februar angekündigt - und erschien bereits am 1. März. Käufer einer deutschen Spielezeitschrift erhielten das 30 Euro teure Adventure gleichzeitig als kostenlose Vollversion. Gerechnet hat sich das offenbar nicht, Daedalic kündigte betriebsbedingte Kündigungen an.
Verkaufszahlen im Sturzflug
Es sind nicht nur die stetig wachsenden Download-Größen neuer Spiele und der gleichzeitig immer mickrigere Installationsdaten-Umfang der Verkaufsboxen, die an der Zukunft der DVD als PC-Medium und dem Retail-Handel insgesamt zweifeln lassen. Auch die Absatzzahlen groß beworbener Spiele wie Watch Dogs 2 stimmen die Branche nachdenklich. Im Spieleherbst 2016 drängelten sich die Blockbuster dicht an dicht; das Ergebnis: kaum ein Nachfolger erreichte in den ersten Wochen dasselbe Einzelhandel-Verkaufsergebnis wie der jeweilige Vorgänger im gleichen Zeitraum. Die zunehmende Akzeptanz von Download-Käufen hat daran sicher ihren Anteil, der schlechte Launch-Zustand mancher Neuveröffentlichung auch - und natürlich muss man beim Vergleich beachten, dass einige der Vorgänger-Titel beim Generationswechsel 2014 zusätzlich auch für die alten Konsolen erschienen. Wie Retail-Erfolge 2016 aussehen, zeigt mit dem Landwirtschafts-Simulator ausgerechnet ein Nischenspiel: Allein die DVD-Version der 2017-Ausgabe verkaufte sich in einem Monat über 800.000 Mal!
Bitte doppelt bezahlen!
Quelle: PC Games
Mikrotransaktionen in AAA-Spielen wie Deus Ex: Mankind Divided gehören (leider) zum Alltag.
Wenn es darum geht, Spieler zur Kasse zu bitten, bewiesen die Hersteller 2016 erneut enorme Kreativität. Item-Shops mit Mikrotransaktionen gehörten dieses Jahr zur festen Ausstattung vieler AAA-Titel, für deren Kauf ohnehin schon der Vollpreis fällig wurde. Für besonderen Wirbel sorgte die Möglichkeit, in Deus Ex: Mankind Divided Boni wie Skillpunkte und Ingame-Geld für bare Münze zu erwerben. Gears of War 4 verkauft ebenfalls spielrelevante Zusätze für den Koop-Modus Horde, PvP-Spieler dürfen lediglich neue Skins erwerben - zu deftigen Preisen.
Microsoft bietet zudem bei Forza Horizon 3 Schatzkarten und rund 20 einzelne Auto-Pakete mit je sieben Boliden für den Gegenwert von sieben Euro an. Knackige DLC-Preise waren auch bei Total War: Warhammer zu beobachten, hier kostet ein einzelnes Fraktions-Add-on mit Minikampagne rund 18 Euro! Positive Gegenspiele gibt es glücklicherweise auch: Spieler von Rainbow Six: Siege und Titanfall 2 erhalten neue Maps gratis.
Tradition schützt nicht
Peter Molyneux war schon lange nicht mehr dabei, im Frühjahr zog Microsoft den Löwen dann endgültig die Zähne: Lionhead Studios wurde kurz vor seinem 20. Geburtstag aufgelöst, das in Entwicklung befindliche Online-Spiel Fable Legends eingestellt. Es ist eine von mehreren Studio-Schließungen 2016, unter anderem erwischte es auch Sleeping Dogs-Entwickler United Front (2007 gegründet). Die Kanadier hatten Pläne für Sleeping Dogs 2, Lionhead hätte gerne an Fable 4 gearbeitet. Beide Serien liegen vorerst auf Eis. Auch anderswo gab es Veränderungen: Mit Marc Laidlaw und David Gaider verließen zwei prägende Entwickler-Persönlichkeiten ihren Arbeitsplatz bei Valve beziehungsweise Bioware.
In diesem Artikel
Das war 2016! Wir hoffen, dass euch unser Rückblick gefallen hat - schreibt uns in den Kommentaren, was ihr von diesem Spielejahr gehalten habt, welche eurer Meinung nach wichtigen Neuerscheinungen oder Ereignisse wir vergessen haben und was eure Wünsche für 2017 sind. Wir lesen uns im nächsten Jahr wieder - bis dahin wünscht die Redaktion einen guten Rutsch!
