Abzû im Test mit Video: Stimmungvolles Naturschauspiel mit knapper Spielzeit
Test
Abzu im Test: Am Grunde des Meeres gibt es mehr als nur Krebse und Würmer - wagt ihr, bis in den schwärzesten Tiefseegraben hinabzutauchen?
Abzu im Test: Der Gott Abzu wohnt im Inneren der Erde, in der Quelle des Süßwassers. Vermählt ist er mit Tiamat, der Göttin des Salzwassers. Abzû basiert auf der sumerischen Schöpfungsgeschichte und entführt euch in die Tiefen des Meeres, in denen sich jede Menge faszinierende Geschöpfe tummeln. Und egal, wie fantastisch oder außerirdisch sie aussehen mögen, all diese Kreaturen gibt - oder gab - es wirklich.
Entspannen statt ackern
Dass Abzû von Mike Nava ersonnen wurde, einem der kreativen Köpfe hinter Flower und Journey, merkt man dem
Quelle: pcgames.de
Tristesse: Macht leblose Teile des Ozeans wieder lebendig, indem ihr heilige Brunnen aktiviert.
Tauchausflug sofort an. Eine mystische Story, die ohne Worte erzählt wird, ein stummer Protagonist, simple Rätsel und eine Spielzeit von nur etwa zwei Stunden - wer schon mit den beiden indirekten Vorgängern nicht warm wurde, sollte um Abzû ebenfalls einen Bogen machen. Spieler auf der Suche nach einem audiovisuell einzigartigen Erlebnis mit meditativem Charakter, die liegen bei dem Ozeanausflug nicht nur goldrichtig, sondern haben wahrscheinlich auch mehr als zwei Stunden Spaß beim Tauchen. Denn in der Unterwasserwelt sind Sammelobjekte versteckt und an verschiedenen Stellen befreit man neue Fischgattungen, die fortan das Meer bevölkern. Abseits vom Umherschwimmen, das mit geschmeidigen Animationen und überzeugenden Bewegungen sowie einer gelungenen Steuerung sehr viel Spaß macht, gibt es aber nicht allzu viel zu tun. Ab und zu mal ein extrem simples Rätsel, und damit wäre das Spielprinzip von Abzû bereits ausgeschöpft.
Ruhe in dir selbst
Nein, nicht ganz, unter der Oberfläche schlummert noch ein bisschen mehr. Lässt man sich auf einer Haistatue nieder, kann man sich per Meditation in die Bewohner der Wasserwelt versetzen. Steuern darf man Rochen, Riesenkalmare und Sardinen dabei jedoch nicht. Durch die exzellente KI der virtuellen Tiere, samt simulierter Schwarmintelligenz und Jagdverhalten, ist
Quelle: pcgames.de
Schwimmgemeinschaft: An große Lebewesen wie Rochen kann man sich festhalten und umhertragen lassen. Kleine Fische folgen euch manchmal als Schwarm.
das Zusehen aber nicht nur beeindruckend schön, sondern auch interessant. Wieso dieser hübsche Blick ins Aquarium beim Meditieren von zwei extrem hässlichen schwarzen Balken am oberen und unteren Bildrand blockiert wird, ist jedoch ein großes Rätsel. Ebenso seltsam mutet die Entscheidung an, kein Glossar oder Lexikon über die Bewohner des Meeres in das Spiel zu integrieren. Dass man bei der Entwicklung gründlich recherchiert hat, liegt angesicht der überzeugenden Simulation und Umsetzung der Tiere auf der Hand. Wenn Abzû aber das Interesse an der Welt der Tiefsee weckt - und das passiert höchstwahrscheinlich - muss man auf externe Quellen zugreifen, um mehr über Anglerfische, Quastenflosser und Seekühe zu erfahren. Auf der einen Seite ist es toll, dass selbst kleine Lebewesen wie Seeigel oder die drolligen, sogenannten Dumbo-Tintenfische zu finden sind. Andererseits wird man auch nicht dafür "belohnt", nach ihnen Ausschau zu halten. An dieser Stelle wäre gerade für jüngere Spieler eine Art Atlas eine schöne und vor allem nicht aufwändig umzusetzende Option gewesen, um dem Spieler maritimes Leben näher zu bringen. Und dass das Vermitteln von Respekt vor der Tierwelt und der Empfindlichkeit des Ökosystems ein Anliegen von Abzû ist, dass merkt man an vielen Stellen des übersichtlichen Plots.
Die Schönheit der Natur
Standbilder werden der Pracht des Spiels zu keinem Zeitpunkt gerecht - das Farbenspiel schillernder Fischschwärme, sich
Quelle: pcgames.de
Robo-Pflege: An manchen Stellen liegen kaputte Tauchroboter herum. Macht sie wieder flott und sie werden euch begleiten und den Weg ausleuchten.
in den Wellen wiegender Seetang und düstere Walfriedhöfe sind erhebende Anblicke, die man bislang in kaum einem Videospiel zu Gesicht bekam. Jedes der acht Kapitel stellt ein neues optisches Highlight dar. Dazu kommt die perfekt auf den Tauchgang abgestimmte Orchester-Untermalung, die an Flower erinnert und die Abzû eine Erhabenheit verleiht, die man selten verspürt, wenn man einen Controller in die Hand nimmt. Die organischen Meeresgeräusche sorgen für Atmosphäre. Abzû sieht also fantastisch aus, klingt bombastisch und ist mehr als ein Aquariumsbildschirmschoner. Dennoch fehlt an manchen Stellen der Tiefgang. Wem die Einzigartigkeit des Erlebens wichtiger ist als die Spieldauer, den erwarten zwei berauschende Stunden, die die Schönheit des Lebens in der Tiefe vermitteln. Geht man mit einer eher konventionellen Erwartungshaltung an Abzû heran, versiegt die Quelle des Spielspaßes sehr schnell.
