Rückblick 2016 - Virtual Reality, PC-Technik, Pokémon, Killerspiele
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Auf Seite 2 unseres großen Jahresrückblick-Specials erinnern wir an den Sommer-Hit Pokémon Go, das erneute Hochkochen der Killerspiel-Debatte und wahnsinnig beeindruckende Fan-Projekte wie Enderal.
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VR-Erfolg ist noch keine (virtuelle) Realität
Wie aufgeregt wir 2015 noch waren, wann immer es um die 3D-Brillen Oculus Rift und HTC Vive ging! Die Zukunft des Gamings schien vor der Tür zu stehen. Doch das vergangene Jahr hat gezeigt, dass die Hardware noch nicht für den Massenmarkt bereit ist (Kabelsalat) und die Spieler - auch abgeschreckt von horrenden Preisen zwischen 700 und 900 Euro - das Erscheinen der nächsten Generation abwarten.
Quelle: Oculus (Youtube)
3D-Headsets wie die Oculus Rift haben sich 2016 noch nicht auf breiter Front durchsetzen können.
Wie im Vorfeld von Experten vermutet, konnte Sonys Playstation VR (ehemals unter dem Arbeitstitel Project Morpheus bekannt) dank großer Konsolen-Nutzerbasis und vergleichsweise attraktivem Preis (rund 300 Euro) an den beiden PC-Pionieren in Sachen verkaufter Exemplare vorbeiziehen. Die erstaunlichen Möglichkeiten der Virtual Reality wurden 2016 - egal auf welcher Plattform - vornehmlich für Minispiele und kurze Erlebnisse wie im Job Simulator genutzt, in dem man mit den Händen Objekte greift. "Richtige" Spiele gab es dagegen kaum, am ehesten profitierten noch Titel mit Cockpit-Perspektive wie Eve Valkyrie oder Project Cars von der neuen Technik.
Es fehlte jedoch ein "System Seller", der Gameplay und VR-Spielerei sinnvoll zu einer langfristig unterhaltsamen Erfahrung verband. 2017 könnte das Resident Evil 7 werden. Bis dahin stauben die VR-Brillen aber auch bei uns in der Redaktion vorerst weiter vor sich hin - nach dem ersten Ausprobieren war der Zauber des Neuen einfach zu schnell verflogen.
Rückkehr der Killerspiele
Der Amoklauf in München am 22. Juli 2016, bei dem der 18-jährige Schüler David S. neun Menschen und sich selbst tötete, war keine zwei Tage her, da erlag die deutsche Politik alten Reflexen und gab den "Killerspielen" eine Teilschuld an der Tat. Für Innenminister Thomas de Maizière stand fest, dass das "unerträgliche Ausmaß von gewaltverherrlichenden Spielen im Internet auch eine schädliche Wirkung auf die Entwicklung von Jugendlichen hat. Das kann kein vernünftiger Mensch bestreiten."
Der Täter habe Counter-Strike: Source gespielt, und deshalb müssten Ego-Shooter nun "hinterfragt werden", so CDU-Fraktionsvorsitzender Volker Kauder wenig später. Aus Pietätsgründen sagte der Fernsehsender Pro Sieben Maxx kurz darauf die TV-Übertragung eines Counter-Strike-Turniers ab - die in den letzten Jahren abgeebbte Verbotsdebatte schien neue Nahrung zu erhalten. Die Leser auf PCGames.de waren verständlicherweise empört, sahen sich Fans von Computerspielen doch in der Vergangenheit immer wieder haltlosen und oftmals lächerlichen Vorwürfen der Verrohung durch Spiele mit Gewaltinhalten ausgesetzt (World of Warcraft sei ein Killerspiel, berichteten Medien etwa 2012 nach dem Amoklauf in Norwegen).
Doch letzten Endes waren die Schnellschüsse in Sachen Erklärungsversuche der Bluttat keine Wirkungstreffer: Kaum hatte sich die Aufregung über den tragischen Tag in einem Münchener Kaufhaus gelegt, war in Medien und Politik nichts mehr von den bösen, bösen Videospielen zu hören. Es wäre schön, wenn es 2017 dabei bleiben und der antiquierte Begriff "Killerspiele" endgültig aus der deutschen Medien- und Politiklandschaft verschwinden würde - es sei, denn er dient als Aufhänger für unaufgeregte, seriöse TV-Dokumentationen.
Der beste DLC
Quelle: PC Games
Hexer Geralt schwingt sich im The Witcher 3-Add-on Blood and Wine ein letztes Mal in den Sattel.
Während viele Spielefirmen ständig nach dem besten Weg suchen, ihre Kunden doppelt und dreifach abzukassieren, hat sich The Witcher-Entwickler CD Projekt mit seiner fairen DLC-Politik einen ausgezeichneten Ruf bei den Spielern erarbeitet. 2016 setzte das polnische Top-Unternehmen seinen Kurs fort und erweiterte Teil 3 seiner Rollenspiel-Reihe mit Blood and Wine um weitere 30 Stunden voller dramatischer Story-Entscheidungen, hervorragend geschriebener Dialoge und spannender Quests. Und das für nicht einmal 20 Euro!
Bei diesem Preis-Leistungsverhältnis konnte 2016 kein anderer Hersteller mithalten, von der durchweg hohen Qualität des Add-ons ganz zu schweigen. Monsterjäger Geralt zieht in Blood and Wine ein letztes Mal los, um in der Welt von The Witcher 3 für Recht und Ordnung zu sorgen - und ganz nebenbei bringt CD Projekt auch Geralts persönliche Reise zu einem wunderschönen, emotionalen Ende. Hut ab!
Siegeszug der Taschenmonster
Quelle: pcgames.de
Das Phänomen Pokémon Go hielt die Spielewelt in den üblicherweise ereignisarmen Sommermonaten in Atem.
Im Sommerloch wurden die Smartphones noch häufiger gezückt als üblich: Die Jagd auf kleine, blaue, gelbe oder grüne Monster war eröffnet. Pokémon Go erschien im Juli und stellte innerhalb kürzester Zeit App-Download-Rekorde auf, erwirschaftete viele Millionen US-Dollar mit In-App-Käufen und brachte stellenweise gar den Verkehr in Großstädten auf der ganzen Welt zum Erliegen. Unsere Webseiten drohnten unter der Last an Suchanfragen zum Thema stellenweise zusammenzubrechen und der Evoli-Guide zu Pokémon Go war dieses Jahr mit deutlichem Abstand der meistgeklickte Artikel auf PCGames.de.
Als die Hype-Welle rund um Pokémon Go dabei war, abzuebben, legte Publisher Nintendo mit Pokémon: Sonne und Mond nach - ein weltweiter Millionenseller für Nintendo 3DS, der zusammen mit dem simplen Smartphone-Spielchen Pokémon Go für Feierlaune bei den Fans sorgte - passend zum 20. Geburtstag der Taschenmonster. Zum Ende des Jahres legte Nintendo dann noch mit Super Mario Run nach, dem nächste Mobile-Spiel mit zugkräftiger Lizenz. Das erschien erneut zu einer Zeit, da kaum andere Videospielthemen Gesprächsstoff boten - die kluge Terminauswahl der beiden Smartphone-Abenteuer ist wohl auch ein Grund für ihren Erfolg.
Crowdfunding-Flaute
Star Citizen strich zwar auch 2016 wieder jede Menge Spendengelder ein, insgesamt sind über 138 Millionen US-Dollar zusammengekommen. Doch wenn es um die Finanzierung anderer Spiele-Ideen geht, sitzt das Portemonnaie der Spieler nicht mehr ganz so locker wie auf dem Höhepunkt der Kickstarter-Revolution 2012-2013.
Freilich waren nicht allein diese Crowdfunding-Ermüdungserscheinungen schuld am spektakulären Fehlschlag des Doom-Miterfinders John Romero. Dessen Shooter Blackroom scheiterte auf Kickstarter.com hauptsächlich wegen diffuser Präsentation ohne Gameplay-Videos. Besser machten es da Double Fine und Inxile Entertainment, die für Psychonauts 2 und Wasteland 3 zur Konkurrenzplattform Fig.co wechselten. Mithilfe finanzstarker Investoren, die anders als bei Kickstarter nach einem Verkaufserfolg der Spiele auf Dividenden hoffen können, wurden die angepeilten Spendensummen leicht überboten. Die große Euphorie bei Otto-Normal-Spendern wie während der Crowdfunding-Anfänge blieb 2016 jedoch aus.
Technik-Fails zum PC-Launch
Quelle: PC Games
Dishonored 2 war nur eines von vielen PC-Spielen, die 2016 mit Performance-Problemen zu kämpfen hatten.
Wer beim Spielen Wert auf flüssige Grafik legt, hatte 2016 immer wieder Grund, sich zu ärgern. Kaum ein großer AAA-Titel lief von Anfang an perfekt, oft mussten die Entwickler nachträglich mit Patches an der Performance schrauben. Ruckler und Hänger suchten bei Weitem nicht alle Spieler heim, etwa in XCOM 2 oder beim schlecht optimierten Dishonored 2, doch die Beschwerden der Betroffenen hallten umso lauter durch die Internet-Foren. Den Vogel schoss Mafia 3 mit seiner eingebauten 30-Fps-Sperre ab. Die offensichtliche Schludrigkeit der Macher sorgte dafür, dass die Bereitschaft der Kunden, Spiele zum Release zu kaufen, beständig sank.
Irre aufwändige Fan-Projekte
Während viele Nutzer in den Kommentaren auf PCGames.de ihrem zunehmenden Ärger mit AAA-Entwicklern und deren scheinbar immer niedrigeren Qualitätsstandards Luft machten, waren es 2016 die Ein-Mann-Studios und Hobby-Programmierer, die uneingeschränkten Respekt bei Presse und Spielern genossen.
Quelle: PC Games
Die Skyrim-Total-Conversion Enderal bekam von PC Games einen Award - eine Premiere im Bereich Mods.
Der Rollenspiel-Hit des Sommers war für manch einen etwa nicht das Millionenspiel Deus Ex: Mankind Divided, sondern die Enderal-Mod für The Elder Scrolls 5: Skyrim. Die Total Conversion eines internationalen Teams von Freizeit-Moddern bietet unzählige Stunden Spielspaß, ausgefallene Quest-Ideen und eine spannendere Story als Bethesdas Originalspiel - und kostet dabei nicht einen Cent! Dafür gab es von PC Games sogar den begehrten Editor's-Choice-Award - eine Premiere in Sachen Mods! Als Gratis-Download erschien auch AM2R - ein feines PC-Remake des Nintendo-Klassikers Metroid 2 im charmanten Pixel-Look. Sechs Jahre hat ein Team von Fans daran gearbeitet. Alle Achtung!
Indie-Idylle
Quelle: Games Aktuell
Stardew Valley ist wohl das erfolgreichste Indie-Spiel des Jahres. Das Leben auf dem Bauernhof reizte Millionen Spieler.
Populäre Online-Plattformen wie Steam oder GOG.com trugen einmal mehr zur massenhaften Verbreitung von unabhängig entwickelten Indie-Perlen in Rekordzeit bei. Neben kurzzeitig erfolgreichen Early-Access-Titeln wie Dead by Daylight steht vor allem ein Spiel für diesen Trend: Stardew Valley. Das beschauliche Leben auf einem Bauernhof steht in diesem putzigen Harvest Moon-Verschnitt im Fokus. Entwickelt von einem einzigen Designer, traf das Spiel den Nerv von fast zwei Millionen Käufern. Der Natur so nah fühlten wir uns dieses Jahr sonst nur im wunderschönen Adventure Firewatch.
In Japan ticken die Uhren anders
Team Ico, das Studio hinter Ico und Shadow of the Colossus, lebt in seiner eigenen kleinen Welt. Das erklärt nicht nur, wie die Japaner ein ums andere Mal solch fantastische Spielwelten und melancholische Geschichten entwerfen können. Es hilft auch dabei, zu verstehen, wie das ursprünglich als PS3-Knaller angekündigte The Last Guardian (2009 war das!) immer wieder verschoben werden konnte - das Team um Mastermind Fumito Ueda war offensichtlich in einer Zeitschleife gefangen und verpasste so den einstmals mit 2011 datierten Release.
Quelle: PC Games
Final Fantasy 15 hat eine bewegte Entstehungsgeschichte hinter sich, 2016 erschien es endlich und enttäuschte nicht.
In diesem Artikel
Nach über drei Jahren Funkstille dann auf der E3 2015 die Überraschung: Katzenvogel Trico und der kleine, namenlose Junge auf seinem Rücken erscheinen doch noch! Dieses Jahr war es dann endlich soweit. Für viele Fans von Team Ico ging ein Traum in Erfüllung; wir waren im The Last Guardian-Test aber wenig angetan von Steuerungsmacken und Technik-Problemen, die angesichts einer derart langen Entwicklungszeit (2007 bis 2016!) einfach nur peinlich wirken.
In Sachen Entwicklungszeit wird das Abenteuer mit dem treudoofen Federvieh aber noch einmal um ein Jahr übertroffen von Teil 15 der altgedienten Emo-Frisur-Reihe Final Fantasy. 2006 einst als Final Fantasy Versus 13 für die Playstation 3 angekündigt, benötigte das Projekt satte zehn Jahre zur Marktreife. Anlässlich des Generationenwechsels zur PS4 wurde das ursprüngliche Konzept über den Haufen geworfen und ein frisches Team setzte die neue Open-World-Vision zusammen. Ein Wunder, dass das Ergebnis namens Final Fantasy 15 kein Totalausfall geworden ist, sondern zu den besten (Japan-)Rollenspielen des Jahres gehört.
