Die Spielindustrie in der Abwärtsspirale: Wie sich Gaming gerade selbst zerstört
Special
Entlassungen, Studioschließungen und Mega-Flops: Die Games-Branche ist erfolgreich wie nie ... und steckt trotzdem in der Krise. Wo liegen die Probleme und warum sind sie zum Teil hausgemacht?
Einen ähnlichen Flop landete Warner Bros. mit dem Loot-Shooter Suicide Squad: Kill the Justice League. Das von den Rocksteady Studios (bekannt durch die Batman-Arkham-Reihe) entwickelte Actionspiel war zwar nicht katastrophal schlecht, fand aber keinen Platz auf dem überfüllten Markt und in den Herzen der Community.
Das Projekt kostete Warner rund 200 Millionen US-Dollar und sorgte darüber hinaus für einen massiven Einbruch des Gesamtumsatzes. Hier scheint der Weg eher in Richtung Free-to-Play-Umstellung zu gehen.
Concord und Suicide Squad: Kill the Justice League zeigen: Ein Flop kostet ein Unternehmen heute deutlich mehr als noch vor zehn Jahren. Und der Druck ist größer denn je. Um dem drohenden Aus in einem "überhitzten Markt" nach fetten Jahren entgegenzutreten, greifen viele Unternehmen zu Entlassungen.
Nach der Übernahme von Activision Blizzard kam es zuletzt etwa bei Microsoft zu wahren Wellen: Bereits Januar 2024 und damit nur wenige Monate nach der vollzogenen Übernahme wurden 1.900 Stellen gestrichen. Im Mai 2024 wurde etwa auch Tango Gameworks (bekannt durch Ghostwire Tokyo oder Hi-Fi Rush) geschlossen.
Quelle: Tango Gameworks
Im September folgten weitere 650 Mitarbeiter der Games-Sparte. Andere Unternehmen wie etwa die Embracer Group, Riot Games oder auch Take-Two Interactive zogen ebenfalls die Reißleine, und wenig überraschend gab kurz vor Veröffentlichung dieses Artikels Sony das Ende des Concord-Entwicklers Firewalk Studios bekannt.
Inzwischen gibt es Websites, die die andauernden Entlassungswellen tracken und veröffentlichen. So wurden allein im Jahr 2024 bisher rund 13.000 Arbeitsplätze abgebaut, 2023 waren es 10.500 und 2022 noch 8.500. Ein Ende scheint angesichts der jüngsten Meldungen nicht in Sicht.
Vibe, Timing und Social-Media-Hype
Es ist schon fast kurios: Das Hobby Computer- und Videospiele ist gleichzeitig so teuer und so billig wie nie zuvor und steht gleichzeitig in immer stärkerer Konkurrenz zu anderen Medien. Auch wenn der Markt weltweit stabil bleibt oder sogar leicht wächst, scheint sich die Community auf immer weniger Einzelspiele zu konzentrieren.
Das führt dazu, dass selbst ambitionierte und gute Spiele durch das Raster fallen. Und genau deshalb müssen Entwickler und Publisher einen neuen Ansatz finden. Es reicht nicht mehr aus, ein gutes Spiel zu entwickeln.
Ein Spiel muss den Markt und damit vor allem den Geschmack der Community treffen. Helldivers 2 von Arrowhead ist das perfekte Beispiel. Wir hatten alle gehofft, dass der Online-Shooter gut und erfolgreich werden würde, aber dass er mit zwölf Millionen Verkäufen in den ersten drei Monaten ein Mega-Hit werden würde, war unerwartet.
Helldivers 2 steht damit exemplarisch für die aktuelle Spielegeneration: Der richtige Vibe kombiniert mit dem perfekten Timing und dem entsprechenden Social-Media-Hype dahinter. Ein Patentrezept für die neue Zeit nach der Corona-Pandemie hat die Spieleindustrie jedenfalls noch nicht gefunden. Veränderungen sind notwendig, damit aus dem derzeitigen Trudeln keine Abwärtsspirale wird.
