Die Spielindustrie in der Abwärtsspirale: Wie sich Gaming gerade selbst zerstört

Special Olaf Bleich Benedikt Plass-Fleßenkämper Lukas Schmid
Die Spielindustrie in der Abwärtsspirale: Wie sich Gaming gerade selbst zerstört
Quelle: Sony

Entlassungen, Studioschließungen und Mega-Flops: Die Games-Branche ist erfolgreich wie nie ... und steckt trotzdem in der Krise. Wo liegen die Probleme und warum sind sie zum Teil hausgemacht?

Bevor wir uns den Problemen und Herausforderungen der Spieleindustrie widmen, ein kurzer Blick auf die Zahlen. Das Marktforschungsunternehmen Newzoo prognostiziert für das Jahr 2024 einen Wert von 187,7 Milliarden US-Dollar für den Gaming-Markt. Das wäre ein Wachstum von 2,1 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Das ursprünglich prognostizierte Wachstum von 2,8 Prozent wird voraussichtlich nicht erreicht.

Wichtigster Treiber wäre dabei der Mobile-Sektor mit 92,6 Milliarden US-Dollar, gefolgt von der Konsolensparte mit 51,9 Milliarden US-Dollar und dem PC-Gaming mit 43,2 Milliarden US-Dollar. Interessant: Einzig der Konsolenmarkt schrumpfte im Vergleich zum Vorjahr - und zwar um ein Prozent. Das stärkste Wachstum wird demnach der PC-Bereich mit vier Prozent erreichen. Bis 2027 sagt Newzoo sogar ein weiteres Wachstum bis auf weltweit 213,3 Milliarden US-Dollar voraus.

Steigende Produktionskosten

Angesichts dieser Zahlen könnte man meinen, alles sei in Butter. Die fetten Jahre scheinen vorbei, aber das Geld sprudelt weiter. Oder? Das stimmt nicht ganz. Denn die vergangenen Pandemiejahre beeinflussen den Markt bis heute. Während die (Spiel-)Zeit in den Corona-Jahren dank Lockdowns und Co. stark anstieg, ging sie danach deutlich zurück.

Vom ersten Quartal 2021 bis zum vierten Quartal 2023 wurde rund 26 Prozent weniger gespielt. Ebenfalls auffällig: Ältere Titel nehmen seitdem einen höheren Stellenwert in der Freizeitgestaltung vieler Gamer ein. Das bedeutet: Aktuelle Top-Produktionen werden zwar weiterhin gespielt, müssen sich aber die knapper werdende Zeit der Nutzer stärker mit Dauerbrennern teilen, die sechs Jahre und älter sind.

Ein weiteres Problem der Branche: die Entwicklungskosten. Sie sind massiv gestiegen. Ebenso wie die Zinsen, die zum Teil für die Kredite fällig werden, mit denen die Projekte finanziert werden. Marvel's Spider-Man 2 (2023) kostete beispielsweise 315 Millionen US-Dollar.

Spider-Man 2 Quelle: Sony Interactive Entertainment Miles Morales (2020) dagegen nur 156 Millionen US-Dollar, während der 2018 erschienene erste Teil lediglich 100 Millionen US-Dollar an Entwicklungskosten erforderte. Hinzu addieren sich natürlich die Marketingkosten. Schließlich nützt das beste Spiel nichts, wenn niemand weiß, dass es überhaupt auf dem Markt ist. Bei Großproduktionen wie eben Spider-Man oder Call of Duty kommt noch einmal die gleiche Summe hinzu.

Live-Service-Spiele erfordern hingegen einen noch größeren finanziellen Einsatz: Genshin Impact hatte zunächst ein Budget von 100 Millionen US-Dollar. Ein Jahr später gaben die Entwickler an, dass sie mit einem Jahresbudget von 200 Millionen US-Dollar planen. Diese Summen müssen erst einmal eingespielt werden.

Problematische Preispolitik

Wechseln wir an dieser Stelle die Seite und blicken auf uns, die Community oder besser gesagt die Konsumenten. Inflation und steigende Lebenshaltungskosten zwingen uns alle, am Anfang des Monats zu entscheiden, wie viel Geld für digitale Unterhaltung übrigbleibt. Damit meinen wir nicht nur Computer- und Videospiele, sondern auch Streaming-Dienste wie Netflix, Disney+, DAZN oder Spotify. Denn auch diese fallen unter die Kategorie Freizeit und müssen bezahlt werden.

Die stetig steigenden Preise machen sich in fast allen Bereichen bemerkbar. Call of Duty: Black Ops 6 kostet in der Standard-Edition für die PlayStation 5 zum Start 79,99 Euro. Möchte man jedoch die Vault Edition sein Eigen nennen, um beispielsweise die erste Season von Blackcell sowie weitere Extras zu besitzen, schlägt das Spiel bereits mit 109,99 Euro zu Buche.

Bildergalerie

Ein ähnliches Bild ergibt sich beim Mega-Rollenspiel Dragon Age: The Veilguard, das in der Deluxe Edition 99,99 Euro kostet. Gemessen an den Kosten, die dahinterstecken, sind die Spiele sicherlich nicht zu teuer, aber die veranschlagten Preise bedeuten für viele auch, dass aktuelle Vollpreisspiele nicht jeden Monat in der Tüte landen.

  • Print / Abo
    Apps
    PC Games 06/2026 PCGH Magazin 06/2026 play5 06/2026 N-Zone 06/2026 Linux Magazin 06/2026 LinuxUser 06/2026 Raspberry Pi Geek 07/2026
    PC Games PC Games Hardware Linux Magazin Raspberry Pi Geek Computec Kiosk