Die Spielindustrie in der Abwärtsspirale: Wie sich Gaming gerade selbst zerstört
Special
Entlassungen, Studioschließungen und Mega-Flops: Die Games-Branche ist erfolgreich wie nie ... und steckt trotzdem in der Krise. Wo liegen die Probleme und warum sind sie zum Teil hausgemacht?
Wie sehr sich der Preis auf das Kaufverhalten auswirken kann, zeigte sich bei der PlayStation VR 2. Der Verkauf der rund 600 Euro teuren VR-Brille verlief zunächst schleppend. Eine Preissenkung von 550 US-Dollar auf 350 US-Dollar löste jedoch einen regelrechten Run auf das Gerät aus.
Wie sich dagegen die mit 799 Euro ebenfalls sehr kostspielige PlayStation 5 Pro langfristig am Markt etablieren wird, bleibt indes abzuwarten. Schon in der Vergangenheit richteten sich Pro-Modelle in erster Linie an eine Hardcore-Zielgruppe und nicht an die breite Masse. Analysten rechnen mit einem soliden Absatz, der etwa zehn Prozent der insgesamt verkauften PS5-Konsolen ausmachen wird.
Der Faktor Zeit
Die Gewohnheiten der Gamer weltweit haben sich dem Markt angepasst. Das bedeutet: Der durchschnittliche User konzentriert sich stärker auf wenige Titel und ist gegenüber neuen Marken eher zurückhaltend. Umfangreiche Open-World-Spiele erfordern Zeit, Free-to-Play-Titel und Service-Games binden die Spieler ebenfalls dauerhaft. Sie motivieren mit Events, stetigem Fortschritt und immer neuen Inhalten.
Der kostenlose Online-Shooter Fortnite von Epic macht es vor: Popkulturelle Cross-over locken immer wieder Millionen von Spielern vor die Bildschirme - so auch bei den Ingame-Konzerten von Travis Scott im April 2020. Damals tummelten sich über zwölf Millionen Spieler gleichzeitig auf den Fortnite-Servern. Mit dem Start von Fortnite OG wurde sogar kurzzeitig die Marke von sieben Millionen Spielern überschritten.
Quelle: Epic Games
Durch die ständige "Beschallung" mit neuen Inhalten und Events binden die großen Free-to-Play-Spiele einen Teil der Community an sich. Nicht zu vergessen ist auch hier das liebe Geld: Wer einmal so tief in die Materie eingetaucht ist, dass er Geld in Ingame-Content investiert, wird diese Titel nicht so schnell wieder verlassen, sondern im besten Fall noch mehr Kohle ausgeben.
Dazu mischen immer mehr Abo-Dienste auch im Spielebereich mit: Amazon-Prime-Abonnenten erhalten regelmäßig frische PC-Spiele wie zuletzt Bioshock Remastered und Tomb Raider: Legend. Auch bei Netflix sind zumindest Mobile-Games mit dabei. Die Vertriebsplattformen Steam und Epic bieten regelmäßig kostenlose Spiele für die eigene Online-Bibliothek an.
Und dann gibt es natürlich noch die Gaming-spezifischen Plattformen wie Xbox Game Pass oder PlayStation Plus. Kurzum: Als Nutzer werden wir von Angeboten geradezu überschwemmt. Doch die eigene Lebenszeit ist natürlich begrenzt. Entsprechend streng ist mittlerweile der Auswahlprozess bei vielen Gamern.
Ein Flop nach dem anderen
Das Jahr 2024 hat vor allem eines gezeigt: Nicht nur neue, sondern auch bekannte Marken haben es auf dem aktuellen Spielemarkt enorm schwer. Der Elefant im Raum ist dabei sicherlich Sonys Helden-Shooter Concord.
Während der achtjährigen Entwicklungszeit verschlang das Projekt über 400 Millionen US-Dollar. Am Ende kam zwar ein solides Spiel heraus, das die Community neben etablierten Titeln wie Overwatch, Valorant und Apex Legends aber nicht interessierte. Sony nahm Concord nur wenige Wochen nach der Veröffentlichung wieder vom Netz. Noch nie wurde ein Spiel dieser Größenordnung so schnell für gescheitert erklärt.
