Toys to Life: Wie Skylanders, Amiibo und Co. die Welt eroberten - und plötzlich verschwanden

Special Nicolai Brülke Lukas Schmid
Toys to Life: Wie Skylanders, Amiibo und Co. die Welt eroberten - und plötzlich verschwanden
Quelle: Disney Interactive

Skylanders, Disney Infinity und Co waren Kassenschlager und fast jeder hatte die Plastikfigürchen im Regal stehen. Wir schauen uns an, was dieses Konzept so besonders gemacht hat und warum es trotzdem heutzutage so gut wie tot ist.

Zwischen Sammelspaß und Abzocke

Mit der Zeit stellte sich auch immer mehr die Frage nach der Sinnhaftigkeit, extra physische Figuren kaufen zu müssen, um ein Videospiel zu spielen. Statt Lego Dimension konnte man schließlich auch genauso jedes andere Lego-Game anschmeißen, hatte genauso viel Spaß und musste dabei nicht extra noch Geld ausgeben, nur um zu entscheiden, welchen Charakter man benutzen wollte.

Nicht nur war der Markt immer mehr übersättigt, durch das eher kundenunfreundliche Marketing der Toys-to-Life-Spiele wurden diese mit der Zeit immer uninteressanter. Dazu kam, dass die NFC-Technologie wie alles Neue irgendwann seinen Reiz verlor. Skylanders war schließlich nur so erfolgreich gewesen, weil das Konzept noch unbekannt war, als die ersten Spiele erschienen. Würde man die Figuren außer Acht lassen, hätten alle diese Spiele nicht ansatzweise so viel Aufmerksamkeit bekommen.

Gerade Skylanders hätte es mit einem unbekannten Studio, irgendwelchen zusammengewürfelten Monstern und dem Helden einer gescheiterten Spielereihe als Gesicht schwer gehabt ohne den Spielzeugaspekt. Leider wurde das Potenzial dahinter, dieses Konzept auszumelken, absolut genutzt. Man kann hier den Entwicklern zugutehalten, dass die erspielten Einnahmen zumindest merkbar in die Entwicklung der neuen Spiele einflossen, jedes Jahr neue Titel herauszubringen wirkte sich jedoch letztendlich trotzdem nicht unbedingt positiv auf die Reihe sowie das Genre aus

Lego DImensions Quelle: Warner Bros.  .

Wäre der Toys-to-Life-Hype nicht so groß gewesen, hätte sich das Konzept auch durchaus länger halten können. Mittlerweile hört man jedoch kaum noch etwas davon. Es gibt jedoch genügend Möglichkeiten, Toys-to-Life als marktfreundliche Ergänzung zu Videospielen umzusetzen, weswegen man noch nicht komplett von einem Toys-to-Death reden kann.

Überbleibsel einer Innovation

Mit Skylanders: Imaginators erschien 2016 der letzte Teil der Skylanders-Reihe und das letzte nennenswerte Toys-to-Life-Spiel. Danach gab es kaum neue Vertreter dieses Konzepts. Ubisoft versuchte mit Starlink: Battle for Atlas noch ein wenig von der Faszination der lebenden Spielzeuge mitzunehmen, und auch kleinere Spiele wie Nintendos Pokémon Rumble U beinhalteten zusätzliches Spielzeug.

Die waren hier aber nur noch eine Ergänzung zum Gameplay und keine Grundvoraussetzung, um überhaupt spielen zu können. Nintendo ist es übrigens auch, die gezeigt haben, wie das Konzept Toys-to-Life nachhaqltig sinnvoll in Spiele eingebaut werden kann, nämlich mit der Amiibo-Reihe. Sie startete 2014 mit dem Release von Super Smash Bros. for Wii U und bekommt bis heute regelmäßig neue Figuren spendiert.

Der große Unterschied der Amiibo-Figuren zu denen aus genannten Toys-to-Life-Titeln ist, dass sie nicht an eine bestimmte Software gebunden sind. Man kann sie in allen möglichen Spielen verwenden, um kleine Extras oder neue Inhalte freizuschalten, jedoch werden sie so gut wie nie zum Spielen vorausgesetzt. Es gibt zwar einige wenige Titel, für die Amiibo notwendig sind, diese sind dann aber auch explizit gekennzeichnet.

Amiibo Quelle: Nintendo Zum Start von Super Smash Bros. for Wii U (und 3DS)wurden die ersten NFC-Figuren einiger Kämpfer aus dem Spiel veröffentlicht. Kurze Zeit später folgte dann bereits die Super-Mario-Reihe mit den bekannten Gesichtern des Pilzkönigreichs. Mittlerweile gibt es von jeder aktuellen Nintendo-IP und von einigen externen Franchise Amiibo für alle möglichen Spiele. In Smash Bros. dienen sie zum Beispiel dem Trainieren von eigenen Computerkämpfern, die man dann gegen andere antreten lassen kann. Es gibt sogar ganze Turniere, in denen sich nur Amiibo miteinander messen.

Der schlaue Vorteil von Nintendos Umsetzung ist die Ungebundenheit an bestimmte Spiele. Solange ein Spiel Amiibo unterstützt, kann man auch jede seiner Figuren damit verwenden. Meistens ist es zwar so, dass er für spezielle Spiele und Reihen besondere Figuren gibt, die dann auch exklusiv für die jeweiligen Titel besondere Inhalte freischalten, aber selbst Non-Nintendo-Charaktere bieten in der Regel trotzdem kleine Goodies oder coole Kostümierungen.

Zudem ist der Sammelanreiz der Figuren selbst für Nicht-Nintendo-Spieler deutlich größer als bei z.B. Skylanders, da es mittlerweile so viele Amiibo aus anderen beliebten Reihen wie Final Fantasy, Monster Hunter und sogar Minecraft gibt, die einfach super im Regal aussehen. Und das ist auch genau der Grund, warum die Amiibo-Serie nach zehn Jahren immer noch so beliebt ist.

Toys-to-Life ist also auf keinen Fall ein totes Konzept. Es ist nur nicht mehr so präsent vertreten und wird wohl auch nie wieder den gleichen Hype erleben wie zu Skylanders-Zeiten. Der Reiz der magischen Portale, durch die Spielzeuge lebendig werden, ist einfach verflogen und ohne den ist wohl niemand mehr bereit, extra Geld für seine Ingame-Charaktere auszugeben.

NFC ist eine interessante Technologie, aber mittlerweile auch so alltäglich wie unfertige Spiele-Releases. Dass sie aber weiterhin mit Videospielen kombiniert gut funktionieren kann, zeigen die Amiibo. Sie sind wohl das letzte relevante Überbleibsel eines Hypes, der viele Kindheiten geprägt, aber auch viel Taschengeld gekostet hat. Und auch, wenn die Überbleibsel nur noch subtil sind, die Erinnerungen an die Abenteuer in den Skylands werden für viele wahrscheinlich für immer bestehen bleiben.

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