Toys to Life: Wie Skylanders, Amiibo und Co. die Welt eroberten - und plötzlich verschwanden

Special Nicolai Brülke Lukas Schmid
Toys to Life: Wie Skylanders, Amiibo und Co. die Welt eroberten - und plötzlich verschwanden
Quelle: Disney Interactive

Skylanders, Disney Infinity und Co waren Kassenschlager und fast jeder hatte die Plastikfigürchen im Regal stehen. Wir schauen uns an, was dieses Konzept so besonders gemacht hat und warum es trotzdem heutzutage so gut wie tot ist.

Wie man Potenzial verschenkt

Im Januar 2013 wurde Disney Infinity angekündigt und sah durchaus vielversprechend aus. Es hatte einen großen Vorteil gegenüber der Skylanders-Konkurrenz. Denn mit einigen wenigen Ausnahmen waren die Figuren dort einfach irgendwelche erfundenen Kreaturen ohne jeglichen Bezug auf bekannte Vorlagen.

Disneyfiguren kannte jedoch jeder. Beliebte Kindheitshelden, die man nicht nur sammeln und ins Regal stellen konnte, sondern die zusätzlich auch noch in einem Videospiel miteinander interagieren und von einem selbst gesteuert werden können. Klingt wie ein ziemlicher No-Brainer und hätte eigentlich auch einer sein können, wenn Disney bei der Entwicklung nicht einige seltsame Entscheidungen getroffen hätte.

Zwar gab es viele verschiedene Charaktere aus einigen beliebten Disney- und Pixar-Werken, wie Die Monster AG, Cars und Die Unglaublichen, ein ultimatives Disney-Pixar-Cross-over-Game ist Disney Infinity jedoch nicht geworden. Das liegt am Aufbau des Spiels. Es gibt nämlich zwei Hauptmodi, den Play-Set-Modus und den Toy-Box-Modus. Eine freie Wahl der Charaktere hat man nur im Toy-Box-Modus. Dieser ist quasi eine riesige Sandbox, in der man sich seine eigene Welt bauen und dabei Elemente aus allen Reihen bunt mischen kann.

Disney Infinity 3.0 Quelle: Disney Interactive Wer jedoch ein bisschen Story erleben möchte, muss auf den Play-Set-Modus zurückgreifen. Diese Play Sets waren ebenfalls eigene Figuren, die in sich abgeschlossene Geschichten aus den verschiedenen Filmreihen beinhalten. Diese waren dann eher mäßig umgesetzte kleine Kampagnen mit Lizenzspielflair, in denen man dann auch nur die Charaktere der jeweiligen Reihe verwenden kann. Auf epische Zusammentreffen zwischen Mike Glotzkowski und Captain Jack Sparrow wartet man hier leider vergeblich.

Nichtsdestotrotz war Disney Infinity ziemlich erfolgreich, und auch hier wurden wieder jährlich neue Spiele veröffentlicht. Der erste Nachfolger Disney Infinity 2.0 befasste sich mit dem Marvel-Franchise und brachte diverse neue Superheldenfiguren wie die Avengers, Spider-Man und die Guardians of the Galaxy. Dabei wurde sogar das Problem des Vorgängers angegangen. Man konnte jetzt nämlich Cross-over-Münzen sammeln, mit denen man Charaktere auch in anderen Play Sets verwenden konnte.

Als Letztes erschien 2015 Disney Infinity 3.0, welches sich komplett um das Star-Wars-Universum drehte. Zusammen mit dem Release des siebten Films der Blockbuster-Reihe im selben Jahr sicherlich kein schlechter Schachzug. Der dritte Teil war dann aber auch der letzte, und Disney stellte die Produktion 2016 vollständig ein.

Den Spielzeugvogel abgeschossen

Allein mit diesen sehr erfolgreichen Spielen und deren Figuren könnte man ganze Vitrinen füllen. Aber es war noch nicht Schluss mit dem Toys-to-Life-Hype. Auch Lego brachte sein eigenes Produkt dazu auf den Markt. Lego-Videospiele sind ja schon lange ein Ding und durchaus beliebt, mit Lego Dimensions erschien jedoch das erste und einzige Toys-to-Life-Lego-Game.

Dieses Spiel ergab wahrscheinlich von allen des Genres am meisten Sinn. Schließlich ist Lego ohnehin Spielzeug, und die Figuren waren richtige Lego-Männchen auf einem NFC-Sockel. Es gab auch hier viele verschiedene Welten aus verschiedenen Franchise und eine große Auswahl verschiedener Charaktere.

Lego Dimensions Quelle: Warner Bros.  Auch das Spiel an sich muss sich nicht verstecken. Die Entwickler waren die gleichen wie bei vielen vorherigen Lego-Spielen, und man bekam den typischen Lego-Humor serviert. Auch beim Portal hatte man sich Gedanken gemacht und es ins Gameplay integriert, indem man zum Beispiel Figuren darauf hin- und herbewegen musste.

Allerdings zeigte Lego Dimension auch perfekt, was das Problem mit dem Konzept Toys-to-Life und warum das Genre deswegen so gut wie gestorben ist. Wenn so viele Firmen mit einem gehypten Thema Profit machen wollen, endet das meistens nicht gut. Bei den ganzen verschiedenen Reihen mit jeweils anderen Figuren war es einfach irgendwann zu viel. Vor allem, da alle diese Figuren ja noch Geld kosteten und man somit in der Regel immer mehr zahlen musste als bei jedem normalen AAA-Spiel.

Wenn dann auch noch Firmen wie Disney oder Lego involviert sind, kann das einfach nicht gut gehen. Ein Lego-Dimensions-Levelpack kostete beispielsweise knapp 30 Euro. Wenn man alles vom Spiel sehen wollte, musste man also gut und gerne mehrere Hundert Euro hinblättern. Toys-to-Life war eine wahre Goldgrube, und das nutzten die Hersteller auch aus.

In Skylanders gab es Elementartore als Gameplay-Element, die man nur mit Charakteren des jeweiligen Elements betreten konnte. Man musste also auf jeden Fall mehr Geld ausgeben, um alles sehen zu können. Außerdem gab es nicht nur mit jedem neuen Spiel auch einen Haufen neuer Figuren, sondern oft wurden alte noch einmal neu releast, mit neuen Posen oder anderen Farben und in mehreren Special Editions. Es war einfach viel zu viel, und alles zu kaufen, was der Markt zu bieten hatte, hätte ein Loch in jede Brieftasche gerissen.

  • Print / Abo
    Apps
    PC Games 06/2026 PCGH Magazin 07/2026 play5 07/2026 N-Zone 06/2026 Linux Magazin 06/2026 LinuxUser 06/2026 Raspberry Pi Geek 07/2026
    PC Games PC Games Hardware Linux Magazin Raspberry Pi Geek Computec Kiosk