Herausforderung Pferdespiel - Missverständnisse & Wünsche

Special Annika Menzel
Herausforderung Pferdespiel - Missverständnisse & Wünsche
Quelle: Rockstar Games

Bei der Entwicklung von Pferdespielen übernehmen sich vor allem kleine Studios häufig. Auch die Wünsche der Community tragen dazu bei.

Daran scheitern Pferdespiele in der Entwicklung

Um denen genauer auf den Grund zu gehen, haben wir mit Alice Ruppert gesprochen. Sie ist unter anderem als Beraterin für Entwickler und sogar als Publisherin tätig. Dabei hat sie ihren Schwerpunkt auf die spielerische Umsetzung von Pferden gelegt.

Auf ihrer Website The Mane Quest nimmt sie zudem regelmäßig Spiele aus der Perspektive eines Pferdefans unter die Lupe. Laut ihr gibt es gleich mehrere Baustellen auf den virtuellen Reiterhöfen, die für den Mangel an wirklich guten Spielen sorgen.

Zum einen bestehen auch heute noch bei vielen Publishern Vorurteile bezüglich der Überschneidungen von Spielern und Pferdefreunden, sodass viele sich trotz der Marktlücke nicht an das Territorium heranwagen wollen. Zum anderen hilft dabei auch die aktuelle Lage der Spielebranche mit Entlassungen und Herausforderungen bei der Finanzierung nicht - und das betrifft schließlich nicht nur dieses bestimmte Genre, sondern die Industrie im Allgemeinen.

Etwas besser sähe die Lage Ruppert zufolge bei kleinen Indie-Projekten wie zum Beispiel The Ranch of Rivershine aus. Doch genau da lauere ein weiteres Problem: Viele noch recht unerfahrene Entwickler würden klassische Anfängerfehler machen, indem sie sich zu viel vornehmen, den Arbeitsaufwand unterschätzen und ihr Werk letztendlich nicht fertigstellen können.

Das wird zum Beispiel auch bei einem Blick auf die Pferdespielliste bei Steam deutlich: Diverse Projekte wirken unfertig, nicht ganz durchdacht oder - denn diese Fälle gibt es natürlich ebenfalls - wie lieblose Shovelware, die den Wunsch nach Pferdespielen ausnutzt.

Aber selbst wenn die Entwickler es gut meinen, unterliegen sie immer wieder Missverständnissen mit der überraschend großen Community oder machen schlichtweg Fehler, die der Freude über einen neuen Genrevertreter einen Dämpfer verpassen.

Bei My Riding Stables: Your Horse breeding müssen Pferdefans jetzt ganz stark sein: Ja, das soll ein brauner Friese sein, und er ist sogar kleiner als die anderen Rassen. Das tut schon etwas weh. Quelle: PC Games Bei My Riding Stables: Your Horse breeding müssen Pferdefans jetzt ganz stark sein: Ja, das soll ein brauner Friese sein, und er ist sogar kleiner als die anderen Rassen. Das tut schon etwas weh. In einem Artikel von The Mane Quest nennt Ruppert einige prominente Beispiele dafür, darunter unrealistische Animationen, keine langsamen Gangarten ohne Controllerakrobatik vonseiten der Spieler, und merkwürdige Kameraführungen, durch die man das eigene Pferd nicht richtig betrachten kann.

Aber auch vermeintlich kleine Details können die Immersion schnell zerschlagen. Atsus Pferd in Ghost of Yotei nimmt nämlich nicht nur eine unnatürliche Haltung zum Schlafen ein, sondern muss sich auch mit Sattel und Zaumzeug ausruhen - bei dem Anblick blutet unser Herz schon ein bisschen. Macht es also bitte Red Dead nach, liebe Entwickler!

Wünsche der Community: Fluch und Segen zugleich

Anstatt die Schuld nur auf die Entwickler zu schieben und somit das Pferd von hinten aufzuzäumen, müssen wir an dieser Stelle auch einen Blick auf die Community werfen - die ist nämlich auch nicht ganz unschuldig daran, dass sich einige kleine Studios völlig übernehmen.

Laut Ruppert beschreiben Pferdeenthusiasten häufig ein zu hochgegriffenes Ideal, wenn sie nach ihren Wünschen für ein Pferdespiel gefragt werden: grafische Qualität wie bei Red Dead, aber mit verschiedenen Disziplinen und Zucht und noch vielem mehr - kein Wunder also, dass viele Projekte an den eigenen Ambitionen scheitern.

In Crimson Desert reitet ihr nicht nur auf Pferden, sondern könnt sie auch selbst durch die Gegend tragen! Na ja, zumindest die leichten Fohlen. Quelle: PC Games In Crimson Desert reitet ihr nicht nur auf Pferden, sondern könnt sie auch selbst durch die Gegend tragen! Na ja, zumindest die leichten Fohlen. Zumal ja noch dazu kommt, dass manch einer sich eine Reiterhofsimulation und ein anderer wiederum ein großes Open-World-Abenteuer mit Pferdefokus wünscht, weshalb wir es hier ohnehin schon mit verschiedenen Nischen zu tun haben. Pferdespiel ist schließlich nicht gleich Pferdespiel, so wie auch nicht jedes Werk mit emotionaler Geschichte dem anderen gleicht.

Zwei konkrete Aspekte kommen Rupperts Erfahrung nach allerdings häufig als Wunsch auf: Authentizität und ein motivierender Gameplay-Loop. Denn was nützt das hübscheste Pferdemodell, wenn es ansonsten nichts Unterhaltsames zu tun gibt? Das Bedürfnis nach Glaubwürdigkeit bezieht sich außerdem nicht - zumindest nicht ausschließlich - auf die Grafik, sondern vor allem auf Lebendigkeit und eine realistische Umsetzung.

Pferde haben schließlich auch Hunger und Durst, sind müde und müssen gestriegelt und versorgt werden. Außerdem stehen sie eigentlich nicht nur still in der Gegend rum, bis sie wieder als Fortbewegungsmittel gebraucht werden, im Gegenteil - das ist sogar einer der Hauptgründe, der die Tiere oftmals lieblos wirken lässt. Auf der nächsten Seite erfahrt ihr mehr über die aktuellen Hoffnungsträger des Genres.

  1. Seite 1 Pferdespiel oder Spiel mit Pferden?
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