Red Dead Redemption 2 ist nicht genug! Wo bleiben die guten Pferdespiele?

Kolumne Annika Menzel
Red Dead Redemption 2 ist nicht genug! Wo bleiben die guten Pferdespiele?
Quelle: Rockstar Games

Das Glück der Erde liegt auf dem Rücken der Pferde - zumindest, wenn es ums Zocken geht. Redakteurin Anni findet, dass viele Spiele auf ein richtig cooles Feature verzichten, wenn sie die Tiere nur als Fortbewegungsmittel integrieren.

Sie sind aus vielen Spielen, gerade mit Mittelalter- oder Fantasy-Setting, gar nicht mehr wegzudenken - und zum Wilden Westen gehören sie sogar so fest dazu wie der ikonische Cowboy-Hut: die treuen Pferde, die unsere Protagonisten nicht nur von A nach B bringen, sondern auch aus brenzligen Situationen befreien und gemeinsam mit uns den Abend am Lagerfeuer ausklingen lassen.

Diese Gefährten geraten jedoch häufig zu kurz und werden als Mittel zum Zweck abgestempelt. Völlig zu Unrecht, denn dadurch lassen sich viele Spiele einen Aspekt durch die Lappen gehen, der zu einem ganz besonderen Erlebnis beiträgt, und zwar das Versorgen und Befreunden der Pferde.

Kein pink-glitzernder Ponyhof, sondern echte Verbindungen

Und nein, damit meine ich keine Spiele wie Bibi & Tina oder irgendwelche Anime-Games, in denen sich Frauen in Pferde verwandeln können. Stattdessen geht es mir darum, Pferde stärker in den Gameplay-Fokus eher klassischer Spiele zu rücken.

Werke wie Red Dead Redemption 2 und sogar Ghost of Yōtei machen vor, wie man die Tiere nicht nur als Fortbewegungsmittel, sondern als eine eigene Spielmechanik integriert, für die sich übrigens selbst Horror- und Shooter-Fans aus unserer Redaktion begeistern lassen.

Viel mehr als nur ein Transportmittel: In Red Dead Redemption 2 ist das Pferd auch ein treuer Gefährte. Und von einer guten Beziehung profitiert ihr auch als Spieler. Quelle: Rockstar Games Viel mehr als nur ein Transportmittel: In Red Dead Redemption 2 ist das Pferd auch ein treuer Gefährte. Und von einer guten Beziehung profitiert ihr auch als Spieler. Schnappen wir uns einfach an jeder Schenke der fiktiven Welt ein neues, namenloses Wesen, das wir am nächsten Zwischenstopp wieder zurücklassen, kommen die Pferde nie über ihren Status als lebendiges Transportmittel mit 1 PS hinaus.

Doch wenn wir die gesamte Geschichte lang mit ein und demselben Pferd unterwegs sind, die Welt erkunden und schwierige Herausforderungen meistern, schweißt das zusammen. Umso schmerzlicher ist dann auch der manchmal unvermeidbare Verlust, wenn unser treuer Gefährte bei einem Angriff verletzt wird und wir uns entscheiden müssen: Nehmen wir den beschwerlichen Weg nun zu Fuß auf uns oder lassen wir uns auf ein anderes Tier ein?

Verstärkt wird das Ganze noch dadurch, wenn wir nicht nur unsere Abenteuer miteinander teilen, sondern uns auch um das Pferd kümmern "müssen". Müssen steht deshalb in Anführungszeichen, weil das einerseits für mich keine Pflicht, sondern eine große Freude ist. Und andererseits, weil man am Beispiel von Red Dead sehen kann, wie komplex - im positiven Sinne - Spielmechaniken rund um Pferde sein können.

Das macht Red Dead Redemption 2 so besonders

Dass Pferde nicht als reines Mittel zum Zweck, sondern als lebendige Wesen gesehen werden, kann schon durch Kleinigkeiten verbessert werden. Da reicht als erster Schritt schon aus, wenn das Tier wie zum Beispiel Plötze aus The Witcher einen eigenen Namen bekommt.

Am liebsten hätte ich von jeder Pferderasse ein Exemplar, aber dann würde der Stall wohl aus allen Nähten platzen. Shire Horses finde ich besonders eindrucksvoll, für ein solches hätte ich immer Platz. Quelle: PC Games Am liebsten hätte ich von jeder Pferderasse ein Exemplar, aber dann würde der Stall wohl aus allen Nähten platzen. Shire Horses finde ich besonders eindrucksvoll, für ein solches hätte ich immer Platz. Rockstar hat sich damit allerdings nicht zufriedengegeben und stattdessen den Umgang mit Pferden zu einem größtenteils optionalen, aber dafür sehr umfangreichen Feature gemacht - wir haben damals sogar einen ganzen Guide rund um die Rösser verfasst.

Pferde könnt ihr kaufen, stehlen und sogar in der Wildnis fangen. Das gegenseitige Vertrauen sorgt nicht nur dafür, dass das Pferd euren Anweisungen folgt, sondern verbessert sogar seine Attribute. Striegeln, füttern und streicheln gehört im Alltag in der Prärie dazu und verbessert eure Verbindung mit dem Tier. Solltet ihr es eines Tages verkaufen wollen - wie auch immer man das übers Herz bringen soll -, bekommt ihr sogar mehr Geld, wenn ihr euch gut mit ihm versteht.

Außerdem verfügen die verschiedenen Rassen über unterschiedliche Stärken und Schwächen. Man könnte also schon fast die Story des Spiels links liegen lassen und sich einfach auf die Pferde-Features konzentrieren.

Und genau das ist für mich der Knackpunkt, den viele andere Spieleentwickler noch nicht verstanden oder einfach nicht in einem solchen Maße umgesetzt haben: Pferde können eine zentrale Spielmechanik sein, ohne dass wir uns wie in einem Ferienlager auf dem Reiterhof fühlen. Mit diesem Wunsch scheine ich auch nicht allein zu sein: Ein Blick auf Steam am vergangenen Wochenende hat gezeigt, dass das Interesse an solchen Features durchaus vorhanden ist.

Das Steam-Festival der Pferdespiele fand Mitte Februar statt. Quelle: Valve Das Steam-Festival der Pferdespiele fand Mitte Februar statt. Beim Steam-Festival der Pferdespiele gab es jede Menge Angebote. Doch vor allem bestätigt die Aktion zwei Dinge: das Interesse an Spielen rund um die Tiere sowie den Mangel an qualitativ hochwertigen Werken. Quelle: Valve Beim Steam-Festival der Pferdespiele gab es jede Menge Angebote. Doch vor allem bestätigt die Aktion zwei Dinge: das Interesse an Spielen rund um die Tiere sowie den Mangel an qualitativ hochwertigen Werken. Beim Festival der Pferdespiele gab es jede Menge Angebote rund um die Tiere und ihre teils realistischen, teils fantastischen Verwandten. Doch die reduzierten Spiele machen auch deutlich, dass in dem Bereich noch ordentlich Luft nach oben ist.

Von einzelnen hochwertigen Spielen wie Red Dead, das sich seinen Platz in der Liste redlich verdient hat, mal abgesehen, besteht der Großteil des Angebots aus lieblosen Cashgrabs, die an die Girly Games der 2000er Jahre erinnern - nicht nur spielerisch, sondern auch bezüglich der ausbaufähigen Qualität.

Mal ganz davon abgesehen, dass auch Kinder und klischeehaft als Mädchenkram abgestempelte Themen Spiele mit guter Grafik und durchdachtem Gameplay verdienen: Will ich Pferde im Fokus, muss ich auf solche Werke zurückgreifen oder Abstriche bei der Tiefe der spielerischen Umsetzung machen.

Deshalb wünsche ich mir mehr erwachsene Spiele wie den Vorreiter Red Dead Redemption 2, die nicht davor zurückschrecken, das eigene Pferd in die Spielerfahrung einzubinden - dafür wage ich mich auch gerne an Settings wie den Wilden Westen, die normalerweise nicht in meiner Komfortzone liegen. Eine Schippe drauf könnten solche Spiele dann aber trotzdem noch vertragen!

Die Legende von Khiimori als Wackelkandidat

Nun scharrt ein Spiel mit den Hufen, in das ich große Hoffnungen gesetzt habe, genau diesen Sweet Spot zu treffen: Die Legende von Khiimori startet am 3. März 2026 in den Early Access. Die ersten Trailer und das Konzept haben sofort meine Neugier geweckt, denn auf den ersten Blick scheint das Spiel genau das zu vereinen, was ich mir wünsche.

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Die Pferde stehen nämlich im Zentrum des Geschehens, ohne dass ich mich wie auf einer Immenhof-Variante aus der Shovelware-Fabrik fühlen muss. Und obwohl die Tiere in den Fokus rücken, sind sie eben nicht alles, was das Spiel zu bieten hat, sondern einfach ein wichtiger Teil eines großen Ganzen.

Khiimori soll ein Open-World-Adventure werden, in dem ich Pferde züchten, sie versorgen und Bindungen mit ihnen eingehen kann. In der Theorie klingt das genau nach dem, was ich haben möchte.

Wenn da denn nicht der letzte Gameplay-Trailer wäre. Seitdem blicke ich dem Early-Access-Start eher skeptisch entgegen, da mich die gezeigten Szenen mehr an Death Stranding als an ein großes Adventure erinnert haben.

Gut, das ist ein persönliches Problem, da ich mich mit dem Spielprinzip einfach nicht anfreunden kann - aber da fehlen mir einfach die Action, das Abenteuer und abwechslungsreiches Gameplay. Nichtsdestotrotz bin ich sehr gespannt darauf, wie sich Die Legende von Khiimori wirklich spielt - vielleicht erfüllt es mir ja doch meine Wünsche.

Und falls sich an dieser Stelle ein Entwicklerstudio inspiriert fühlt, sich mal an mein ganz persönliches Traumkonzept zu wagen: Ich hätte da ein paar Ideen für Settings, die mit ähnlichen Pferde-Mechaniken wie bei Red Dead hervorragend funktionieren könnten. Das war nämlich definitiv ein großer Schritt in die richtige Richtung, jetzt muss es nur noch stärker etabliert werden.

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