Kindheitshelden: Diese Games prägen uns bis zum heutigen Tag

Special Olaf Bleich Benedikt Plass-Fleßenkämper Lukas Schmid
Kindheitshelden: Diese Games prägen uns bis zum heutigen Tag
Quelle: Mobygames

Shooter-Revolutionen, merkwürdigen Kopierschutz-Abfragen und Splitscreen-Erfahrungen: Geht mit uns auf eine Nostalgiereise zurück in die 80er und 90er!

Die Siedler

Doch es mussten nicht immer die lauten Töne sein. Denn die 90er waren auch das Jahrzehnt der frühen Strategiespiele. Und auch hier stand neben dem Solo-Erlebnis das Miteinander im Vordergrund. Ich weiß noch, wie wir etwa den Taktik-Klassiker Battle Isle (1991) gegeneinander gespielt haben.

Damit man aber nicht sah, was der andere im Splitscreen-Modus so trieb, hängten wir kurzerhand ein Bettlaken als Sichtschutz dazwischen. Blue Bytes' Die Siedler (1993) dagegen ist auch im Jahr 2023 noch in aller Munde: Zum einen wegen des desaströsen Die Siedler: Neue Allianzen, zum anderen wegen Pioneers of Pagonia, das ja unter der Fuchtel von Siedler-Papa Volker Wertich entsteht.

Neben dem berüchtigten Wuselfaktor begeisterte mich bei Die Siedler der "What you see is what you get"-Faktor. Hier konnte ich wirklich nachvollziehen, wo welche Ressourcen abgebaut werden und was aus ihnen gefertigt wurde. Die Optik und der Detailgrad auf meinem Amiga 500 hauten mich von den Socken, auch wenn ich mir (damals) insgeheim gewünscht hätte, dass auch das Militär eine größere Rolle spielt. Aber dazu später mehr.

Die Siedler Quelle: Moby Games Die Siedler

System Shock

Doom entfachte meine Liebe zu Shootern. System Shock allerdings zeigte mir auch, dass es mehr gab als nur Action und Pixel-Gewalt. Mein Bruder schenkte mir das Spiel in der Enhanced Edition auf CD-ROM zum Geburtstag. Und als ignoranter Teenager, der das Spiel damals NICHT kannte, lag System Shock erst einmal Monate in der Ecke herum.

Einmal eingelegt allerdings, hat mich dieses Spiel nachhaltig beeindruckt wie kaum ein Zweites. Das von Looking Glass unter Warren Spector entwickelte Science-Fiction-Abenteuer kombinierte früh unterschiedliche Genres und wartete für einen Titel dieser Zeit mit einem massiven Rollenspieleinschlag auf.

Der Plot war dabei spannend wie ein Hollywood-Thriller: Auf der Raumstation Citadel ist die KI Shodan durchgedreht, hat die Crew angegriffen und wahlweise ermordet oder in unmenschliche Kreaturen verwandelt. Als Hacker müssen wir Shodan Einhalt gebieten. Das Storytelling forcierten die Entwickler hier durch Audiotagebücher der Crew, die in der Enhanced Version sogar mit Sprachausgabe vertont waren.

Die Levelarchitektur war weitaus komplexer als etwa in Doom und erstreckte sich über mehrere Ebenen. Auch konnte ich hier springen und mich vergleichsweise frei bewegen. Statt nur auf Schusswaffen setzte System Shock etwa auch auf Granaten oder Schlaginstrumente. Das Spiel war seiner Zeit voraus, und das merkte ich mit jeder Minute.

Dass ich mich in den teils verwinkelten Gängen der Station immer wieder verlief, hatte einen positiven Nebeneffekt: System Shock avancierte zum improvisierten Koop-Erlebnis. Während ich spielte und Shodans Schergen aus dem Weg räumte, merkte sich ein Kumpel den Weg, notierte sich Hinweise und half mir bei den eingestreuten Rätseln.

System Shock Quelle: Moby Games System Shock

Command & Conquer: Der Tiberiumkonflikt

Was mir bei Die Siedler damals fehlte, bekam ich schließlich in Westwoods Echtzeitstrategieklassiker Command & Conquer: Der Tiberiumkonflikt aus dem Jahr 1995. Ich weiß nicht mehr, wie oft ich mir den auf einer CD der PC Player enthaltenen Trailer zum Spiel vor dem Release angeschaut habe.

Auch wenn Warcraft 2 sicherlich dasbessere Strategiespiel war, holte mich Command & Conquer doch vor allem durch seine Präsentation und das Setting ab. So habe ich einige Missionen nur beendet, weil danach die nächste Videosequenz auf mich wartete.

Echte Schauspieler in einem Computerspiel? Das war gerade in diesem Genre ein enormer Fortschritt. Spielerisch bot Command & Conquer zumeist einen Mix aus Ressourcenmanagement, Basisbau und anschließendem Tank-Rush.

Command & Conquer: Der Tiberiumkonflikt Quelle: Moby Games Command & Conquer: Der Tiberiumkonflikt Natürlich habe ich mich damals bereits über notorisch blinde Tiberiumsammler geärgert. Auch Kommandos wie "Wir brauchen Silos!" in Dauerschleife bleiben bis heute im Ohr. Und selbstredend fand ich den fiesen Kane - der übrigens heute als Bubblehead auf meinem Schreibtisch steht - weitaus cooler als den biederen Kommandanten der GDI, an dessen Namen ich mich nicht mal mehr erinnern kann.

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