Kannst du diese Bilder hören? C64-Games und ihre einzigartigen Sounds
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Der heimliche Star hieß SID: Der Commodore-64-Soundchip leistete für seine Zeit schier Unglaubliches. Wir müssen nur einen einzigen Screenshot sehen! Und wer in sich hineinlauscht, kann die Bilder förmlich hören ...
Musikalisch begeistert hat mich zunächst Forbidden Forest. Die Grafik war so schrecklich gruselig im Sinne von schrecklich, dass mein Ohrenmerk auf den Sound gelenkt wurde. Der wiederum klang schrecklich gruselig im Sinne von schrecklich schön.
Am Shoot'em up Falcon Patrol, dem es ebenfalls nicht gelang, per Bilderbuchgrafik vom Ton abzulenken, entzückte mich unter anderem die Highscore-Liste: Wenn ich dort H a r a l d eintippte, wurde eine charakteristische Melodie gespielt, die ich bis heute sofort im Ohr habe, wenn ein Screenshot des Spiels meinen Sehnerv kreuzt.
Die Entwickler hatten sieben Töne auf alle Buchstaben des Alphabets verteilt, sodass Einträge in das Ranking einzigartige Melodien entstehen ließen. Angesichts dieser grandiosen Idee bekamen nicht nur Waldorfschüler riesige Lust, ihren Namen zu tanzen.
Quelle: Harald Fränkel
Software Automatic Mouth (kurz: S.A.M.), das 1982 erschienene Sprachprogramm für den C64, sagte stets die Wahrheit.
Besonders schwer in meinem Gedächtnis verankert ist ferner die flotte Titelmelodie des Kampfschachspiels Archon. Außerdem trage ich eine Sporthymne tief in meinem Herzen und Gehörgang, die ich am Ende in unserer Top 10 enthülle. Mein liebstes Sprachsample liegt sogar auf Rang 3. Das war gewissermaßen besonders geistreich.
Viele C64-Jünger, das darf nicht unerwähnt bleiben, erinnern sich auch gerne an die Loading-Screens der britischen Firma Ocean Software. Dass man sich die Datasetten-Ladezeiten bei Spielen dieses Herstellers mit Musik versüßen konnte, gab es erstmals bei Daley Thompson's Olympic Challenge, wo ein Stück von Martin Galway zu hören war.
Im Laufe der Zeit entstanden vier weitere Ocean-Loader-Melodien, die heute Kultstatus genießen. Sie erklangen unter anderem bei Hyper Sports, beiden Yie Ar Kung Fu-Teilen, Slap Fight (Komponist: Peter Clarke) und Rambo: First Blood Part 2 (Jonathan Dunn).
Über 42 Jahre, nachdem der US-amerikanische Ingenieur Robert Yannes SID geboren hat, sind Fans immer noch so von dessen Baby begeistert, dass sie damit Musik machen. So wie der Lübecker Benjamin Dibbert, der kürzlich z.B. zwei Stücke zur Portierung von The Secret of Monkey Island beitrug, darunter den Titeltrack.
Zuletzt vertonte er außerdem zwei weitere C64-Neuerscheinungen: Bei Tetris recoded war er für das komplette Sounddesign verantwortlich, also für die Musik und die Effekte. Beim Adventure Evil Dungeon 2 ertönen zwei Eigenkompositionen.
Auf seinem YouTube-Kanal Nordischsound gibt's vor allem SID-Versionen von Nintendo-Klassikern, aber auch andere Musik vergangener Jahrzehnte: Bei Barbie Girl und Captain Future muss der Autor dieses Artikels besonders breit grinsen.
Dibbert war so nett, mir zu erklären, warum der C64-Soundchip in den 80er-Jahren technisch so bedeutend war. Als Laie mit gefährlichem Halbwissen verstehe ich davon nur die Hälfte.
Quelle: Harald Fränkel
Wer Spiele wie Rambo mit Datasette laden musste, konnte in der Zeit dreimal den Hund ausführen - oder der Musik des Ocean Loaders lauschen.
Die Ausführungen des 40-jährigen Experten klingen aber fantastisch, und eine Hommage zum SID braucht meiner Meinung nach eine fachmännische Einordnung. Bitteschön:
"SID hatte zwar nur drei Kanäle und nicht vier, wie z.B. der Soundchip des NES, aber den Vorteil, dass die Kanäle nicht auf eine Wellenform festgelegt waren. Außerdem verfügte er über einen Filter mit halbanaloger Bauweise. So blieb in Sachen Sounddesign viel mehr Spielraum, als bei den anderen Soundchips dieser Zeit, wie sie etwa in Konsolen von Sega oder Nintendo verbaut waren. Last not least es gab es die Möglichkeit der Pulswellenmodulation, was dem SID seinen eigenen Charakter verlieh."
