Kannst du diese Bilder hören? C64-Games und ihre einzigartigen Sounds

Special Harald Fränkel Lukas Schmid
Kannst du diese Bilder hören? C64-Games und ihre einzigartigen Sounds
Quelle: Fotomontage: Harald Fränkel/PC Games

Der heimliche Star hieß SID: Der Commodore-64-Soundchip leistete für seine Zeit schier Unglaubliches. Wir müssen nur einen einzigen Screenshot sehen! Und wer in sich hineinlauscht, kann die Bilder förmlich hören ...

Synthesizer waren für uns Jugendliche irre hip, immerhin eroberten damals Elektropop-Gruppen wie Depeche Mode, Duran Duran, Eurythmics, OMD und Pet Shop Boys die Welt. Kein Wunder, dass bekannte Künstler deshalb auch mit SID experimentierten, zum Beispiel Michael Cretu (Produzent von Sandra, Peter Cornelius und Enigma) und Rick J. Jordan, der spätere kreative Kopf der Techno-Band Scooter.

Außerdem machten sich Spielemusiker einen Namen, hierzulande der erwähnte Hülsbeck (der ein bestens bekanntes Hüpfspiel akustisch veredelte, das viiieeel cooler war als Super Mario Bros.), aber auch Stefan Hartwig (u.a. an Turrican beteiligt) und Holger Gehrmann (Oil Imperium).

International der bekannteste Name: Rob Hubbard. Der heute 68-jährige Engländer ist mit vier Spielen in unseren Top 35 vertreten. Außerdem arbeitete er an Samantha Fox Strip Poker mit, einem historisch enorm bedeutsamen Werk, weil es mir mangels Echtfreundin sehr ... nun ... ich formuliere es mal durch die Blume: Es half mir als Heranwachsender, durch den Hormondschungel zu gelangen.

"Der Sound von SID hat mich schon als Kind angefixt. Ich habe die Musik geliebt, die oft sogar besser war, als die zugehörigen Spiele." - Benjamin Dibbert Quelle: Benjamin Dibbert Benjamin Dibbert macht heute noch C64-Musik, obwohl er jünger ist als der Rechner. "Der Sound von SID hat mich schon als Kind angefixt. Ich habe die Musik geliebt, die oft sogar besser war, als die zugehörigen Spiele." Mehr zu Benni lest ihr auf Seite 3. Alleine für diese Heldentat hat Hubbard eine mindestens 300-seitige Biografie verdient, wie sie dieser Tage übrigens auf C64Audio.com erscheint, wo er auch neue SID-Musik veröffentlicht.

Ich habe Hubbard für diesen Artikel gefragt, wie es sich anfühlt, dass Spieler seine Arbeit bis heute feiern: "Ich bin sehr geehrt, wenn sich Leute an meine alten Lieder erinnern, die wohl Teil ihrer Kindheit waren. Nach all diesen Jahren ist das doch erstaunlich."

Und war ein Künstler wie er eigentlich Fan von anderen C64-Soundmagiern? "Ich habe mir nie wirklich viele andere Musiker angehört. Grund: Ich wollte niemanden versehentlich kopieren. Aber Martin Galway und Ben Daglish waren einzigartig in ihrem Stil und ihren Einflüssen."

Wer als armes Atari-2600-Kind eines Tages International Soccer auf dem C64 spielen konnte, der kickte im Himmelreich. Quelle: Harald Fränkel Wer als armes Atari-2600-Kind eines Tages International Soccer auf dem C64 spielen konnte, der kickte im Himmelreich.

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Um Galway und den bereits 2018 gestorbenen Daglish an dieser Stelle einzuordnen: Brite Nummer 1 hat unter anderem Microprose Soccer, Wizball und Ultima 7 vertont. Heute arbeitet er in leitender Position für Chris Roberts und dessen Mammutprojekt Star Citizen. Seinen Landsmann Daglish kennt man z.B. von Gauntlet, Krakout und The last Ninja.

Mich hat SID zunächst nicht sonderlich geflasht. Als frisch gebackener Brotkasten-Besitzer war ich Ende 1983 noch ein oberflächlicher Kulturbanause, der Sound nur als nettes Beiwerk wahrnahm.

International Soccer, meine erste große Liebe auf dem C64, fesselte mich vor allem wegen der Optik. Heute würde ich sagen, dass der hüpfende Ball wie ein Luftballon und die rauschend jubelnden Zuschauer nach Toilettenspülung klingen. In meinen damals noch nicht grauhaarigen Ohren entstand hingegen Stadionatmosphäre. Für einen Eintrag in die Liste der denkwürdigsten Effekte reicht das allerdings nicht.


Platz 20: Beach-Head 2

Diese Ballerei ist ein Beispiel dafür, wie Sprachsamples Mitte der 80er im doppelten Wortsinn angesagt waren. Weil getroffene Soldaten krächzig "Medic!" und "I'm hit!" brüllten, war Taschengeldempfängern dieser Zeit der sonst öde Sound völlig wumpe.

Beach Head Quelle:  Harald Fränkel

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Platz 19: To be on Top

Fast logisch, dass ein Spiel, bei dem es ums Komponieren eines Chart-Hits geht, in unserer Topliste landet, gerade, wenn der leitende Entwickler Chris Hülsbeck heißt. Im Gedächtnis blieb vom Soundtrack vor allem Drums in Heaven - wegen des Sprachsamples "Nineteen!"

To be on Top Quelle:  Harald Fränkel

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Platz 18: Maniac Mansion

Der leicht schief klingende Titelsong dieses legendären Adventures passte hervorragend zum schrägen Humor. Nach der Ankunft am Haus von Dr. Fred, zu Beginn des Spiels, fräste sich außerdem das Zirpen der Grillen in die Großhirnrinde.

Maniac Mansion Quelle:  Harald Fränkel

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Platz 17: Cybernoid 2

In diesem Shoot 'em up ist eines der beliebtesten Werke des Amsterdamer Komponisten Jeroen Tel zu hören. Wobei sich noch viele weitere nennenswerte Spiele auf seiner Schaffensliste finden, z.B. Hawkeye, Lemmings, North and South und ... siehe Platz 11!

Cybernoid 2 Quelle:  Harald Fränkel

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Platz 16: Defender of the Crown

Obwohl dieses Spiel eher als Grafikwunder gilt und bisweilen wegen der nur zweistimmigen Musik kritisiert wird: Alleine der Titeltrack katapultiert uns ins Mittelalter! Verantwortlich war Richard Joseph. Der Brite vertonte z.B. auch die Barbarian-Games und Hexenküche 2.

Defender of the Crown Quelle:  Harald Fränkel

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Platz 15: M.U.L.E.

Die humoristische Titelmusik von Roy Glover, den man auch von Seven Cities of Gold kennt, versprüht einfach gute Laune. Fanfarenähnliche Klänge treffen auf einen beschwingten Beat, im Intro sichtbar gestampft von einem vorüberlaufen Maulesel.

M.U.L.E. Quelle:  Harald Fränkel

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Platz 14: Bubble Bobble

Der britische Chiptune-Künstler Peter Clarke fängt mit seiner fröhlichen Musik die durchweg fröhliche Stimmung des Spiels ein, die wiederum durch die prächtigen Farben und niedlichen Charaktere entsteht. Ton und Bild sind einfach durchweg zuckersüß.

Bubble Bobble Quelle:  Harald Fränkel

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Platz 13: Archon

Während im Intro die Schriftzüge "Archon" und "Free Fall" von oben und unten ins Bild gleiten, spiegelt die Titelmelodie des US-Amerikaners Tommy V. Dunbar (USA) ein Fallgeräusch wider, um anschließend hymnischen Charakter zu entfalten.

Archon Quelle:  Harald Fränkel

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Platz 12: Monty on the Run

Rob Hubbard holte sich für dieses sehr zackige Werk einige englische Pfund an Inspiration aus dem klassischen Stück Devil's Galop, das wiederum als Erkennungslied für eine Radioserie der British Broadcasting Corporation (BBC) diente.

Monty on the Run Quelle:  Harald Fränkel

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Platz 11: Turbo Outrun

Die speziell für den C64 von Jeroen Tel komponierte Musik wischte damals mit den Amiga- und Atari-ST-Versionen den Boden. Hier gab's das volle Programm, dank Hip-Hop-artiger Rap-Samples, Scratching, Keyboard-Sound und kraftvoller Drums.

Turbo Outrun Quelle:  Harald Fränkel

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Kurioserweise war es kein Spiel, das mich in puncto Sound erstmals fassungslos vor dem C64 sitzen ließ, sondern ein bereits 1982 erschienenes Programm namens S.A.M. (Software Automatic Mouth), das dem Brotkasten das Sprechen beibrachte. Man gab Text ein, den SID vorlas.

Für mich war das pure Magie. Ich war sicher: Computertechnik würde in Zukunft niemals noch besser werden! Es wurde auch nach Stunden nicht langweilig, pubertären Käse wie SAY"SAMANTHA FOX LIEBT HA RA LD FREN KEL" einzutippen. Die zerhackte Schreibweise diente dazu, der Software den englischen Akzent auszutreiben. Halbwegs.

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