HeroQuest im Test: Das Kult-Brettspiel unserer Jugend ist zurück
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Ein echter Brettspiel-Klassiker ist wieder da: Nach fast 30 Jahren wurde der Dungeon Crawler neu aufgelegt, mit frischem Design, vielen alten Stärken und komplett auf Deutsch. Ist der Fantasy-Oldie immer noch so fesselnd wie in unserer Erinnerung? Was ist mit den Erweiterungen? Und wie hochwertig ist die Verarbeitung? Das alles klären wir in unserem Brettspiel-Test zu HeroQuest.
Nachdem wir das Spielprinzip geklärt haben, werfen wir auf dieser Seite einen Blick auf die Ausstattung und Verarbeitungsqualität. Hier hat sich gegenüber dem Originalspiel nämlich viel geändert, darunter nicht alles zum Guten. Die Unterschiede beginnen schon bei der Schachtel. Der Originalkarton war noch deutlich breiter, die neue Ausgabe ist dagegen schmaler und dafür etwa doppelt so hoch. Zum Verstauen der Spielinhalte ist das mitunter ein Nachteil (mehr dazu später). Auch das kultige Artwork auf der Schachtel wurde komplett neu gezeichnet und wirkt nun viel comicartiger als das düstere Originalmotiv.
Das Spielbrett erinnert auf den ersten Blick stark an das alte HeroQuest, die Neuausgabe fällt lediglich ein bisschen größer aus. Allerdings macht sich auch hier das Format der Verpackung bemerkbar: Wo das Originalbrett nur einmal in der Mitte gefaltet wurde, muss das neue Spielfeld doppelt umgeklappt werden, um in den Karton zu passen. Darum wurde es bis zur Hälfte eingeschnitten, damit es sich vernünftig falten lässt. Das fällt natürlich nicht auf, sobald das Brett flach auf dem Tisch liegt. Allerdings ist der aufgeklebte Bedruck gerade an den neuen Schnittkanten anfällig für kleine Risse und Schäden. Das wäre sicher besser gegangen.
Quelle: PC Games
Das Spielbrett wurde eingeschnitten, damit es sich falten lässt.
Prächtige Miniaturen
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Helden wie der Zwerg wirken eindrucksvoller als im alten HeroQuest.
Die größten Neuerungen finden sich aber bei den mehr als 70 Miniaturen, die in der großen Schachtel stecken - darunter 4 Heroen, 15 Möbelstücke, 31 Monster und 21 Türen. Alle Figuren wurden ausgesprochen liebevoll gestaltet und glänzen mit vielen Details, von denen die Originale nur träumen konnten. (Achtet mal auf die Runen und Verzierungen auf den Waffen!) Das Design weicht in manchen Punkten spürbar von den alten Citadel-Figuren ab, was aber keine Kritik ist: Die Helden wirken nun martialischer und eleganter als früher, aber auch die Monster haben ein ordentliches Facelifting bekommen. Von manchen Modellen wie Goblins, Orks oder Zombies gibt es auch wieder mehrere Varianten, teilweise sogar in weiblichen Designs - da macht schon das Auspacken richtig Spaß.
Spätestens hier fällt auch auf, dass sämtliche Bezüge zum Warhammer-Universum mehr oder weniger behutsam entfernt wurden. So wurde aus dem einstigen Chaos-Krieger beispielsweise ein Schreckenskrieger. Die deutlichste Abweichung betrifft die Fimire, die in der Neuauflage komplett durch Abscheulichkeiten ersetzt wurden. Die zweibeinigen Amphibienmonster haben zwar nicht mehr viel mit dem Original gemein, sind aber zumindest richtig schick gestaltet.
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Abscheulichkeiten ersetzen in der Neuauflage die bekannten Fimire.
Weiches Plastik in harter Schale
Quelle: PC Games
Aufgeräumt, aber unpraktisch: Alle Figuren, Möbel, Karten und Würfel liegen in solchen Plastikschubern.
Auch das Material hat sich geändert: Die Figuren bestehen diesmal aus einem weicheren Kunststoff, der sich leicht verbiegen lässt. Dadurch brechen Waffen nicht mehr so leicht ab wie früher, allerdings ist die Verpackung der Figuren unglücklich gewählt. Die Modelle stecken in zwei Plastikfächern, in denen jede Figur in eine enge Vertiefung gequetscht wurde. Das ist zwar schön aufgeräumt, aber unpraktisch: Die festgeklemmten Figuren neigen zum Verbiegen, besonders beim Herausnehmen. Ohne ein wenig Fingerspitzengefühl riskiert man da Beschädigungen an Waffen oder Extremitäten, teilweise sind sogar die runden Bases verzogen. Mit dieser Meinung sind wir übrigens nicht alleine: In diesem Video zeigt ein findiger Youtuber, wie man die verbogenen Figuren mit einem einfachen Trick wieder gerade hinbekommt. Langfristig sollte man sich aber Gedanken über eine andere Aufbewahrungsmethode machen, zumindest falls Hasbro hier nicht eine eigene Lösung anbietet. Geld spielt für euch keine Rolle? Dann könnt ihr auch zu eigens angefertigten Schaumstoffeinlagen von Drittanbietern greifen. Die Sets sind kostspielig, sorgen aber für Ordnung in eurer Box - und auf Wunsch decken sie auch die beiden Erweiterungen mit ab.
Quelle: PC Games
Monster wie diese Orks liegen in unterschiedlichen Varianten vor.
In diesem Artikel
Alle Figuren sind übrigens aus einem Guss, ihr müsst also nichts mehr montieren (keine verlorenen Gargoyle-Köpfe mehr!). Das gilt auch für die Möbelstücke, die im Original noch aus einer Mischung aus Plastik und Pappe bestanden. Gerade diese Papp-Elemente waren zwar hübsch bedruckt und brachten Farbe aufs Spielfeld, waren aber auch anfällig für Beschädigungen. Erinnert ihr euch noch an die geöffneten Türrahmen, die schnell verknickten und aus den Fassungen purzelten? Das wird euch in der Neuauflage nicht mehr passieren, denn hier bestehen alle Möbel aus robustem einfarbigen Kunststoff. Optisch wirken sie dadurch etwas trister, aber das gleichen sie mit vielen hübschen Details wieder aus. Und wer es bunter mag, kann die Modelle natürlich nach Lust und Laune bemalen.
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Auch die Türen bestehen nun aus robustem Kunststoff.
Karten und Würfel
Die Karten sind ein klein wenig größer als früher und haben nun einen leichten Sepia-Look, außerdem wurden sie beschichtet. Dadurch gehen sie nicht mehr so leicht kaputt, allerdings fühlt sich die Oberfläche auch etwas nach Plastik an. Alle Zeichnungen für Monster, Schätze, Zauber und Ausrüstung wurden neu gestaltet, die meisten von ihnen fangen den Charme des Originals wunderbar ein. Nur bei den Heldenkarten bevorzugen wir eindeutig die Originale, wobei diese ohnehin keine andere Funktion haben, als die Startwerte abzubilden - wirklich wichtig sind sie also nicht.
Die Würfel dagegen enttäuschen ein wenig. Sie bestehen nicht mehr aus abgerundetem Holz, sondern aus einfachem Kunststoff mit härteren Kanten - das fühlte sich im Originalspiel einfach wertiger an, auch wenn sich am Gameplay dadurch natürlich nichts ändert. Ein Vorteil der Kunststoffwürfel dürfte aber darin liegen, dass sich die Farbe im Laufe der Jahre nicht mehr abnutzen dürfte.
Fazit zur Verarbeitung
Keine Frage, die Figuren sind Avalon Hill ausgesprochen schön gelungen. Die Modelle strotzen vor Details, selbst an unterschiedliche Designs für manche Monster wurde gedacht. Die neuen Kunststoffmöbel sind wesentlich robuster und dadurch sicher auch langlebiger als die Originale, allerdings hatte die Pappe auch einen Vorteil: Durch den bunten Bedruck kam einfach mehr Farbe aufs Spielfeld. Dass die Karten und die Würfel sich nicht mehr so schön anfühlen wie im alten HeroQuest, lässt sich locker verschmerzen. Das gleichen auch die prächtigen neuen Artworks wieder aus, die weniger comichaft daherkommen als im Original. Wirklich unschön finden wir aber die Plastikschalen, in die man die Figuren gequetscht hat: Auf den ersten Blick mag das Konzept noch aufgeräumt wirken, doch spätestens wenn man versucht, die Miniaturen unbeschädigt herauszunehmen, wird die Sache unerfreulich. Die vielen verbogenen Waffen sprechen Bände. Alles in allem ist die Neuauflage trotzdem ein sehr hochwertiges Paket, das aber noch etwas Luft nach oben lässt.
Bildergalerie
HeroQuest digital: Gibt's das auch für den PC?
HeroQuest wurde 1991 als Videospiel umgesetzt, für die Entwicklung war damals Gremlin Interactive zuständig. Ihr findet das Retro-Spiel heute als Abandonware im Netz (Download auf eigene Gefahr). Eine zeitgemäßere Möglichkeit, um das Spiel digital zu erleben, bietet sich mit dem Tabletop Simulator auf Steam. Hier gibt's HeroQuest als kostenlose Mod, die ihr auch online mit Freunden spielen könnt. Alle Infos und Screenshots findet ihr hier, weitere Anweisungen zur Installation hat ein Entwickler im Forum veröffentlicht.
Wie gefällt euch die Neuauflage von HeroQuest? Habt ihr Lust, das klassische Brettspiel nochmal zu erleben oder sind euch die 130 Euro Kaufpreis zu hoch gegriffen? Schreibt uns, was ihr über das neue HeroQuest denkt - und verratet uns auch gerne, welche weiteren Neuauflagen ihr euch wünschen würdet.
