HeroQuest im Test: Das Kult-Brettspiel unserer Jugend ist zurück
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Ein echter Brettspiel-Klassiker ist wieder da: Nach fast 30 Jahren wurde der Dungeon Crawler neu aufgelegt, mit frischem Design, vielen alten Stärken und komplett auf Deutsch. Ist der Fantasy-Oldie immer noch so fesselnd wie in unserer Erinnerung? Was ist mit den Erweiterungen? Und wie hochwertig ist die Verarbeitung? Das alles klären wir in unserem Brettspiel-Test zu HeroQuest.
Trommelt eure Freunde zusammen und poliert schon mal die Kampfwürfel: HeroQuest ist wieder da! Damit kehrt ein echter Brettspielklassiker zurück, den wir eigentlich schon vor 30 Jahren abgeschrieben hatten. Die älteren Semester werden sich vielleicht noch erinnern: Was konnte damals schöner sein, als sich an einem verregneten Nachmittag ums Spielfeld zu versammeln, gemeinsam Dungeons zu erkunden, Orks totzuwürfeln, Schätze zu suchen und Abenteuer zu erleben, die weit über einen normalen Spieleabend hinausgingen?
Doch der Erfolg von HeroQuest hielt nicht lange an: Schon 1993 - gerade mal vier Jahre nach seiner Erstveröffentlichung - verkaufte Games Workshop das Spiel an Hasbro, wo es schnell wieder in der Schublade verschwand. Stattdessen wurde es mit Advanced Hero Quest (hierzulande "Herr des Schwertes") fortgesetzt, später trat das erfolgreiche Warhammer Quest die Nachfolge an. Beide Spiele bauten zwar auf dem Grundprinzip von HeroQuest auf, fielen aber deutlich komplexer aus, beispielsweise wurde das simple Spielbrett durch ein modulares System ersetzt. Das zugängliche HeroQuest wurde derweil zum beliebten Sammlerstück - und im Laufe der Jahre geriet es in Vergessenheit.
Doch damit ist nun Schluss: Nach einer erfolgreichen Crowdfunding-Kampagne bringen Hasbro und Avalon Hill das kultige Fantasy-Brettspiel endlich wieder zurück. Zum stolzen Preis von etwa 130 Euro ist HeroQuest als rundum überarbeitete Neuauflage erhältlich, seit Februar 2022 auch komplett auf Deutsch. Aber macht es immer noch Spaß? Wir haben uns Würfel, Axt und Breitschwert geschnappt und uns nochmal bis zum Hexen-Meister durchgekämpft.
In diesem Artikel
Vier Heroen (und ein Schurke) müsst ihr sein
Am klassischen Spielprinzip ändert die Neuauflage - soweit wir das feststellen konnten - nur sehr wenig: Es gibt ein paar neue Schatzkarten und auch an einigen Missionen wurden leichte Anpassungen vorgenommen, zum Beispiel wurden die Monster hier und da anders verteilt. Ansonsten bekommt ihr aber das gleiche Erlebnis wie damals. Und genau wie vor 30 Jahren ist HeroQuest immer noch angenehm einsteigerfreundlich und stimmungsvoll, da kommen also auch Neulinge schnell auf ihre Kosten.
Quelle: PC Games
Bis zu fünf Spieler können HeroQuest gemeinsam erleben.
In HeroQuest treten bis zu vier Spieler als Heldengruppe an, um gemeinsam 14 Missionen in finsteren Kerkern zu bestreiten. Von den Gewölben ist anfangs noch nicht viel zu sehen, da jeder Auftrag auf einem leeren Spielfeld beginnt, auf dem nur Wände und Gänge vorgezeichnet sind. Darum braucht ihr zwingend noch einen weiteren Mitspieler, der die Rolle des bösen Zargon übernimmt. Der dunkle Zauberer (der in der alten Version noch "Morcar" hieß) erfüllt eine einzigartige Funktion: Er allein darf das Buch der Herausforderungen einsehen, kennt dadurch den Aufbau jeder Mission und die Position von Gegnern, Möbeln, Türen, Schätzen und Fallen, die er nach und nach auf das Spielfeld verteilt. Grobe Faustregel: Nur was die Helden via Sichtlinie sehen können, wird auch auf das Spielfeld gestellt.
Quelle: PC Games
Nur Zargon darf den Spielplan einsehen. Hinter seinem Sichtschutz überwacht er die Locations aller Monster, Schätze und Fallen.
Nun sind die Heroen am Zug: Mit Barbar, Elf, Zwerg und Zauberer erkundet ihr die Flure und Gänge, zwei sechsseitige Würfel geben das Tempo vor. Ihr bewegt euch Kästchen für Kästchen vorwärts, durchstöbert so Bibliotheken, Folterkammern und Gruften, sucht nach Schätzen und Artefakten, besiegt Monster, erfüllt eure Missionsziele und versucht anschließend lebendig den Ausgang zu erreichen.
Quelle: PC Games
Das zugängliche Spielprinzip von HeroQuest bleibt nahezu unangetastet.
Einzelgänger seien gewarnt: HeroQuest ist in erster Linie ein kooperatives Spiel, die Gruppe sollte möglichst zusammenarbeiten und sich gegenseitig unterstützen. Nahkämpfer prügeln die Monster also idealerweise gemeinsam nieder, bevor diese zum Gegenschlag ausholen können. Währenddessen helfen Elfe und Zauberin mit mächtigen Zaubersprüchen aus, die sich wie gewohnt auf Kategorien wie Feuer-, Wasser und Luftmagie verteilen. Die Empfehlung ist übrigens klar: Ihr solltet möglichst mit allen vier Helden spielen, sonst wird das Abenteuer bedeutend kniffliger. Wer nicht genügend Spieler zusammentrommeln kann, übernimmt einfach die Rolle von mehreren Charakteren.
Quelle: Hasbro
HeroQuest in der Neuauflage (Herstellerbild)
Tipp: HeroQuest spielen per App
Falls ihr keine andere Möglichkeit habt, um die leeren Plätze zu füllen, könnt ihr auch die kostenlose HeroQuest-App fürs Smartphone verwenden. Die übernimmt dann auf Wunsch die Rolle von Zargon und zeigt euch Zug um Zug genau an, welche Elemente ihr aufbauen müsst und welche Monster euch angreifen. Wir haben die App ausprobiert: Auf den ersten Blick etwas gewöhnungsbedürftig, entpuppte sich die App nach ein paar Minuten doch als erstaunlich nützlich, außerdem ist die Inszenierung unerwartet stimmungsvoll geraten - es gibt sogar englische Sprachausgabe. Weil man die App auch prima dazu verwenden kann, um die Regeln zu lernen, gibt's von uns eine klare Empfehlung: ausprobieren, das Ding ist gratis! Ihr findet die HeroQuest Companion App im Google Play Store und im Apple Store.
Und an dieser Stelle noch ein Vorschlag an Hasbro: Für ein künftiges Update der App bitte eine alternative Tonspur einbauen - am liebsten von diesem sympathischen Kerl hier. Kultverdächtig!
Prall gefüllte Schatzkammer
Eine Besonderheit von HeroQuest ist die Ausrüstung, die ihr unterwegs erbeutet und die ihr nach Ende einer Mission behalten dürft: In jedem Raum können die Helden nach Schätzen suchen und Beutekarten ziehen, die man dann auch untereinander tauschen darf. Weil dabei auch zufällige Monster angreifen können, birgt jede Schatzsuche zwar ein Risiko, das sich aber meistens für euch lohnt: So können sich Barbaren und Zwerge beispielsweise mit dem robusten Harnisch schützen, der zusätzliche Defensivwürfe erlaubt, aber dafür ihr Tempo verlangsamt. Oder man drückt der Elfe eine Lanze in die Hand, die Angriffe über die Diagonale erlaubt. Mit einer Armbrust sind sogar Attacken aus der Ferne möglich, ohne einen Konter zu riskieren - ein gewaltiger Vorteil! Der Zauberer kann dafür spezielle magische Artefakte nutzen, muss dafür aber auf einige nützliche Gegenstände verzichten, weshalb es für ihn oft ratsamer ist, sein Gold an die Mitspieler abzutreten. Damit kann man sich zwischen den Missionen neue Ausrüstungskarten kaufen, beispielsweise ein Werkzeugset, das es neben dem Zwerg auch anderen Helden ermöglicht, Fallen zu entschärfen.
Die Würfel entscheiden
Quelle: PC Games
Schade: Die neuen Würfel bestehen aus Plastik. Im Originalspiel gab's hübsche Holzwürfel mit abgerundeten Kanten.
Alle Helden haben einen Charakterbogen, auf denen Grundattribute, Ausrüstung, Gold und Lebenspunkte vermerkt werden. Diese Werte bestimmen auch, wie viele weiße Kampfwürfel man einsetzen darf. Der Barbar nutzt beispielsweise drei Angriffswürfel, was ihn anfangs zum besten Nahkämpfer macht. Wenn er dabei einen oder mehrere Totenschädel erzielt, verliert das angegriffene Monster einen Lebenspunkt. Das reicht schon für die meisten Viecher, nur die härteren Gegner stecken mehrere Treffer ein. Orks, Zombies, Gargoyles, Schreckenskrieger und das andere Horrorgesocks dürfen allerdings noch mit Verteidigungswürfen dagegenhalten: Wenn Zargon einen Schild würfelt, gilt ein Treffer als abgewehrt - ein simples System, das auch blutige Anfänger sofort kapieren. Die Zaubersprüche folgen etwas anderen Regeln und auch bei Zargons Monstern ist ein wenig mehr zu beachten - diese beiden Rollen richten sich also eher an erfahrene Spieler. Vor allem der Spielleiter sollte sich das Regelwerk gründlich durchlesen. Das gilt nicht nur für die Kämpfe, sondern auch für die Suche nach Schätzen und Geheimtüren. Unser Tipp: Macht euch vor allem mit den Regeln rund um die vier Fallentypen vertraut - hier gibt es am meisten zu beachten.
Quelle: PC Games
Die Monstergestaltung ist absolut geglückt.
Das sind dann aber auch schon die kompliziertesten Teile des Spiels, der Rest ist auch für Gelegenheitsspieler und jüngere Teilnehmer kein Problem. Unterschätzt aber den Zeitaufwand nicht: Zwar lassen sich manche Aufträge schon in unter einer Stunde erledigen, doch damit ist das Spiel nicht vorbei. Schließlich darf man all seine Fortschritte zwischen den Aufträgen behalten, das heißt, eure Schätze, Gold und Ausrüstung werden von einer Herausforderung zur nächsten übernommen. Und natürlich werden die 14 Aufträge stetig kniffliger, da kann man also locker mehrere Abende einplanen, bis man den Hexen-Lord besiegt hat.
Erweiterungen: Kommt da noch mehr?
Da sich die Missionen nicht verändern, hält sich der Wiederspielwert in Grenzen, irgendwann hat man die Layouts zur Genüge gesehen. Natürlich könnt ihr euch aber auch eigene Abenteuer ausdenken und neue Spielpläne entwerfen. Wem das nicht ausreicht, kann außerdem zu zwei offiziellen Erweiterungssets greifen: Ab Sommer 2022 werden "Die Rückkehr des Hexen-Lords" und "Die Bastion Kellars Keep" für jeweils 32 Euro als komplette Neuauflagen verkauft. Darin enthalten: Jede Menge neue Missionen, zusätzliche Figuren, Raumplättchen und Ausrüstungskarten. Hier auf dem Foto haben wir alle Inhalte für euch abgebildet.
Quelle: PC Games
Die Rückkehr des Hexen-Lords ist eine von zwei Erweiterungen, der Preis liegt bei ca. 32 Euro.
Fazit zum Gameplay: Macht es noch Spaß?
Selbst nach fast 30 Jahren entfaltet HeroQuest eine erstaunliche Anziehungskraft, die über blanke Nostalgie hinausgeht. Das Spielprinzip wird Tabletop- und Rollenspiel-Experten zwar völlig unterfordern, doch gerade Gelegenheitsspieler kommen dafür voll ihre Kosten. HeroQuest ist zugänglich, spannend und stimmungsvoll, außerdem fällt eine aufwändige Aufbauphase weg. Wenn ihr einen Spielleiter habt, der mit den Regeln vertraut ist, kann der Rest der Gruppe einfach loslegen und die Grundlagen beim Spielen lernen. Das macht HeroQuest nicht nur für eingefleischte Fantasy-Fans, sondern auch für jüngere Spieler und Familien interessant, die sich zum ersten Mal an so eine Art Brettspiel wagen. Die Neuauflage macht aus HeroQuest kein neues Spiel und wer sich nach inhaltlichen Verbesserungen gesehnt hat, wird vielleicht enttäuscht. Dafür bekommt ihr ein Spielgefühl, das dem Original in nichts nachsteht - und das war schließlich auch der Sinn hinter dieser Neuauflage.
Das Basisspiel HeroQuest könnt ihr für etwa 130 Euro im Einzelhandel kaufen oder online bestellen. Achtet beim Kauf darauf, dass ihr die Deutsche Ausgabe erwischt und keine englische Import-Version, die schon bei manchen Händlern seit Ende 2021 im Umlauf ist.
Lest auf der nächsten Seite: Figuren, Karten, Spielbrett und Verpackung - Wir zeigen euch die Höhen und Tiefen der Neuauflage, gehen genauer auf die Verarbeitung ein und stellen das Spiel auf weiteren Fotos vor. Dabei vergleichen wir auch einige Figuren und Karten mit dem Originalspiel von 1989.
