Kindliche Unschuld in Gefahr: Wirtschaftliche Gründe, Psychologie und Fazit

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Kindliche Unschuld in Gefahr: Wirtschaftliche Gründe, Psychologie und Fazit
Quelle: Deep Silver

Knappe Kleidung, Schulmädchen und Tentakelsex - Eroge-Spiele bereiten Jugendschützern enorme Kopfschmerzen. Am schwersten wiegt dabei die Minderjährigkeit fast aller Charaktere. In unserem Report erklären wir die möglichen Gefahren für Jugendliche und wie die USK mit einer neuen Spruchpraxis darauf reagiert.

Wirtschaftliche Gründe

Doch warum halten plötzlich sexualisierte Darstellungen von präpubertierenden Kindern in eine Spielereihe Einzug, die sich bisher vorwiegend auf erwachsen oder zumindest jugendlich wirkende Frauen konzentrierte? Darüber schweigt sich Produzent Kenichiro Takaki bis dato aus. Dabei ist er eigentlich einer der wenigen Entwickler von Eroge-Spielen, die offen über ihren Beruf reden und sich keine Ausreden einfallen lassen.

Nicht unwahrscheinlich ist, dass Lolicon-Elemente bei Peach Beach Splash vom Publisher eingefordert wurden. Die Spiele sind die Erfüllung einer Haremsfantasie, wo die unterschiedlichsten Persönlichkeiten und Vorzüge abgedeckt werden. Das nachträgliche Hinzufügen von Lolicon-Charakteren kann die Zielgruppe erweitern und den Profit steigern, so mutmaßlich der Gedanke. Dass Herausgeber sich als Geldgeber in die Entwicklung einmischen, ist nachvollziehbar.

Ein belegter Fall, wo erotische Inhalte gegen das Urkonzept verbaut wurden: Killer Is Dead Goichi Sudas Firma Grasshopper Manufacture. Dort gab Die Kinder in der <em>Seran-Kagura</em>-Serie erscheinen wie Randfiguren (oben rechts). Sie wirken im Gesamtwerk wie ein Fremdkörper. Quelle: Marvelous Games Die Kinder in der Seran-Kagura-Serie erscheinen wie Randfiguren (oben rechts). Sie wirken im Gesamtwerk wie ein Fremdkörper. es einen Gigolo-Modus, in dem Frauen verführt werden. Er wirkte wie ein Fremdkörper, schaltete bloß ineffiziente Waffen frei und passte auch sonst nicht zu der Riege an starken, durchaus gut geschriebenen Frauenfiguren der Hauptkampagne. Suda hat später in Interviews bestätigt, dass der Gigolo-Modus nicht seine Idee war, sondern Publisher Kadokawa Games diesen im Spiel haben wollte. Ärgerlich, denn das überflüssige Anhängsel wirkte auf viele Spieler frauenfeindlich und überschattete das eigentliche Spiel. Ähnliches geschieht nun mit Senran Kagura, bei dem Kenichiro Takaki bisher innerhalb gewisser Grenzen blieb. Viele neue Fans werden durch den Lolicon-Aspekt hinzukommen, aber ebenso werden sich einige gerade deshalb abwenden.

Psychologie der Adoleszenz

Niemand kann sagen, was die Zukunft bringt, doch wird der deutsche Jugendschutz sicher noch eine Weile mit Lolicon-Inhalten in Spielen zu tun haben. Bei sehr vielen Titeln ist dieser Aspekt eine Randerscheinung. Zum Beispiel bei der Hyperdimension-Neptunia-Reihe, wo die Heldinnen zwar alle sehr jung sind, aber in keinerlei verfängliche Situationen geraten. Auch in Mainstream-Rollenspielen wie Xenoblade Chronicles 2 oder Final Fantasy 13 sind Lolicon-Charaktere enthalten, auch wenn es da bloß bei romantischen Andeutungen bleibt. Serah und Vanille aus Square Enix' XIII-Trilogie beispielsweise sind zwar laut Biografie volljährig, aber mit ihren knappen Kostümen, kindlichem Auftreten und zierlichen Körpermaßen an Lolicon-Fans adressiert.

<em>Killer Is Dead</em> hat eine gute Geschichte mit ein paar starken weiblichen Charakteren. Der deplatziert wirkende Gigolo-Modus reduziert Frauen jedoch auf Sexobjekte und zerstört den Gesamteindruck. Quelle: Deep Silver Killer Is Dead hat eine gute Geschichte mit ein paar starken weiblichen Charakteren. Der deplatziert wirkende Gigolo-Modus reduziert Frauen jedoch auf Sexobjekte und zerstört den Gesamteindruck. Ist denn die ernsthafte Behandlung von Sex und Liebe unter Jugendlichen ein Tabu? Nein, solange eine differenzierte Darstellung erfolgt und die entsprechenden Szenen nicht zur Stimulation dienen. Bei Life is Strange und seinem Ableger Before the Storm sind es sogar wesentliche Elemente in der Handlung. Es sind romantische Begegnungen, die Teil der Entwicklung, der Adoleszenz der Hauptfiguren sind.

Life is Strange beschreibt, was bei Jugendlichen im echten Leben eben so geschieht. Das Gehirn bei jungen Menschen ist erst mit 21 Jahren voll ausgebildet. Das gilt vor allem für den Frontallappen, der wie eine Art Notbremse funktioniert. Jugendliche sind impulsiv, spontan, waghalsig, weil sie nur wenig über Konsequenzen ihrer Handlungen nachdenken. Gleichzeitig produziert das Hirn in diesem Alter eine Unmenge an aufnahmefähigen Zellen. Das ermöglicht schnelleres Lernen und die Vertiefung von Talenten, verankert Erfahrungen allerdings auch tiefer im Bewusstsein als bei Erwachsenen. Das gilt natürlich auch für alles, was mit Sexualität zu tun hat. Rollenbilder, soziale Verhaltensweisen, der Sex an sich: gute oder schlechte Erfahrungen prägen für das gesamte Leben. So sehr, dass sich vieles in das Unterbewusstsein einpflanzt und selbst der erwachsene, vernünftige Verstand dem nur schwer entgegenwirken kann.

Abschließende Worte

Deshalb ist Jugendschutz so wichtig. Er soll gewährleisten, dass die Entwicklung von Kindern und Jugendlichen nicht beeinflusst wird. Hier geht es nicht um Zensur. "Gegenstand einer USK-Prüfung ist immer das, was für die Veröffentlichung auf dem deutschen Markt den Gremien vorgelegt wird", erklärt Secker. "Die USK verfügt über einen vom Test- und Prüfbereich abgetrennten Consulting-Bereich, in dem Anbieter*innen auf Wunsch hinsichtlich der deutschen Jugendschutzregeln und -kriterien beraten werden. Dabei kann es natürlich auch um die Beratung gehen, wie Produkte <em>Demon Gaze</em>&nbsp;(USK 16) und&nbsp;<em>Demon Gaze 2</em>&nbsp;(USK 12) sprechen beide bewusst Haremsfantasien an. Der Cast besteht fast ausschließlich aus weiblichen Charakteren. Quelle: Nippon Ichi Software Demon Gaze (USK 16) und Demon Gaze 2 (USK 12) sprechen beide bewusst Haremsfantasien an. Der Cast besteht fast ausschließlich aus weiblichen Charakteren. jugendschutzkonform gestaltet werden können, um sie auf dem deutschen Markt rechtssicher anzubieten." Anpassungen an hiesige Märkte werden also von den Herstellern der Spiele selbst entschieden und umgesetzt.

Vielmehr geht es darum, dass Objektifizierung, sexuelle Belästigung, Missbrauch oder der Sex zwischen Minder- und Volljährigen nicht normalisiert oder verharmlost wird. Dabei spielt es keine Rolle, ob Erwachsene diese Inhalte einordnen oder sogar mit sich persönlich vereinbaren können. Trotzdem müssen auch sie bedenken, dass sich in Extremfällen das Dargestellte nahe an der Schwelle zur Kinderpornografie bewegt. Daran ändern auch gezeichnete Kulleraugen nichts.

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