Kindliche Unschuld in Gefahr: Keine USK-Freigabe für Anime-Erotik-Spiele
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Knappe Kleidung, Schulmädchen und Tentakelsex - Eroge-Spiele bereiten Jugendschützern enorme Kopfschmerzen. Am schwersten wiegt dabei die Minderjährigkeit fast aller Charaktere. In unserem Report erklären wir die möglichen Gefahren für Jugendliche und wie die USK mit einer neuen Spruchpraxis darauf reagiert.
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Kenner von Animes und Mangas wissen, dass es sich um breit gefächerte Darstellungsformen mit verschiedenen Genres und Stilen handelt. Krimis, Dramen, Science-Fiction, Horror, Komödien - alles ist denkbar. Trotzdem sehen sich Fans japanischer Zeichentrickfilme immer wieder den skeptischen Blicken Fachfremder konfrontiert. Denn gefühlt in jeder zweiten Produktion ist die Darstellung von sexualisierten Minderjährigen vertreten.
Beim geneigten Anime-Fan folgt Schnappatmung ob dieser infamen Pauschalisierung. Manch einer dürfte sich zu einer umfassenden Richtigstellung genötigt fühlen. Und doch ist die Unterstellung nicht ganz von der Hand zu weisen: Schulmädchen zum Beispiel spielen in Anime und Manga sehr oft eine Rolle, vor allem in der ausgeprägten Erotiksparte. Eine Tatsache, die der Unterhaltungssoftware Selbstkontrolle (USK) seit einiger Zeit ein Dorn im Auge ist. Sie hat jüngsten Anime-Erotikspielen die Freigabe verweigert, zuletzt dem Nachfolger von Gal Gun: Double Peace.
Wenn süß und putzig verharmlosend wirken
Dabei wirken die Spiele mit ihrem niedlichen Grafikstil, der lustigen Musik und der humorvollen Aufmachung zunächst harmlos. Schauen wir uns die Fortsetzung von Gal Gun: Double Peace genauer an. Dort ist selbst die Hintergrundgeschichte putzig: Ein Junge muss an seiner Schule den Streit zwischen einem Liebesengel und einer Dämonin schlichten. Letztere schickt kleine Teufelchen los, die alle Schülerinnen in liebestolle, herrische Femme fatales verwandelt. Doch auch der Liebesengel sorgt für Chaos und stattet den Jungen mit einer unwiderstehlichen Anziehungskraft aus, die alle Mädchen in seiner Nähe vor Lust wahnsinnig werden lässt. Den heranstürmenden Haufen kann er nur mit einer Pheromon-Kanone abwehren. Ein paar Schüsse auf erogene Bereiche der Mädchen lassen diese in orgiastischer Ekstase zu Boden fallen. Weil sich die kleinen Dämonen in der Kleidung oder in den Haaren verstecken, hilft nur ein großer Staubsauger. Damit saugt der Junge die garstigen Biester ein - und nicht selten die Kleidung der Mädels gleich mit, woraufhin sie kreischend zu Boden fallen und voller Scham ihre Intimzonen bedecken. Die Entkleidung geschieht also entgegen ihrem Willen in aller Öffentlichkeit.
Quelle: PQube
Bei allen Spielen aus der Gal-Gun-Serie bestehen keine Zweifel daran, dass die Mädchen alle minderjährig sind. Das ergibt sich aus dem Erscheinungsbild und dem Szenario.
Mechanisch spielt es sich dabei wie ein Lightgun-Shooter. Doch hier werden keine Zombies oder Soldaten bekämpft, sondern Mädchen in einen Liebesrausch gedrängt. Die Idee ist zwar kurios, allerdings hat das Spiel ein großes Problem: Kein Charakter ist volljährig - was sich durch das Szenario an der Schule, den hohen Stimmlagen, den Körperbau und dem Verhalten und der Gestik der Mädchen eindeutig feststellen lässt. Für die Jugendschutzsachverständigen bei der Begutachtung besonders entscheidend ist die sogenannte Posendarstellung Minderjähriger unnatürliche, geschlechtsbetonte Körperhaltungen. Bewegungen etwa, die Brust und Po hervorheben. Oder das Spreizen der Beine.
"Dabei muss es sich nicht um Abbildungen der Realität handeln. Auch virtuelle Darstellungen von Mädchen und Jungen, die nach dem äußeren Erscheinungsbild als noch nicht 18-jährig erscheinen, erfüllen den Tatbestand", erklärt uns Lidia Grashof. Sie ist eine ständige Vertreterin der Obersten Landesjugendbehörden (OLJB) bei der USK. Grashof führt weiter aus: "Nicht erforderlich ist, dass die minderjährige Person nackt oder auch nur teilweise entkleidet dargestellt wird, wenn sich schon allein aus der Körperhaltung oder eingenommenen Pose die unnatürliche Geschlechtsbetontheit ergibt."
Zwei unterschiedliche Welten
Während unserer Recherchen haben wir mit dem Psychologen Benjamin Strobel gesprochen, der Sexualmedizin in Kiel studiert hat. Digitale Spiele sind seine große Leidenschaft, doch auch er sieht bestimmte Darstellungen in Eroge-Spielen kritisch. "Diese Posendarstellungen können Kindern suggerieren, dass es sich dabei um angemessene oder sogar erwünschte Verhaltensweisen für sie handelt - was natürlich nicht der Fall ist! Solche Darstellungen sind - wie Pornographie - Teil einer erwachsenen Sexualität und haben deshalb bei Kindern nichts
Quelle: Idea Factory
Knappe Kostüme allein können sexistisch wirken, aber sind aus Sicht der USK nicht zwingend jugendgefährdend. Die Titel der Hyperdimension-Neptunia-Serie schwanken immer zwischen USK-Freigaben „Ab 12 Jahren“ und „Ab 16 Jahren“.
verloren", erklärt er. "Die Vermischung dieser Ebenen, die Kinder noch nicht richtig verstehen können, kann sich negativ auf ihre Entwicklung auswirken - das zeigen auch entsprechende Studien."
Sexualisierte Darstellungen von Minderjährigen dürfen also nicht zur Normalität und im öffentlichem Raum breit zugänglich gemacht werden. Selbstverständlich verfügen auch heranwachsende Menschen über eine Sexualität, die gerade in der Pubertät zu blühen beginnt. Doch sie darf sich nicht mit der von Erwachsenen vermengen. Laut Sexualwissenschaft können Minderjährige zwar willentlich, aber niemals wissentlich in sexuelle Handlungen einwilligen. Die Tragweite einer solchen Entscheidung ist für Schutzbedürftige folglich nicht absehbar.
Die bewusst auf niedlich getrimmte Aufmachung von diversen Eroge-Spielen weckt die kindliche Neugier, vermittelt aber gleichzeitig völlig falsche Eindrücke über Sex und Erotik. Minderjährige könnten annehmen, dass die dargestellte Unsittlichkeit zur Norm gehört. Für die Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien (BPjM) ist das sogar ein Indizierungstatbestand. Was das genau bedeutet, hat uns USK-Geschäftsführerin Elisabeth Secker erklärt: "Gemeint sind Medien, in denen zum Beispiel Menschen unter Ausklammerung von sozialen Beziehungen zu bloßen Sexualobjekten herabgewürdigt werden", sagt Secker. "Ebenso sind damit Schilderungen gemeint, die Jugendlichen den Eindruck vermitteln, als sei die Anwendung von Gewalt bei der Ausübung von Sexualpraktiken grundsätzlich - auch ohne Zustimmung des jeweiligen Gegenübers - zulässig, um eigene sexuelle Bedürfnisse zu befriedigen. Derartige Schilderungen sind demzufolge geeignet, Gewalttendenzen bei Minderjährigen zu fördern und widersprechen dem Gebot der gegenseitigen Rücksichtnahme und der Achtung der körperlichen Unversehrtheit anderer Menschen."
Quelle: Tecmo Koei
Die USK ist nicht prüde. Dead or Alive: Xtreme, im dem der Spieler junge Frauen in Bikinis beobachtet, hat eine USK-12-Freigabe erhalten .
Die meisten Mädchen in den problematischsten Eroge-Titeln sind nichts weiter als Ziele; sexuelle Belästigung wird als selbstverständlich dargestellt. Und selbst wenn sie Nein sagen oder sich unwohl fühlen, kann der Spieler mit seinem Treiben einfach fortfahren. Die besagte Anwendung von Gewalt hat der Fortsetzung von Criminal Girls: Invite Only sogar eine Indizierung eingebracht. In dem Dungeon Crawler begleitet der Spieler mehrere Mädchen bei einer Tour durch die Vorhölle und macht sie in Minispielen mit sadomasochistischen Praktiken gefügig. Besonders kritisch ist dabei ein bestimmtes Mädchen, das im Kontrast zu den übrigen Figuren aussieht wie ein prä-pubertierendes Kind. Sie hat eine sehr viel höhere Stimme, eine kindliche Statur und entsprechende Gesichtszüge. Während die Protagonistinnen des Spiels durch Fesseltechniken in eindeutige Sexposen gezwängt werden, traktiert der Spieler sie mit Peitsche und Elektroschocks. Dabei fehlt Konsens. Keines der virtuellen Opfer macht das freiwillig, und manche reagieren sogar mit Angst. Eines der Mädchen ist geistig sogar nicht zurechnungsfähig und weiß vermutlich nicht mal, wie ihm geschieht.
Anpassung der Maßstäbe
Aber Moment: Sind einige Eroge-Spiele mit mehr oder weniger ausgeprägter Posendarstellung (Schein-)Minderjähriger nicht vor einiger Zeit noch "Ab 16 Jahren" freigegeben worden? Ja, das stimmt. Dungeon Travelers 2, MeiQ: Labyrinth of Death und Demon Gaze sind weitere Beispiele. Und auch wenn sie inhaltlich erst einmal ähnlich anmuten, wurden sie allesamt vor der Verabschiedung einer ausschlaggebenden Änderung der USK-Spruchpraxis geprüft.
Elisabeth Secker erklärt: "Die Spruchpraxis der USK-Gremien orientiert sich neben der Einbeziehung von gesellschaftlichen Werte-Debatten auch immer ganz klar an der aktuellen Rechtslage. Öffentliche Debatten um Änderungen und Verschärfungen des Sexualstrafrechts 2015/2016 (dabei besonders die Debatten um Änderungen des StGB, §184b und §178 f Verbesserungen des Schutzes der sexuellen Selbstbestimmung) führen natürlich zu einer erhöhten Sensibilisierung der Gremien und in Folge entsprechender Diskussionen dann zu einer sensibleren Spruchpraxis."
Das Angebot von Spielen, TV-Serien und Spielfilmen, die Abbildungen unterhalb der Schwelle zur Kinderpornografie beinhalten, hat in den letzten Jahren zugenommen. Mit einer überarbeiteten Spruchpraxis reagiert der Jugendschutz auf diesen Umstand und lehnt seitdem die Altersfreigabe für besonders problematische Spiele ab. Die genannten Titel sind alle vor diesem Entschluss geprüft worden. Es wäre also denkbar, dass Gal Gun: Double Peace oder ähnliche Titel unter heutigen Umständen eine höhere oder vielleicht sogar gar keine Freigabe erhalten würden.
Lolicon und die Diskussion in Japan
Einschlägig sexualisierte Interaktionen mit Minderjährigen in japanischen Unterhaltungsmedien haben einen Begriff: Lolicon. Es ist eine Ableitung von dem Lolita-Komplex, bei dem sich Männer mittleren Alters zu Kindsfrauen hingezogen fühlen - frei nach dem 1955 erschienenen Roman Lolita von
Quelle: Marvelous Games
Senran Kagura ist ein gutes Beispiel dafür, dass sexualisierte Charaktere trotzdem ausgearbeitete Persönlichkeiten haben können. Die lesbische Katsuragi freut sich über ihre Freundinnen in Bikinis.
Vladimir Nabokov. Das auf Jungen bezogene Gegenstück heißt Shotacon. Im Anime- und Mangasektor gibt es eine Vielzahl an Produkten, die Lolicon bedienen. Vorzugsweise Schulmädchen aus der Mittelstufe geraten in Szenen mit sexuellem Unterton. Im Hentai wird es dann schon explizit, denn hier kann es auch Szenen von Erniedrigung, Vergewaltigung und Folter geben.
Die meisten Japaner sehen diese Inhalte so kritisch wie der Rest der Welt, und trotzdem wachen die hiesigen Gesetzgeber langsam auf. Erst 2014 wurde eine eindeutige Gesetzgebung zu Kinderpornografie in Japan eingeführt, der Besitz steht seitdem unter Strafe. Nur Lolicon konnte das Parlament nicht verbieten, da Künstler argumentiert haben, dass dadurch ihre persönliche Ausdrucksfreiheit eingeschränkt werden würde.
Genaueres wissen Steffi Holzer und Lars Erbstößer. Beide waren hauptverantwortlich für die Anime-Zeitschriften MangasZene und AnimaniA tätig. In japanischer Popkultur kennen sie sich bestens aus. "Die Meinungen und Einschätzungen bei Lolicon gehen weit auseinander", erklären die beiden uns. "Man sieht in Japan allerdings deutliche Unterschiede zwischen einer sexualisierten Darstellung von vorpubertären Kindern (die verurteilt wird, selbst wenn man Einzelnen solche Fantasien zugesteht, solange sie nicht real ausgelebt werden) und einer solchen von Teenagern, die im Großen und Ganzen nicht beanstandet wird. Dadurch wird das diskutierte Verbot der gezeichneten Darstellungen als durchaus problematisch empfunden beziehungsweise als zu starke Einschränkung abgelehnt."
Die gezeichnete Abbildung von Minderjährigen im sexuellen Kontext ist nach Argumentation der Hentai-Künstler nicht gleichzusetzen mit echter Fotografie, bei denen tatsächlich Kinder zu Schaden kommen. Zwar gibt es Zensurauflagen, die vorschreiben, über Genitalbereiche Mosaike oder schwarze Balken zu setzen. Doch eine strenge Kontrolle existiert nicht. "Allgemein besteht beim Thema Zensur in Japan ein grundliegender Wertekonflikt, der sehr weit zurückgeht", erläutern Holzer und Erbstößer. "Den Zensurauflagen zugrunde liegt der 1907 eingeführte Artikel 175 des Strafgesetzes, der die Verbreitung von 'obszönen Darstellungen' verbietet. Da dort aber nicht genau definiert wird, was darunter zu verstehen ist (dies wurde später durch Entscheidungen des Obersten Gerichtshofs übernommen), wurde im Laufe der Geschichte nicht immer konsequent gehandhabt, welche Darstellungen jetzt beanstandet wurden und welche nicht. Gleichzeitig wurde Artikel 175 auch immer wieder mal zu einem Werkzeug, mit dem eine Zensur von politisch unliebsamem Material erreicht werden konnte."
Gesellschaftliche Hintergründe
Traditionell empfand die japanische Kultur die offene Darstellung von Sex als eher unproblematisch. Auf alten Zeichnungen, in Romanen, auf Holzschnitten: Genitalien oder Menschen beim Akt waren kein Problem. Erst als sich das Land weiter dem Westen öffnete, wurde es auf seine Obszönitäten aufmerksam gemacht. Illustrationen dieser Art unterstehen seitdem Zensurauflagen. Einfallsreiche Zeichner haben trotzdem Wege gefunden, ihrem Publikum das zu zeigen, was es eigentlich sehen will, ohne dabei Gesetze zu brechen. Sex mit Fantasiekreaturen, etwa in Tentakel-Pornos, ist ein Resultat davon.
Quelle: Idea Factory
Die Anwesenheit von Minderjährigen ist nicht automatisch ein Problem. Die Gesamtwirkung entscheidet. MegaTagmension Blanc + Neptune vs Zombies bekam beispielsweise eine USK-12-Freigabe.
"Es gibt im Vergleich zu Deutschland, oder zu anderen westlichen Kulturen, Gemeinsamkeiten, aber auch deutliche Unterschiede im Umgang mit dem Thema Sexualität", sagen Erbstößer und Holzer. "Es gibt gesellschaftliche Tabus, Dinge, über die man nicht unbedingt öffentlich spricht. Beispielsweise sind viele Japaner in Bezug auf das eigene Sexualleben sehr zurückhaltend. Andererseits ist man in vieler Hinsicht für unsere Begriffe sehr unbefangen. Plakate mit (gezeichneten oder realen) Bikinimädchen stellen in Tokio heute ein wesentlich geringeres Problem dar als in manchen Teilen Berlins, wo diese Art Werbung inzwischen als geschlechterdiskriminierend gilt und daher verboten ist. Es gibt Traditionen wie das Kanamara Matsuri in Kawasaki, bei dem riesige Phalli in einer bunten Parade durch die Straßen getragen werden. Das ist ein Fest für die ganze Familie, bei dem Kinder so selbstverständlich mit dabei sind wie bei jedem anderen. Unterm Strich ist Japan also weder konservativer, noch ungehemmter als andere Kulturen - aber die Nuancen können gravierend anders sein."
"Mit Prüderie hat das nichts zu tun"
In Deutschland, auf der anderen Seite der Welt, hat die Gesellschaft pauschal wenig Hemmung mit der Thematisierung von Sex. Auch wenn
Quelle: Nippon Ichi Software
Onechanbara Z2: Chaos ist ein Zombie-Schnetzelspiel, das vor allem durch seine Bonuskostüme Fanservice einbettet. Saki, die zweite Person von rechts, ist 16 Jahre alt.
Anhänger von Lolicon es den Kommentarspalten des Internets suggerieren, haben die Freigabeverweigerungen der USK rein gar nichts mit Prüderie oder Hysterie zu tun. Im Gegenteil: Erotik und Sex sind prinzipiell kein Problem, solange es sich um Erwachsene handelt und die Handlungen augenscheinlich freiwillig vollzogen werden. Die freizügigen Beach-Volleyball-Ableger von Dead or Alive sind zum Beispiel "Ab 12 Jahren" freigegeben. Dort gehen Strandschönheiten mannigfaltigen Freizeitaktivitäten nach und sammeln knappe Bikinis. Ein weiterer Kandidat wäre Rumble Roses, ein Wrestling-Spiel mit ausschließlich weiblichen Teilnehmern. In körperbetonten Kostümen nehmen sich die Kämpferinnen in die für den Sport üblichen Griffe, die oft an extravagante sexuelle Posen erinnern.
Die beiden Ableger der Reihe sind ebenso "Ab 12" freigegeben. Genauso wie Senran Kagura 2: Deep Crimson, in dem Ninja-Kämpferinnen mit voluminösem Vorbau in Actionszenen ihre Kleidung verlieren. Aber hier wird alles in eine ausführliche Handlung eingebettet, sämtliche Protagonisten stürzen sich aus freien Stücken in die Gefechte, und die sexuellen Darstellungen sind bloß ein Teilaspekt des Gesamtwerkes. "Es sind immer Einzelfallentscheidungen, die nach gründlicher Erwägung des konkreten Sachverhalts über ein Spielangebot gefällt werden", versichert Elisabeth Secker von der USK. Im Kern ist Senran Kagura 2: Deep Crimson ein Hack'n'Slay mit anspruchsvollem Kampfsystem, und die frivolen Inhalte stehen nicht stark im Vordergrund - auch wenn das Cover einen anderen Eindruck vermittelt.
Senran Kagura ist generell ein exemplarischer Fall für die Auswirkungen der neuen Spruchpraxis der USK. Alle Spiele der Reihe wurden meistens mit einer 16er-Plakette versehen. Dann kam der Ableger Peach Beach Splash, ein Third-Person-Shooter, bei dem sich die Mädels eine Wasserschlacht liefern. Plötzlich prangte der USK-18-Sticker auf der Packung. Der Grund ist einfach: Zwei eindeutig als Kinder identifizierbare Mädchen tauchen hier in Badeanzügen inmitten eines sexuell aufgeladenen Umfelds auf. Gerade auf Gruppenbildern zeigt sich der Kontrast zu den anderen Damen: Auf
Quelle: Deep Silver
Ein Positivbeispiel ist Catherine: Sexuelle Darstellungen sind hier nicht Selbstzweck, sondern werden in eine kluge Handlung über Fremdgehen und Quarterlife Crisis eingebaut.
einem baut eines der Kinder eine Sandburg, während die älteren Mädchen sich in kämpferischen, körperbetonten Posen zeigen.
Da das Roster im Spiel bei weit über 30 Charakteren liegt, stehen die beiden Kinder jedoch nicht im Vordergrund. In dieser Einzelfallentscheidung hat sich die USK schlussendlich für eine 18er-Freigabe entschieden. Auch wenn Minderjährige auftauchen, entscheidet letztlich die Gesamtwirkung. Das unterstreicht auch Elisabeth Secker: "Geht es in einem Spiel weder um die strafrechtliche Grenze zur Pornografie noch um die Verbindung von Minderjährigkeit und Posendarstellung, müssen die Gremien wie bei jedem anderen Spielangebot die Gesamtabwägung zwischen allen Spielelementen vornehmen und stets die Aspekte der Wirkungsmacht berücksichtigen. Mit Prüderie hat das nichts zu tun."
