Stefan: Dark Messiah of Might and Magic und Lost Planet
Special 53,99 €
Diablo 2, KOTOR, Resident Evil und Alan Wake bekommen schicke Remakes und Remaster, die Mass-Effect-Reihe wurde mit der Legendary Edition zu einem ultimativen Paket geschnürt und Klassiker wie Psychonauts, Outcast und Victoria erheben sich mit lang ersehnten Fortsetzungen wie der Phoenix aus der Asche. Wir haben in der Redaktion nachgefragt, welche fast vergessenen Titel eine gleiche Behandlung verdienen und endlich ein Revival erleben sollten.
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Dark Messiah of Might and Magic
Studio: Arcane StudiosI Publisher: Ubisoft
Genre: Action-Rollenspiel I Release: 27. Oktober 2006
Plattformen: PC, Xbox 360
Wenn ich an Singleplayer-Games mit der guten alten Source-Engine denke, dann fällt mir vor allem eines ein: die hervorragende Physik, mit der ich alles, was nicht niet- und nagelfest ist, zum Weiterkommen einsetzen kann. Und für mich ist Dark Messiah of Might and Magic der unangefochtene König auf dem Gebiet, denn in diesem First-Person-Action-RPG lässt Entwickler Arcane Studios so richtig die kreativen Muskeln spielen. Ja, ich kann die Orks, Goblins und Nekromanten auch mit einem wuchtigen Nahkampfsystem um ihre Rüben erleichtern oder per Feuerball in Brand setzen, aber so richtig unterhaltsam werden die Kämpfe, wenn ich meine Umgebung miteinbeziehe.
Dann zaubere ich etwa eine glatte Eisfläche auf den Boden, auf der die Gegner dann großartig animiert von Klippen oder in Stachelwände rutschen. Ich durchtrenne heimlich das Befestigungsseil eines Kronleuchters, der dann wie eine Abrissbirne durch den Raum schwingt und alles in seiner Bahn aus den Latschen haut. Oder ich zerschieße mit dem Bogen einen Stützpfeiler und die Gruppe Orks bekommt ein paar Felsbrocken auf den Kopf. Egal, auf welche der drei Klassen ich mich spezialisiere: Nahkämpfer, Magier und Bogenschütze geben mir jede Menge Tools an die Hand, mit denen ich mich frei Schnauze in den offen gestalteten Levels austoben kann! Außerdem werfen mich die Entwickler immer wieder in coole Setpieces, in denen ich etwa mit meinem Seilbogen einen Turm voller herrlich ekelhafter Spinnen erklimmen muss, Gebäude um mich herum zusammenbrechen oder mich beim Erkunden eines Tempels plötzlich ein Drache angreift.
Quelle: Ubisoft
Dark Messiah of Might and Magic
Das wichtigste (und witzigste) Tool in meinem diabolischen Arsenal ist aber kein imposanter Zauber, und auch keine mächtige Klinge. Nein, es ist einfach nur mein Fuß! Denn so befriedigend, so herrlich übertrieben und so vielseitig einsetzbar lässt mich nicht einmal FIFA kicken. Ich trete Gegner von Klippen, in Stachelfallen und die Treppe hinunter - oder das nächstbeste Eichenfass in Richtung des feindlichen Gesichts. Durch die wunderbar interaktive, logisch einsetzbare Umgebung und eine nachvollziehbare Physikengine wird Dark Messiah zum intelligentesten Schlachtfest, das ich je gespielt habe. Ich wünsche mir nicht nur seit Jahren einen Nachfolger zu diesem kleinen Meisterwerk. Nein, Dark Messiah steht hier auch stellvertretend für kreativ einsetzbare Spielwelten und Physikengines, denen im Vergleich die statischen Pappkulissen von Far Cry und Co. einfach nicht das Wasser reichen können.
Lost Planet
Studio: Capcom I Publisher: Capcom
Genre: Third-Person-Shooter I Release: 21. Dezember 2006
Plattformen: PC, Playstation 3, Xbox 360
Mitreißende Story, tolle Charaktere, abwechslungsreiches Gameplay - ist doch alles überbewertet! Also, gelegentlich zumindest. Denn obwohl Videospiele intellektuell anspruchsvoll sein können und es natürlich auch dürfen, ist es doch manchmal erfrischend, wenn sich ein Spiel ohne viel Schnickschnack einfach auf spaßige Over-the-Top-Action konzentriert. Die ersten beiden Lost-Planet-Spiele sind für mich das Paradebeispiel dieses Konzepts: Teil eins schickt mich mit einer gefahrlos überspringbaren Story durch lineare Levels, die bis oben hin mit haushohen Insekten und feindlichen Soldaten vollgestopft sind. Waffen liegen schön arcadig hinter großen, schwebenden Symbolen in der Spielwelt herum, die Movesets der Feinde und ihre schiere Masse halten mich auf Trab und die Knarren sind teils nicht nur lächerlich groß, sondern auch großartig befriedigend. Im Gegensatz zum ähnlich veranlagten Earth Defence Force präsentiert sich die Action dabei aber nicht als Trash, sondern mit für die damalige Zeit beeindruckender Produktionsqualität. Die Explosion des Raketenwerfers mit ihrer dramatischen Beleuchtung und dichten Rauchschwaden zaubert mir bis heute ein zufrieden-dümmliches Grinsen ins Gesicht und der martialische, bombastische Soundtrack stellt mir immer noch zuverlässig die Nackenhaare auf.
Quelle: Capcom
Lost Planet 2
Der zweite Teil setzt all dem noch die Krone auf: Hier verschieße ich mich einer Eisenbahnkanone Kugeln, die größer sind als meine Spielfigur, zerstöre im Weltraum-Mech einen Asteroidenschwarm und lasse einen Laser aus dem All auf den Endboss feuern, der den kompletten Planeten mit einem roten Glühen umhüllt. Wenn ich mir dann noch ein paar Freunde im Koop dazu hole, wird das Chaos perfekt. Das ist herrlich übertriebene, superb präsentierte und absolut schamlose Baller-Action, und gerade deswegen so sympathisch!
Entsprechend wenig verstehe ich den Weg, den Capcom mit dem dritten Teil einzuschlagen versuchte. Ein zahmer Shooter mit Fokus auf den Hauptcharakter und dessen Beziehung zu seiner Frau, die zwar überraschend gut umgesetzt wurde, aber so ziemlich das Gegenteil von allem darstellt, was man als Fan von Lost Planet gerne haben möchte. Eine Spielereihe mit vormals beispielloser Sprengkraft wurde also eher mit einer Knallerbse beendet. Und da Capcom Resident Evil 4 mittlerweile schon öfter neu verkauft hat, als mir Todd Howard sein Skyrim andrehen wollte, die Lost-Planet-Reihe aber nicht mit der Kneifzange anfasst, mache ich mir keine großen Hoffnungen mehr auf eine Wiedergeburt.
