Bob, Bob's Game & Nintendo: Ein Mann, ein Spiel, ein Feind - Reportage

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Bob, Bob's Game & Nintendo: Ein Mann, ein Spiel, ein Feind - Reportage
Quelle: Robert Pelloni

Was für eine schöne Geschichte: Ein einsamer Indie-Entwickler stellt nach jahrelanger Arbeit unter Blut, Schweiß und Tränen ein Meisterwerk fertig. Doch für Robert Pellonis Projekt Bob's Game gab es kein Happy End.

Robert "Bob" Pelloni, Mitte 20, hatte Anfang der 2000er-Jahre ein fixe Idee. Er wollte das perfekte Spiel programmieren. Perfekt nach Pellonis eigenen Maßstäben natürlich. Für ihn war das ein Abenteuer mit Gegenwarts-Setting, ohne Monster und Fantasy-Elemente, dafür mit einer riesigen, lebendigen Spielwelt. Als Inspirationsquelle diente das schräge Earthbound, aber auch Cave Story, welches ebenfalls von einem einzigen Entwickler auf die Beine gestellt und ein Erfolg wurde. 2004 begann Pelloni mit der Arbeit an seinem Mammutprojekt. Und dazu gehörte, sich das Handwerkszeug eines Entwicklers beizubringen. Pelloni hatte damit keine Erfahrung, abgesehen von einem Programmierkurs in der Schule.

Er hatte zudem noch nie zuvor Musik für ein Spiel geschrieben oder Grafiken gezeichnet, all das musste er für Bob's Game erlernen. Mit einem Prototypen an Publisher heranzutreten oder ein Team zu gründen, kam für Pelloni nicht in Frage. Er wollte den Titel exakt nach seinen eigenen Vorstellungen gestaltet. Und so widmete sich Pelloni ab 2006 beinahe ausschließlich der Arbeit an seinem Videospiel, isolierte sich und versank komplett in seiner Aufgabe.

Laut eigener Aussage verschlang die Entwicklung bis zur offiziellen Ankündigung des Spiels etwa 15.000 Stunden. Bob zeigte, dass er die Qualitäten hatte, die man als Solo-Spieleentwickler benötigt: Durchhaltevermögen, Disziplin, Lernbereitschaft und Leidenschaft. Es waren andere Eigenschaften, die ihm später zum Verhängnis werden sollten.

Der erste Trailer

Von Bob’s Game existierten mehrere Demos. Eine davon haben wir für die Bebilderung des Artikels gespielt und aufgenommen.  Quelle: Robert Pelloni Von Bob’s Game existierten mehrere Demos. Eine davon haben wir für die Bebilderung des Artikels gespielt und aufgenommen.  Nach Jahren der Plackerei präsentierte Bob sein Werk 2008 zum ersten Mal offiziell im Netz. Auf Youtube wurden die Szenen wohlwollend aufgenommen: Zu sehen war Hauptcharakter Yuu, wie er eine riesige Stadt aus der Isoansicht erkundete, mitsamt Verkehr auf den Straßen und NPCs, die ihrem eigenen Tagesablauf zu folgen schienen. Gebäude waren nicht nur Staffage, sondern konnten betreten werden. Schule, Krankenhaus, Kirche - Yuu konnte anscheinend auch mit allen NPCs sprechen und jedes Item untersuchen.

Im Raum stand jedoch die Frage, was für ein Gameplay der Titel bieten würde. Die eindrucksvolle Welt war im Trailer nur Schaukasten - was würde Hauptcharakter Yuu denn in dieser Stadt machen, außer herumzulaufen und mit anderen Figuren zu reden? Und worum geht es in Bob's Game?

Die Klärung dieser Fragen war für Pelloni zunächst zweitrangig, er wollte Bestätigung seiner Überzeugung, dass die Welt nur auf sein Werk gewartet hatte. Als riesiger Nintendo-Fan stand für ihn außer Frage, dass Bob's Game exklusiv für Nintendo-Hardware erscheinen würde, konkret auf Nintendo DS. Andere Publisher, die mit Interesse an ihn herantraten, wies Pelloni laut eigenen Aussagen ab. Stattdessen bot er sein Spiel Nintendo an.

Um es fertigzustellen und die nötigen Anpassungen an seine Wunsch-Hardware vorzunehmen, benötigte er Nintendos Software Development Kit. Jedoch sind diese Tools sowie die Debug-Hardware nicht frei zugänglich, sie werden von Nintendo an Entwickler verliehen, und zuvor schließen die beteiligten Parteien einen Vertrag ab. Wer nachweisbar bereits Spiele programmiert und veröffentlicht hat, kann die Hardware zudem kaufen.

Da also Nintendo nicht jedem einfach so die wertvollen Hilfsmittel zur Verfügung stellt, auch, um sensible Daten wie die exakte Architektur der Hardware zu schützen, müssen sich Newbie-Entwickler für die Bereitstellung der Ausrüstung bewerben. Nintendo verwies Pelloni an unterschiedliche Stellen des Unternehmens, stellte ihm aber in Aussicht, nach sechs bis acht Wochen sagen zu können, ob er die benötigte Soft- und Hardware erhalten würde. Nach 17 Wochen Funkstille seitens Nintendo riss bei Pelloni der Geduldsfaden.

Der Protest

Im Dezember gab der im Netz überaus aktive Pelloni bekannt, 100 Tage zu protestieren, um auf seine Behandlung seitens Nintendo aufmerksam zu machen. Als Protestform wählte er einen "japanischen Streik". In Fernost ist es üblich, nicht die Arbeit niederzulegen, sondern während des Jobs auf Unzufriedenheit und Forderungen hinzuweisen, in einer milden Form etwa mit einem Anstecker. In einer japanischen Stadt zum Beispiel streikten 2018 die Busfahrer, indem sie wie immer Fahrgäste von A nach B transportierten. Allerdings verkauften sie keine Tickets.

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