Bubsy, Fear Effect Sedna, Shaq-Fu: A Legend Reborn, System Shock
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Beliebte Spielemarken feiern öfter eine Renaissance. Doch manchmal kommen sogar Exemplare zurück, die völlig in Vergessenheit geraten sind. Im zweiten Teil unseres Reports machen wir uns auf die Suche nach eher obskuren Rückkehrern und stellen euch eine Auswahl an Spielen vor, die wohl niemand mehr auf dem Schirm hatte.
In diesem Artikel
Bubsy: The Woolies Strike Back
Entw.: Black Forest Games • Ersch.: 2017 • System: PlayStation 4, Windows • Genre: Jump 'n' Run
Bubsy ist die vielleicht tragischste Hauptfigur einer Jump-'n'-Run-Reihe. Geboren wurde er mitten in den 1990ern, als Spielcharaktere mit besonders eigenständiger Attitüde gefragt waren. Losgetreten wurde diese Welle von dem großen Erfolg eines gewissen blauen Igels namens Sonic. Ob Cool Spot (1993), Aero: The Acro-Bat (1993) oder Gex (1995), jeder Plattformer musste fortan eine coole Hauptfigur haben. Lockere
Quelle: Tommo Inc., UFO Interactive Games
Der neue Titel ist bunt, flüssig und angenehm spielbar, an sich aber nichts Besonderes. Es gibt bessere Genrevertreter.
Sprüche, eine herablassende Haltung und so viel Selbstbewusstsein, das eigentlich nur in Selbstüberschätzung münden konnte. Gerade an Kinder sollten Videospiele als ein rebellischer Akt der Auflehnung gegenüber ihren Eltern vermarktet werden. Da halfen ach so coole, teils hysterische Helden selbstredend enorm.
Einer der furchtbarsten ist Bubsy. Ein Rotluchs mit der vielleicht kratzigsten Stimme aller Zeiten. Er war so cool, dass er euch mitten im Spiel die Kontrolle nahm, um besonders freche Animationen zum Besten zu geben. Neben drei sehr mittelmäßigen 2D-Plattformern wurde sogar eine Zeichentrickserie produziert, die aber nie abhob. Eine nervige Katze, die von Aliens um ihre Stoffknäuel beraubt wird, ist selbst für Kinder nicht unbedingt die reizvollste Hintergrundgeschichte. Die größte Katastrophe im Franchise war aber Bubsy 3D (1996), der vielleicht desolateste 3D-Plattformer aller Zeiten, bei dem das konfuse Leveldesign und die schwammige Steuerung die höchsten Hürden darstellten. Der Entwickler Eidetic zog weiter und entwickelte die erfolgreiche Serie Syphon Filter (1999), während Bubsy in Vergessenheit geriet. Bis YouTube kam und zahlreiche Let's Plays produziert wurden, die ihre Hassliebe zu Bubsy ausdrückten. Die Macher waren als Kinder überzeugt davon, etwas verdammt Cooles zu spielen. Doch erst über die Jahre bemerkten sie, wie schlecht diese Titel eigentlich waren. Daraus entstand ein gewisser Kult um den Charakter, der den Publisher Accolade dazu bewog, auf Steam eine Neuauflage der ersten beiden Spiele zu veröffentlichen - mit Erfolg.
Quelle: Tommo Inc., UFO Interactive Games
Die Bosskämpfe sind witzig inszeniert, wiederholen sich aber in ihrer Mechanik zu häufig. Für Plattformer-Veteranen ist die Herausforderung gering.
Das Interesse war so groß, dass man Black Forest Games mit einer Neuauflage beauftragte. Die deutschen Entwickler haben schon mit Giana Sisters: Twisted Dreams (2012) gezeigt, dass sie etwas vom Genre verstehen, und mit Bubsy: The Whoolies Strike Back (2017) ein zwar sehr kurzes, aber kompetentes Spiel produziert. Es ist vielleicht das beste Bubsy-Spiel, das je gemacht wurde. Ein bemerkenswertes Feature ist der Regler für die Häufigkeit von Bubsys Kommentaren. Wer seine flapsige Art nicht erträgt, kann ihn komplett stummschalten. Leidensfähige können den Regler hochstellen und sich die volle Dröhnung 1990er-Attitüde geben.
Fear Effect Sedna
Entw.: Sushee • Ersch.: 2018 • System: Switch, PS 4, Xbox One, Windows • Genre: Taktik-Rollenspiel
Femme fatales, deftige Shootouts und paranormaler Schwachsinn: Die Inhaltsstoffe von Fear Effect. Das 2000 für die originale PlayStation erschienene Action-Adventure wirkte, als hätte Filmregisseur Paul Verhoeven höchstpersönlich daran mitgearbeitet. Alles war eine Spur zu übertrieben: Viel Gewalt und Sex in einem unverkennbaren Comic-Stil und mit reizvollem Setting der Stadt Hongkong in futuristischer Version. Für damalige Verhältnisse sah das Spiel sensationell aus: Die vorgerenderten Hintergründe bestanden aus Videoloops, die das Geschehen dynamisch und filmisch aussehen ließen. Das war so erfolgreich, dass ein Jahr später die nicht minder aufwendige Fortsetzung Fear Effect 2: Retro Helix
Quelle: Square Enix, Forever Entertainment S.A
Durch den serientypischen Cel-shading-Stil kann heute selbst ein so kleines Team wie Sushee die Charaktere originalgetreu wiedergeben.
erschien. Eine weitere Besonderheit war der namensgebende Fear-Meter. Standen die Protagonistinnen unter besonderem Stress, bekamen sie entweder Angst oder einen Adrenalinschub. Letzterer funktionierte wie ein Joker: Nach erfolgreichen Schießereien konnten zum Beispiel Puzzles automatisch gelöst werden. So cool die Heldinnen auch waren, so menschlich wirkten sie durch diese Mechanik. Obwohl die Spiele es nicht unbedingt darauf anlegten, euch Angst einzujagen, sorgten sowohl das Spielprinzip als auch groteske Szenen für einen gewissen Survival-Horror-Flair.
Für die PlayStation 2 war anschließend Fear Effect 3: Inferno in der Entwicklung, doch das wurde eingestellt. Unverständlich vor allem für Fans, die seitdem das Internet nach jedem noch so kleinen Informationsfetzen abgrasen. Immerhin sind so gut 20
Quelle: Square Enix, Forever Entertainment S.A
Für Fans der alten PS1-Titel dürften das frische Spielprinzip und die neue Perspektive sehr gewöhnungsbedürftig sein.
Minuten Videomaterial zusammengetragen worden. Dies ist auch als Bindeglied zu Fear Effect Sedna nötig, da es interessanterweise nach der Handlung des dritten Teils angesetzt ist. Das nur zehn Personen großen Team von Sushee muss große Änderungen am Grundkonzept vornehmen. Keine aufwendigen Sequenzen, keine abgedrehte Action. Stattdessen setzt das RPG auf rundenbasierte Taktik und erinnert durch die Top-down-Perspektive an Spiele wie Shadowrun Returns (2013). Zu guter Letzt wäre da noch Fear Effect Reinvented, eine ebenfalls bei Sushee in Entwicklung befindliche Neuauflage mit verbesserter Grafik und Steuerung. Als Veröffentlichungszeitraum gilt 2018 , aber viel mehr ist über das Projekt nicht bekannt. Der kurze Teaser zeigt lediglich eine der Hauptfiguren. Aber immerhin ist die Marke zurück. Und wer weiß, Vielleicht wäre das für Square Enix ein Grund, den dritten Teil doch wiederzubeleben?
Shaq-Fu: A Legend Reborn
Entw.: Big Deez Productions • Ersch.: 2018 • System: Switch, Win, PS 4, Xbox One • Genre: Brawler
Wenn es eine Neuauflage gibt, die noch unwahrscheinlicher als Bubsy ist, dann ist es Shaq-Fu: A Legend Reborn. Dabei handelt es sich um den Nachfolger von Shaq Fu, einem 1994 erschienenen Prügelspiel für Super Nintendo und SEGA Genesis. Es entstand zu einer Zeit, in der professionelle Basketballspieler Teil der Popkultur waren. Das bekannteste Beispiel aus dieser Phase dürfte Space Jam (1996) sein.
Der Kinofilm mischte den Zeichentrick der Looney Tunes mit Realfilmaufnahmen, in denen die Basketball-Legende Michael Jordan die Hauptrolle spielte. Auch Slam City with Scottie Pippen (1994) dürfte Retro-Fans in Erinnerung geblieben sein. Das FMV-Spiel für SEGA CD versuchte ein Basketball-Spiel aus der Ich-Perspektive darzustellen, spielte sich aber so holprig, wie es klingt. Shaquille O'Neal wollte in Form von Shaq Fu seinen Beitrag leisten. Zum Release erhielt es durchwachsene Kritiken, doch über die Zeit wurde es als eines der schlechtesten
Quelle: Saber Interactive, Wired Productions
Ursprünglich sollte das Spiel noch für PS3, 360 und Wii erscheinen. Aber die Entwicklung dauerte mit vier Jahren länger als gedacht.
Spiele überhaupt gehandelt - eine maßlos gekünstelte Übertreibung bekannter YouTuber wie dem Angry Video Game Nerd. Doch Big Deez Productions machte sich diesen Ruf zunutze und konnte auf Indiegogo einen Nachfolger finanzieren.
Auch wenn der zuständige Publisher Saber Interactive NBA Playgrounds (2017) entwickelte, hat Shaq-Fu: A Legend Reborn nur wenig mit Basketball zu tun. Shaquille O'Neal prügelt, schnetzelt und ballert sich durch Horden von Gegnern, ganz im Stil von Brawlern wie Double Dragon oder Streets of Rage. Wie gut das funktioniert, wissen wir zum Zeitpunkt dieses Artikels leider auch nicht, da es erst ein paar Wochen später erscheint. Doch das Preview-Material lässt auf einen unkomplizierten und bunten Spaß hoffen. Der selbstironische Humor scheint vor allem gut zu funktionieren. Shaquille O'Neal und die anderen Charaktere wissen, dass sie sich in einem Videospiel befinden - und dass der Vorgänger eine Katastrophe war. Mit dem neuen Werk möchte O'Neal sein Vermächtnis wieder ins richtige Licht rücken, und zwar mit einem Augenzwinkern. Sympathisch! Link zum Test:
System Shock
Entw.: Nightdive Studios • voraus. Ersch.: 2020 • System: Win • Genre: Rollenspiel, Survival-Horror
Die drei BioShock-Spiele sind vor allem mit ihren durchdachten Geschichten und ungewöhnlichen Welten berühmt geworden. Bevor es aber in Unterwasserstädte und Himmelsschlösser ging, entführte euch Entwickler Irrational Games in den Weltraum. System Shock 2 (1999) setzte
Quelle: Nightdive Studios
Andeutung eigener Avatarhände. Im Remake sind sie endlich voll im Bild zu sehen.
seinerzeit Maßstäbe in den Bereichen Atmosphäre und Storytelling. Es ist einer der berühmtesten Wegbereiter für eine Erzählmethode, die sich "After the facts" nennt. Ihr geratet in eine Umgebung, in der sich vor wenigen Stunden etwas Schreckliches ereignete. Statt es selbst zu erleben, könnt ihr die gesamte Vorgeschichte anhand von Dokumenten, Audiologs und Videos nachvollziehen. Das wird heute noch gern von Indie-Studios wie Frictional Games (SOMA) gemacht. Allerdings ist diese Form der Dramaturgie nicht allein ein Verdienst von Irrational Games. Tatsächlich stammte der erste Teil von Looking Glass und wurde von Warren Spector produziert. Die Geschichte von System Shock (1994) ist vielleicht nicht ganz so überraschend wie die des Nachfolgers, dafür ist die Atmosphäre auf dem Raumschiff ungeschlagen. Zumindest, wenn man sich an die veraltete Grafik gewöhnen kann. Die Korridore wirkten damals lebensfeindlich, klaustrophobisch, beinahe wie ein Labyrinth. Mittendrin merkwürdige, Ornament-artige Armaturen und mutierte Wesen. Aus den Ecken kommen sie gesprungen und geben sonderbare Laute von sich. Damit nicht genug, ist das Sicherheitssystem drauf und dran, euch zu töten.
Wie gesagt: Gut gealtert ist das Spiel nicht. Die Mischung aus Survival-Horror, Ego-Shooter und Rollenspiel ist auch heute noch interessant. Vor allem die Ausflüge in den Cyberspace sind eine nette Abwechslung. Allerdings steuert sich das Spiel aus heutiger Sicht recht umständlich. Und bei aller Pixelliebe: Gruselig wirken die unbeholfen wirkenden Gestalten inzwischen nicht mehr.
Die Neuauflage von Nightdive Studios kommt daher wie gerufen. Anhand eines "Vertical Slices" konnten die Entwickler bereits demonstrieren, dass sie den Geist des Originals eingefangen haben. Das Spiel ist so gruselig wie in der Erinnerung jener, die die Urversion kennen. Die Steuerung wird an heutige Gepflogenheiten angepasst, und visuell ist das Projekt sehr überzeugend. Vor allem die stimmungsvolle Beleuchtung fügt System Shock nun Albtraum fördernde Schattenspiele hinzu, die anno 1994 einfach nicht möglich gewesen wären. Blöd nur, dass Nightdive Studios das Projekt mehrmals verschieben musste. Man ließ das Projekt sehr erfolgreich auf Kickstarter finanzieren, wurde umjubelt und gab im Frühjahr 2018 bekannt, dass man sich völlig verrannt hätte. Man habe sich am Projekt verhoben und den Aufwand für Neuerungen nicht richtig eingeschätzt. Also nahmen die Entwickler eine Auszeit, um sich neu zu orientieren. Das Ergebnis: Die Entwicklung wurde wieder aufgenommen, diesmal mit einem klaren Plan. Mit der Fertigstellung sei 2020 zu rechnen. Die Wartezeit ist hoffentlich lohnenswert: System Shock ist ein toller Klassiker, für den wir uns die bestmögliche Neuinterpretation wünschen.
