TimeSplitters-Trilogie, Shogo: Mobile Armor Division, Anachronox, Realms of the Haunting
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So manch altes Spiel war seiner Zeit voraus und hätte eine Neuauflage verdient. In unserem Report machen wir uns auf die Suche nach vergessenen Games-Schätzen und stellen euch unsere ganz persönliche Wunschliste für die Wiederbelebung alter Marken vor.
In diesem Artikel
TimeSplitters-Trilogie
Entwickler.: Free Radical Design • Ersch.: 2000 bis 2005 • Sys.: PS2, Xbox, GameCube • Genre: Ego-Shooter
Heutige Ego-Shooter sind farblich eher düster, häufig im Krieg angesiedelt und thematisch sehr ernst. Die Protagonisten wirken nicht selten eindimensional und unsympathisch. Die Call of Duty-Reihe trägt mit ihrem kommerziellen Erfolg sicher einen Teil dazu bei.
Timesplitters hingegen war vor allem eines: unheimlich witzig. Die Menschheit lieferte sich einen Kampf mit Aliens um sogenannte Zeitkristalle. Diese ermöglichten Zeitreisen, weshalb es quer durch alle Epochen ging. Ihr habt Zombies im 19. Jahrhundert in den Katakomben der Notre-Dame bekämpft, euch Revolverduelle im Wilden Westen geliefert oder 300 Jahre in der Zukunft Roboter in einer Maschinenfabrik zerlegt. Alle drei Teile der Shooter-Serie waren irre abwechslungsreich und boten unterschiedliche Protagonisten, die immer ein Klischee aus ihrer Zeitepoche mitbrachten. Harry Tipper kam aus den 1970ern und war Inhaber einer Disco. Natürlich trug er Sonnenbrille, Schlaghose und Schnauzbart.
Quelle: Free Radical Design
Die Charaktere waren herrlich witzig geschrieben und animiert. Es war amüsant zu sehen, wie Klischees aus verschiedenen Jahrhunderten aufeinanderprallten.
Verloren in der Zeit
Für Fans markierte der zweite Teil den Höhepunkt der Reihe, da er mit einem Haufen Mehrspieler-Optionen, einem Vier-Spieler-Splitscreen-Modus und sogar einem Leveleditor protzte. Free Radical Design setzte sich aus ehemaligen Entwicklern von Rare zusammen. Insofern wundert es nicht, dass Timesplitters sich ähnlich wie der N64-Shooter Perfect Dark (2000) anfühlte. Nicht immer war wildes Geballer gefragt, denn behutsames Vorgehen wurde ebenso belohnt. Dass sich alle Spiele mit den Analogsticks auch heute noch sagenhaft gut steuern, trägt zu einer treuen Fangemeinde bei. Aber wo bleibt Timesplitters 4? 2007 erfolgte die Ankündigung des Spiels, aber danach wurde Free Radical von Crytek aufgekauft, das 2012 offiziell die Einstellung des Projekts bekannt machte.
Ganz vergessen hat man die Serie allerdings nicht, denn der ursprünglich von Crytek abgezweigte und inzwischen im Besitz von Koch Media befindliche Entwickler Dambuster Studios hat in Homefront: The Revolution ein paar Levels aus Timesplitters 2 versteckt. Ob es irgendwann einen vierten Teil geben wird? Nun, die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt. Zumindest soll mit Timesplitters: Rewind bald ein von Crytek abgesegnetes Fan-Remake erscheinen.
Shogo: Mobile Armor Division
Entwickler: Monolith • Erscheinungsjahr: 1998 • System: Windows-PC • Genre: Ego-Shooter
Quelle: Monolith
In den Gefechten ging es nicht gerade zimperlich zu. Für damalige Verhältnisse war es erstaunlich, dass dieses Spiel überhaupt in Deutschland erschien.
Große Kampfroboter, satte Farben und ein Intro mit einem J-Pop-Song: Shogo wirkte wie die Umsetzung einer Anime-Serie, wurde aber tatsächlich ausschließlich von westlichen Entwicklern aus der Taufe gehoben. Es hatte den Anschein einer Hommage, inklusive abgedrehter Rachestory, zynischem Humor und schrulliger Charaktere. Ähnlich wie bei japanischen Animationsserien aus den 1980ern und 1990ern war nicht alles todernst gemeint. Es gab zum Beispiel eine optionale Nebenaufgabe, in der ihr für eine Ingenieurin eine entlaufene Katze retten solltet - während ein Sci-Fi-Krieg tobte! Die Sprecher der Figuren trugen ihre Zeilen besonders in solchen Szenen mit viel Elan vor, wodurch die Dialoge ziemlich witzig waren. Schade, dass das Artdesign nicht besonders konsistent wirkte. Heute würde Cel-Shading der Grafik-Engine guttun, aber die satten Farben sorgten trotzdem für das richtige Flair.
Wo ist die Seele geblieben?
Beim Gameplay machte es die Mischung: Ihr wart zur Hälfte zu Fuß unterwegs und habt Soldaten über den Haufen geschossen, während ihr die übrige Zeit in einem großen Kampfmech Platz nahmt. Damit veränderten sich auch die Größenverhältnisse - besagte Soldaten tratet ihr einfach platt.
Quelle: Monolith
Die Polygon-Anime-Figuren sind nicht besonders gut gealtert. Kein Vergleich zu aktuellen Spielen wie Sword Art Online: Fatal Bullet oder Ni no Kuni 2.
Im Mech wurden zudem die Waffen massiver. Abgefahrene Raketensalven und Laser mündeten in bildschirmfüllende Explosionen. Am bemerkenswertesten an diesem Shooter war vor allem, dass er weitaus experimentierfreudiger und individueller war als spätere Spiele von Monolith. F.E.A.R. hatte sicherlich noch seine Eigenständigkeit und war interessanterweise auch von japanischen Horrorfilmen und Mechas inspiriert, doch spätestens mit den beiden Mordor-Titeln war das meiste verloren gegangen. Wir wünschen uns ein Spiel zurück, das wieder so viel Witz wie Shogo mitbringt. Oder die ebenfalls aus demselben Hause stammende Sixties-Agenten-Action No One Lives Forever, deren Lizenzsituation jedoch undurchsichtig ist.
Anachronox
Entwickler: Ion Storm • Erscheinungsjahr: 2001 • System: Windows-PC • Genre: Rollenspiel
Keine Frage: Das Cyberpunk-Genre kommt zurück. Mit Blade Runner 2049 und Ghost in the Shell war es kürzlich auf der großen Leinwand zu sehen.
Quelle: Ion Storm
Hauptfigur Sylvester „Sly Boots“ Bucelli war ein Verlierer und kassierte leider des Öfteren ein blaues Auge.
Netflix hat Altered Carbon im Angebot und mit Cyberpunk 2077 haben sogar die Rollenspiel-Experten CD Projekt RED ein heißes Eisen im Feuer. In der bunten Welt der Spiele sind derartige Science-Fiction-Szenarien allerdings auch nicht neu. Einer der erinnerungswürdigsten Vertreter ist Anachronox von den Deus Ex-Machern. Es war ein umfangreiches Rollenspiel, das dystopische Urbanisierung mit absurdem Humor der Marke Douglas Adams vermischte, unberechenbare Hauptcharaktere inklusive. Der abgehalfterte Privatdetektiv, der grummelige alte Mann und die Femme Fatale in Latex sahen auf den ersten Blick wie Stereotype aus, reagierten jedoch immer wieder überraschend. Man hatte das Gefühl, dass Joss Whedon sich für seine Sci-Fi-Serie Firefly ein wenig davon inspirieren ließ.
Zu heutigen Gewohnheiten kompatibel
Anachronox spielte sich beinahe wie ein JRPG. Es gab viele Welten zu erforschen, etliche Dialoge zu führen und zahlreiche Rundenkämpfe mit einer Party aus drei Mitgliedern zu bestehen. Haupt- und Nebenmissionen, viel Zeug zum Sammeln - alles drin, alles dran.
Kein Wunder, denn in Interviews gaben die Entwickler an, sich beim Gameplay tatsächlich an Rollenspielen aus Fernost orientiert zu haben, ohne aber deren audiovisuellen Stil zu imitieren. Mit ein paar kleinen Anpassungen an der Steuerung würde Anachronox heute daher prächtig auf Konsolen funktionieren. Groß umgewöhnen müsstet ihr euch nicht. Nur die Grafik ist mit ihrer polygonarmen, blockigen Optik sehr schlecht gealtert. Bei einem Remake könnte man den Inhalt fast eins zu eins übernehmen, nur das Drumherum hält selbst mit zwei zugekniffenen Augen nicht mehr mit. Außerdem gäbe es eine Chance, unbeantwortete Fragen zu klären. Eigentlich hatten die Entwickler Anachronox als Trilogie geplant, weshalb das Ende des Spiels ziemlich unbefriedigend war.
Realms of the Haunting
Entwickler: Blue Moon Red Owl • Ersch.: 1996 • System: MS-DOS-PC • Genre: Survival-Horror, FMV-Adventure
Full-Motion-Video-Adventures wurden erst kürzlich mit Titeln wie The Bunker oder Late Shift wiederbelebt. Auch Her Story hat dazu beigetragen. In
Quelle: Gremlin Interactive
Die Lösung zu den Rätseln war nicht gleich offensichtlich. Generell zählte Realms of the Haunting zu den schwierigeren Horrortiteln.
den 1990ern und frühen 2000ern gab es unzählige davon. Die Formel: überschaubare Rätsel, reale Schauspieler und in vielen Fällen völlig überdrehte Hintergrundgeschichten. Die Entwickler haben es ausgenutzt, dass sie durch CGI-Grafiken quasi alles darstellen konnten. Höllenvisionen, Film-noir-Sci-Fi oder Exkursionen auf Sexplaneten - in der goldenen Ära der FMV-Adventures gab es nichts, was es nicht gab.
Pixelig und doch gruselig
Einer der bemerkenswertesten Titel war Realms of the Haunting. Es mischte Point&Click-Adventure, Survival-Horror, Ego-Shooter und Videosequenzen mit einer mysteriösen Horrorstory um einen Kampf gegen Dämonen. Für damalige Verhältnisse waren sowohl die komplexen, mannigfaltigen Umgebungen als auch die umfangreiche
Quelle: Gremlin Interactive
Trotz früher 3D-Grafik steckten die Umgebungen voller Details. Für damalige Verhältnisse waren auch die Lichteffekte ziemlich beeindruckend.
Dramaturgie sehr ambitioniert. Mitte der 1990er waren die Spieler atmosphärische Erzählungen in Games nur aus (Text-)Adventures gewohnt. Während auf Konsolen Resident Evil Angst einjagte, hatten PC-Spieler mit Realms of the Haunting ein passendes Pendant. Erstaunlich aus heutiger Sicht ist vor allem, wie gering der Fremdscham-Faktor bei den Zwischensequenzen war. Klar, hier agierten nur Nachwuchsschauspieler, aber die Gespräche waren wirlich passabel geschrieben, und die Dialogoptionen verdammten nicht zum bloßen Zuschauen. Ebenso haben die Umgebungen wenig an Reiz verloren. Schattige Geisterhäuser, rätsellastige Katakomben und persische Tempel wirken trotz Pixel-3D-Look auch heute noch erstaunlich atmosphärisch. Realms of the Haunting war seiner Zeit klar voraus und hätte unbedingt eine Neuauflage verdient.
