Wie viel Hype darf es sein?
Kolumne 53,99 €
Ein neues Witcher kommt und Hogwarts Legacy will Potterheads glücklich machen. Doch darf man nach den Nieten des letzten Jahres noch begeistert sein?
Auf dieser Seite
Ich will den Avalanche Studios hier nicht zu nahe treten, denn manchmal ist ein neues Genre auch ein Befreiungsschlag. Guerilla Games und Horizon ist das beste Beispiel. Doch strebt Hogwarts Legacy eben auch sehr große Ambitionen an. Es gibt so viel zu machen und zu entdecken. Es sieht fantastisch gut aus, soll aber trotzdem auf allen Konsolen laufen - inklusive der betagten Nintendo Switch.
Avalanche Software muss sich eben noch beweisen und deswegen ist gerade bei Hogwarts Legacy Vorsicht geboten.
Der Hype ist verlockend und ich persönlich finde das Schwelgen in der Fantasie immer noch toll, doch die Risikofaktoren sind hoch.
Beweisstück W, wie Witcher
Ein noch jüngeres Beispiel haben wir seit dieser Woche, denn CD Project Red kündigten ein neues Open-World-Rollenspiel im Witcher-Universum an. Da brandeten erst mal Euphoriewellen durch das Internet, bis die Stimmung doch etwas kippte. Zu groß sitzt noch der Schock von Cyberpunk 2077, auch fast anderthalb Jahre und viele Patches später. CD Projekts Ruf hat stark gelitten und so ist die gute Laune über die Ankündigung eines neuen Witcher-Spiels recht bald in gesunde Skepsis umgeschlagen, und die ist auch berechtigt.
Quelle: CD Projekt Red
The Witcher kehrt zurück - aber in welcher Qualität ist noch nicht klar.
Einerseits sind seit The Witcher 3 bereits sieben Jahre vergangen. Das macht das Spiel nicht schlechter, doch das Entwicklerstudio ist nicht mehr dasselbe. Spätestens nach der zermürbenden Produktion von Cyberpunk 2077 haben einige alteingesessene Entwickler das Studio verlassen. Übrigens ist das auch ein Grund, warum man das neue Projekt des Studios erneut so früh angekündigt hat. Man benötigt dringend gute Leute und mit einem Nachfolger des weiterhin bestehenden Prestigeprojekts hat man hervorragende Argumente im Gepäck, um Entwickler nach Polen zu locken.
Andererseits steht CD Project vor einer gewaltigen Umstellung. Sie schicken ihre eigene Engine in Rente und satteln auf die Unreal Engine 5 um. Nun bin ich der letzte, der das schlecht findet, schließlich bin ich auch dafür, dass beispielsweise Piranha Bytes endlich mal auf so ein modernes Technikgerüst umsattelt. Dennoch ist das ein Risiko. Ein Studio mit über 1000 Mitarbeitern, was sich bisher voll auf die hauseigene REDengine spezialisiert hat, jetzt mal eben auf ein ganz anderes Technikgerüst umzustellen, ist keine leichte Aufgabe. Damit steht auch das neue Witcher unter einem schwierigen Stern.
Lasst uns die Begeisterung bewahren
Doch darf man sich deswegen jetzt nicht mehr auf den neuen Witcher-Teil, Hogwarts Legacy oder andere vielversprechende Spiele freuen? Doch, selbstverständlich darf und sollte man das. Am Ende kommt es wie bei vielen Dingen im Leben auf einen guten Mittelweg zwischen Vorfreude und Skepsis an. Ich finde es falsch von vornherein zu sagen, man dürfe nur noch super abgebrüht rangehen, denn die bösen Spielehersteller wollen ja nur noch unsere Kohle und geben keinen Deut auf Qualität und wer das anders sieht, ist nur naiv.
Auch lesenswert: iPad Air & iPad Pro im Ausverkauf: Apple-Tablets mit Rabatten bis zu 328 Euro
Erstens ist das ein ganz schön hoher Elfenbeinturm, in dem man mit so einer Meinung sitzt und andererseits ist das für mich ein zu großes Verallgemeinern. Ja, es trifft sicherlich auf den ein oder anderen Publisher zu, der den Fokus auf Spiele verloren und nur noch Gewinnmaximierung und Beschäftigungstherapie im Auge hat. Deswegen aber jedes neue Spiel direkt in Sippenhaft zu nehmen, ist ebenfalls unfair. Nämlich den Entwicklern gegenüber, die jahrelang ihre Arbeit und Lebenszeit da reingesteckt haben und wo vermutlich auch eine Menge Leute ein richtig gutes Produkt abliefern wollen - auch bei Ubisoft, EA & Co.
Quelle: CD Projekt Red
Hype ist nichts Schlechtes - So lange man sich davon nicht vereinnahmen lässt.
Deswegen finde ich, muss man neuen Spielen bis zum Release zumindest eine faire Chance geben und nicht sofort alles verteufeln. Denn schließlich kommen von den vermeintlich "bösen" Publishern auch Perlen, wie It Takes Two, Immortals Fenyx Rising oder eben das Spiel, das ihr ganz gut fandet.
Am Ende geht es hier nämlich immer noch um Spiele - unser aller Lieblingshobby. Und es wäre doch fatal, wenn wir uns die Begeisterung dafür nehmen lassen und wegen der paar schwarzen Schafe zu verbitterten Meckerpötten verkommen. Ich werde also auch weiterhin versuchen, mich von neuen Spielen und Konzepten begeistern zu lassen. Denn eine gesunde Begeisterung ist wirklich nichts Schlechtes.
Nur sollte man gleichzeitig eben nicht beim ersten Trailer sofort auf den Vorbestellen-Button drücken.