The Witcher, Hogwarts Legacy & Co: Wie viel Hype darf es sein?
Kolumne 53,99 €
Mit Hogwarts Legacy, Starfield und dem neuen Witcher gibt es viele Spiele, die spannende Ambitionen haben, doch gleichzeitig enttäuschten vor allem Ende 2021 viele Triple-A-Produktionen. Darf man da eigentlich noch gehyped sein? Carlo Siebenhüner findet in seiner Kolumne: Ja, das darf und das sollte man definitiv noch sein!
Es ist Zeit für ein Geständnis: Ich bin ein Harry-Potter-Fanboy! Ich bin wie viele andere mit den Büchern und den Filmen aufgewachsen und ich habe wie so viele andere auch so richtig Bock auf das neue Hogwarts Legacy. Schließlich ist das endlich DAS Spiel, auf das Fans schon seit Jahren warten und wo irgendwie nie ein Studio mal auf die Idee gekommen ist, das umzusetzen.
Nachdem die Fans seit der Ankündigung ein ganzes Jahr ohne neue Infos auskommen mussten, gab es letzte Woche dann endlich 15 Minuten geballtes Gameplay mit Zauberei, Geheimnissen und Möglichkeiten zu sehen. Da hätte ich anschließend sofort gesagt: "Shut Up and Take my Money!"
Denn ich bin hier ganz offen und ehrlich mit euch und sage: Auch Spieleredakteure lassen sich eben manchmal von der Begeisterung und den Versprechen der Spielehersteller einfangen. Doch um ehrlich zu sein, finde ich das Aufsteigen auf den Hypetrain für Spieler - egal, ob Profi oder nicht - auch völlig okay. Wichtiger ist es, dass man anschließend auch wieder absteigen kann.
In diesem Artikel
Beweisstück H, wie Hogwarts
Quelle: Warner Bros.
Endlich selbst ein Zauberschüler werden ist das große Versprechen von Hogwarts Legacy
Das Beispiel Hogwarts Legacy hat mir nämlich wieder gezeigt, wie schnell man sich vom Hype fangen lässt und mögliche Probleme vergisst oder schlicht übersieht. Wie schon erwähnt, will dieses Spiel das Bedürfnis befriedigen, das sich bei Harry-Potter-Fans schon seit mindestens 20 Jahren anstaut. Endlich dürfen Potterheads selbst nach Hogwarts gehen.
Wir kommen in die Schule, wir werden vom sprechenden Hut in eines der vier Häuser eingeteilt und wir nehmen am Unterricht teil. Außerdem erkunden wir frei das Umland der Schule, samt Zaubererdorf Hogsmeade und natürlich zaubern wir auch all die Zaubersprüche, die wir aus den Filmen und Büchern kennen - bis hin zum Avada Kedavra.
Auch lesenswert: LG OLED TV 65 Zoll mit 1.290 Euro Rabatt, Testsieger-SSD zum Bestpreis: Diese Amazon-Deals muss man kennen
Eigentlich ja alles super, doch der Teufel steckt im Detail, denn auch nach 15 Minuten Gameplay tauchen bei mir mittlerweile einige Fragezeichen auf. Was soll etwa diese komische Auserwählten-Story? In Hogwarts Legacy werden wir kein Schüler der ersten Klasse sein, sondern steigen gleich als Fünftklässler ein. Wo war unsere Spielfigur denn die ersten vier Jahre unterwegs und wie will er den ganzen Lernstoff so
Quelle: Warner Bros. Games
Wie frei wird die Open World wirklich?
schnell nachholen, dass er oder sie gleich gegen dunkle Zauberer kämpft und nebenbei noch einen Goblin-Aufstand zerschlägt? Die Entwickler werden hier sicher eine Menge Argumente aufzählen, aber irgendwie wird man das Gefühl nicht los, dass es konstruiert ist, um doch eine Heldenfantasie zu befriedigen.
Dann wären da die Spielmechaniken. Ja, wir werden die ganzen Zauber einsetzen, wir werden Geheimnisse entdecken und wir werden am Unterricht teilnehmen. Doch wie das am Ende umgesetzt wird, weiß ja niemand so richtig, denn es durfte ja noch niemand spielen. Vielleicht ist das "am Unterricht teilnehmen" auch schlicht innerhalb von zwei Hauptquests abgehandelt und anschließend sind wir allwissend. Vielleicht ist die Karte, wie in so vielen anderen Open Worlds, vollgekleistert mit Symbolen, die jedes Rätsel und jedes Geheimnis in Hogwarts zunichtemachen. Vielleicht läuft das Zaubern doch nur auf stumpfes Button-Mashing raus ala "Drücke X und Gewinne!"
Was soll das denn?
Am meisten hat es mir die Augenbrauen aber beim Raum der Wünsche hochgezogen. Denn der Raum der Wünsche wird gewissermaßen unsere eigene Basis, die wir ausbauen dürfen und in der wir auch Ressourcen craften. Unter anderem werden wir Pflanzen anbauen, doch warum steht über denen ein Timer? Das ist sogar ein Echtzeit-Timer!? Wir müssen also wirklich Zeit verstreichen lassen, damit die Pflanzen wachsen? Was soll das?
Die Entwickler betonen immer wieder, dass sie keine Mikrotransaktionen im Spiel haben, aber genau das ist doch eine der bekanntesten Mechaniken für so etwas! Zeitbarrieren aufbauen, die dann mit Echtgeld überwunden werden können. Wer denkt sich bei den Entwicklern, dass so etwas eine gute Idee ist? Waren in Hogwarts Legacy mal Mikrotransaktionen geplant und jetzt ist nur noch die nervige Warterei übrig geblieben?
Was uns schlussendlich zum Entwickler Avalanche Software bringt. Das sind übrigens nicht die Avalanche Studios, die für ihre Just-Cause-Reihe bekannt sind. Avalanche Software hat damit nichts zu tun. Das Studio hat bisher nur jahrelang unter Disney halbgare Spiele zu Filmen verbrochen und anschließend die Toys-to-Life-Spielereihe Disney Infinity entwickelt. Als die Spiele nicht mehr erfolgreich waren, wurden sie von Disney sogar geschlossen und unter Warner Bros neu eröffnet. Anschließend haben sie noch ein Spiel zum Pixarfilm Cars 3 gemacht und seitdem sitzen sie an Hogwarts Legacy. Natürlich sollte man da die Frage stellen: Können die das überhaupt?
Weiter geht's auf Seite 2 mit der einen Sache, die wir uns nicht nehmen lassen sollten.