Vom Buch zum Spiel zum Film: Gute Geschichten haben es verdient, öfter erzählt zu werden

Kolumne Vivien Ziermann
Vom Buch zum Spiel zum Film: Gute Geschichten haben es verdient, öfter erzählt zu werden
Quelle: Despositphotos|seasons.agency|Pngtree

Verschiedene Umsetzungen einer Geschichte haben es in der Vergangenheit immer wieder geschafft, mir neue Horizonte zu eröffnen. Genau davon wünsche ich mir mehr!

Richtig gute Geschichten, egal ob in Büchern, Filmen, Serien oder Videospielen, versetzen mich nicht nur ständig in neue Welten, sondern lassen mich auch Dinge durchleben und empfinden, die ich so (manchmal zum Glück) selten am eigenen Leib erfahren habe. Und ich bin mir sicher, dass ich nicht die Einzige bin, der es so geht.

Dabei sind nicht nur die individuellen Erfahrungen mit den jeweiligen Erzählungen stets unterschiedlich. Auch die Wirkung durch die unterschiedlichen Medien ist unter Umständen je nach Medium eine völlig andere. Wo Bücher beispielsweise viel mehr der eigenen Vorstellungskraft und dem eigenen (Lese-)Tempo überlassen, zeigen Filme und Serien bereits fertige Bilder und untermalen das Ganze mit einer ausgewählten Soundkulisse.

Videospiele hingegen zeigen zwar auch bereits fertige Bilder und eine ausgewählte Vertonung. Durch die Kontrolle über die Protagonisten zieht dieses Medium einen im besten Fall aber noch stärker in seinen Bann und erzeugt die Illusion, die Geschichte aus erster Hand selbst zu erleben.

Jede der üblichen Medienumsetzungen hat also ganz eigenen Stärken, unabhängig davon, welche die erste war und welche lediglich Adaptionen des Originals sind. Doch besonders diese Adaptionen sind es oft, die eine Geschichte nur noch herausragender machen. Daher bin ich der festen Überzeugung, dass es starken Geschichten guttun würde, mit vielen unterschiedlichen Medien umgesetzt zu werden. Natürlich vorausgesetzt, die Umsetzungen werden von fähigen Leuten und in einer guten Qualität erstellt.

Deutlich größere Zielgruppen

Indem es seine Geschichten durch unterschiedliche Medien umsetzen lässt, kann es einem Franchise spielend leicht gelingen, eine viel größere Zielgruppe für sich zu gewinnen. Wer zum Beispiel nicht gern liest, wird wohl nie in den Genuss einiger wirklich guter Geschichten kommen, die ausschließlich als geschriebenes Wort existieren. Setzt man diese Geschichte aber gelungen als Film, Serie oder Videospiel um, kann man so seine Fangemeinde erweitern und vielleicht sogar weitere Buchverkäufe ankurbeln.

Ich habe dieses Phänomen bereits öfter aus erster Hand erlebt. Beispielsweise haben die Metro-Spiele dafür gesorgt, dass ich mich für die Welt, die Dmitry Gluchowski in seinen Romanen erschaffen hat, interessiert, mir die Bücher gekauft und sie verschlungen habe. Und das, obwohl mich das Setting ursprünglich gar nicht wirklich abgeholt hat. Und was soll ich sagen? Hätte ich die Reihe nicht gelesen, wäre mir eine spannende Trilogie entgangen. Weitere Beispiele, bei denen ich durch eine Adaption auf die Buchvorlage gestoßen bin, sind unter anderem Girl on the Train, Nightmare Alley und The Witcher. Die Liste ließe sich noch gefühlt endlos erweitern.

Doch es müssen nicht immer Bücher sein, die als Vorlage für geniale Adaptionen dienen. Die Serienumsetzungen von The Last of Us und Fallout beispielsweise machen mehr als deutlich, dass es auch Videospielen zugutekommt, wenn sie in ein weiteres Format übertragen werden. Immerhin hat die Fallout-Serie auf Amazon Prime dafür gesorgt, dass in kürzester Zeit die Verkaufszahlen für ein bereits etwas in die Jahre gekommenes Spiel schlagartig noch einmal angestiegen sind und sogar eine vorgezogene Entwicklung für einen weiteren Teil der Reihe im Gespräch sein soll.

Was Adaptionen aber besonders gut gelingt, ist es, mir immer wieder Geschichten näherzubringen, von denen ich ursprünglich der Überzeugung war, dass sie meinen Geschmack nicht treffen. Erst kürzlich hatte ich diese Erfahrung mit der neuen Netflixserie Devil May Cry. Da ich eigentlich kein großer Fan von Spielen dieser Art oder von Animes bin, hatte ich beides nicht auf meiner Liste. Doch schon der erste Trailer der Serie hat mich mit seinem Humor und der geballten Action sofort abgeholt.

Daher ließ ich es auf einen Versuch ankommen, immerhin hatte ich das Abo ja sowieso. Es waren also keine Kosten oder Risiken damit verbunden. Und schon nach der ersten Folge war ich gefesselt. Auch wenn mir der Stil von Animes noch immer nicht gefällt, konnte ich mich von Devil May Cry gar nicht mehr lösen. Die Charaktere sind interessant und witzig geschrieben und die Handlung ist schnell, actionreich und spannend, sodass ich unbedingt wissen wollte, wie es weitergeht.

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