Spellforce 3 im Test: Schwert, Magie und jede Menge Bugs - Seite 2
Test 35,99 €
Geht der ambitionierte Mix aus Rollenspiel und Echtzeit-Strategie ein drittes Mal auf? Im Test überrascht Spellforce 3 mit prächtigen Levels, schönen Missionen und dichter Story, zeigt aber auch gravierende Bugs und einige Designschwächen. Immerhin: Massenhaft Patches bringen das Spiel in den Wochen nach Release doch noch in einen soliden Zustand. Ob das für eine gute Wertung reicht, klären wir im aktualisierten Test zu Spellforce 3. Unser Review basiert auf Version 1.21.
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Mit gesammelter Erfahrung steigen die Helden im Level auf und dürfen dann Punkte auf Basisattribute und kleine Talentbäume verteilen. Sonderlich tiefgängig ist das System allerdings nicht, da jeder Held nur drei Slots für aktive Zauber, Fertigkeiten und Auren besitzt. Zwar darf man mehrere Skillsets zusammenstellen und jederzeit durchschalten, doch im Eifer des Gefechts ist das schlicht unpraktisch. Zumindest im Einzelspielermodus hätten wir uns darum mehr Slots für Fertigkeiten gewünscht!
Quelle: PC Games
Spellforce 3 im Test mit Wertung
Dafür spielen sich die Kämpfe dank des Click&Fight-Systems, das im Vergleich zu den Vorgängern stark abgeändert wurde, erstaunlich komfortabel: Per Tastendruck verlangsamen oder pausieren wir das Geschehen und blenden über Helden oder Gegnern ein Ringmenü voll kleinteiliger Symbole ein. Darin wählen wir dann die passende Aktion aus - beim Verbündeten etwa einen Heilzauber, beim Gegner dafür einen Eisregen, einen Feuerball oder ein paar Zombie-Diener, die an unserer Seite kämpfen.
Spellforce 3 im Test: Ernster Stil mit Mängeln, gute Sprecher
Ungewohnt: Die Tonart ist im Vergleich zu früheren Spellforce-Teilen deutlich rauer und ernster, in Dialogen wird auch mal saftig geflucht. Zum Glück sind die deutschen Sprecher überwiegend gut gewählt und versuchen, dem ernsteren Stil Rechnung zu tragen! Zwar klingen die Orks wie brave Buchhalter und oft hätten wir uns abwechslungsreichere Einheitenkommentare gewünscht, doch das Gesamtergebnis ist trotzdem überwiegend stimmungsvoll und gut.
Spätestens ab der zweiten Spielhälfte gingen uns aber auch einige Schnitzer in den Texten auf die Nerven. Etwa wenn Gesprächspartner ihre Antworten viel zu oft mit "Gute Frage!" einleiten oder die Helden bei jeder Gelegenheit "Tiaras Atem!", "Elens Regen!" oder "Bei Niethalfs Hammer!" rufen. Ebenfalls störend: In den Ladebildschirmen ist Mario Hassert als Erzähler zu hören, den Nintendo-Fans aus Professor Layton kennen dürften - seine überbetonten Passagen passen schlichtweg nicht zur Atmosphäre des Spiels.
Quelle: PC Games
Spellforce 3 im Test mit Wertung
Die Musikuntermalung geht dafür in Ordnung, sie überrascht hier und da sogar mit kraftvollen orchestralen Parts, kommt aber nie an die wuchtigen Melodien des zweiten Serienteils heran. Besonders in Kämpfen wiederholt sich die Musik außerdem zu oft, dann haben wir sie auch schon mal leiser gedreht, weil sie uns auf die Nerven ging.
Spellforce 3 im Test: Grafisch tolle Levels
Die Levels sind zwar längst nicht so abwechslungsreich wie seinerzeit die von Spellforce 2 und werden in der zweiten Spielhälfte sogar recycelt, doch dafür überzeugen sie mit ihrem bildschönen Design: Ihr seid unter anderem in stimmungsvollen Wäldern, Wüsten, Kerkern, Höhlen, Farmländern, Dschungeln und prachtvollen mittelalterlichen Festungen unterwegs, die Grimlore mit viel Liebe zum Detail gestaltet hat.
Stilistisch entfernt sich Spellforce 3 stark von seinen Vorgängern: Die comichafte, sattbunte Optik von Spellforce 2 ist einem realistischeren Look gewichen mit glaubhafteren Größenverhältnissen und erdiger Farbgebung. Eine stimmungsvolle Beleuchtung, detaillierte Vegetation, saubere Texturen und überzeugende Architektur runden den neuen Stil ab. Besonders der Besuch in der Stadt Immerlicht hat uns umgehauen: Hier glaubt man fast, man blicke auf eine Siedlung aus The Witcher 3 herab, so hübsch sind die Häuser, Gassen und Häfen geraten! Überall tummeln sich NPCs, die auf den Straßen für Leben sorgen, Möwen ziehen über den Dächern ihre Kreise, dazu gibt's eine stimmungsvolle Geräuschkulisse, die wohliges Mittelalterflair verbreitet. Klasse!
Spellforce 3 im Test: Quests sorgen für Abwechslung
Quelle: PC Games
Spellforce 3 im Test mit Wertung
Auf jeder Karte gibt's unterschiedliche Aufgaben, die meisten davon dürften Genre-Kenner wenig überraschen. Mal sollen wir in einem Elfenwald die Ursache einer rätselhaften Erkrankung untersuchen. Dann müssen wir uns in einer Wüste mit Soldaten oder Dunkelelfen verbünden, um eine Untotenbastion zu belagern. Zwischendurch gilt es, die geheimnisvolle Stadt der Former zu erkunden, eine Art Hightech-Fantasy-Burg, die uns später noch als Stützpunkt dient und in der wir unsere Partymitglieder genauer kennenlernen. Und im späteren Spielverlauf müssen wir mittels Dialogentscheidung einen tragischen Familienkonflikt lösen - wie gut, dass die Autoren auch mit unbequemen Themen umgehen können! Immer wieder gibt's auch ein paar nette Quests am Wegesrand, beispielsweise treffen wir einen Golem, dem die Seele eines Kindes innewohnt - und müssen danach eine folgenschwere Entscheidung treffen.
Für manche Quests muss man auch in alte Gebiete zurückkehren, dazu gibt's eine simple Übersichtskarte, die deutlich hübscher ausfällt als im Vorgängerspiel. Und weil die meisten Levels ordentlich weitläufig sind und unsere Party leider immer noch keine Reittiere nutzen darf (ein ewiges Problem der Spellforce-Serie!), sind mehrere Teleportersteine auf jeder Map verteilt, mit denen man die langen Laufwege zumindest ein bisschen abkürzen kann..
Spellforce 3 im Test: Echtzeit-Strategie mit drei Völkern
Auf vielen Maps sind es aber nicht die Helden, sondern unsere Armeen, die den Sieg bringen. Dazu wechselt das Spiel fließend in einen klassischen Echtzeit-Strategie-Modus. Wir kommandieren darin wahlweise Menschen, Orks oder Elfen - welche Fraktion zum Einsatz kommt, bestimmen wir vor dem Start einiger Missionen selbst. Die drei Fraktionen unterscheiden sich zwar in Details, etwa bei den Rohstoffkosten, der Kampfstärke oder der Baufolge, doch im Prinzip spielen sich Orks, Menschen und Elfen sehr ähnlich: Alle Völker nutzen jeweils zwei Nah- und Fernkämpfer sowie zwei Reitereinheiten. Erst in späteren Levels werden auch Elite-Einheiten verfügbar, die etwas mehr Abwechslung in die chaotischen Kämpfe bringen. Formationsbefehle sollten hier eigentlich für Ordnung sorgen, fallen aber arg fummelig und unzuverlässig aus. Taktisches Vorgehen ist da kaum möglich, es läuft deshalb auf Massenschlachten raus.
