Staatliche Games-Förderung soll Deutschlands Spieleindustrie stärken. Entwickler erklären, warum sie wichtig ist - und wo die Grenzen liegen.
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Anika Thun, Geschäftsführerin des in Worms ansässigen Publishers Kalypso Media, rückt die großen Zahlen jedoch zurecht: "125 Millionen Euro pro Jahr wirken zunächst wie eine große Summe. Im Verhältnis zu den Produktionskosten moderner Spiele - auch im AA-Bereich - und im Vergleich zum Fördervolumen anderer Branchen relativiert sich das jedoch schnell. Zudem fehlt weiterhin langfristige Planungssicherheit, da Studios erst nach Antragstellung erfahren, in welcher Höhe Fördermittel bewilligt werden."
Quelle: Kalypso Media
Anika Thun ist Geschäftsführerin von Kalypso Media in Worms. Sie ist für die strategische Ausrichtung des Publishers verantwortlich und setzt sich für verlässliche Förderstrukturen in Deutschland ein.
Thun erklärt, dass Förderstrukturen möglichst verlässlich und langfristig angelegt sein sollten - idealerweise auch über einzelne Legislaturperioden hinaus. Nur so lassen sich Investitionen, Personalaufbau und mehrjährige Projektentwicklungen nachhaltig planen. Grundsätzlich bewertet Kalypso die Entwicklung jedoch positiv. Besonders der Ansatz der direkten Projektförderung sei vorteilhaft, da er sich klar von steuerbasierten Modellen in anderen Ländern unterscheide. Die zunehmende politische Wahrnehmung von Games sei ein wichtiger Schritt für den Standort Deutschland, auch wenn weiterer Ausbau notwendig bleibe.
Sicherheit auch für kleine Teams
Wie entscheidend eine staatliche Finanzspritze sein kann, hat uns Daniel Dumont bestätigt. Er ist Chefentwickler bei Gaming Minds Studios und mitverantwortlich für die Entwicklung von Tropico 7, das zwei Millionen Euro Förderung erhielt. Dumont dazu: "Die Förderung war sehr wertvoll - sie gab Planungssicherheit und finanzielle Flexibilität, um Qualität und ambitionierte Features umzusetzen. Ohne die Förderung wäre Tropico 7 zwar machbar gewesen, aber deutlich risikoreicher und wahrscheinlich in kleinerem Umfang."
Quelle: Kalypso Media
"Tropico 7 ist ja auch eine humoristische Diktator-Simulation und wir mussten oft überlegen, welche Gesetze ein Diktator aus welchen Gründen auch immer erlassen könnte. Dabei wurden wir oft von der Realität eingeholt", erklärt Chef-Entwickler Daniel Dumont im Interview.
Die zuletzt höchsten Fördersummen gingen mit 5,7 Millionen Euro an Ubisoft Mainz für Anno 117: Pax Romana und mit 5 Millionen Euro an Deck 13 Interactive für ihr Projekt Foxtrott. Auf dem dritten Platz rangiert mit Railway Empire 2 übrigens eine weitere Produktion von Gaming Minds, die 3,3 Millionen Euro erhielt.
In den Gesprächen sticht aber ein Punkt ganz klar heraus: So wichtig und nützlich staatliche Förderung auch sein mag, sie darf nicht die tragende Säule im Geschäftsmodell sein. Michael Schade, Geschäftsführer und Mitgründer von Rockfish (bekannt durch Everspace 2), erklärt, dass die Förderung Unternehmen und ihren Teams eine gewisse Stabilität geben kann. "Du kommst nicht in die Situation, dass du einen Teil deiner Leute zum Ende eines Projekts entlassen musst. Letzteres ist häufig der Fall, wenn vielleicht die Umsätze nicht stimmen oder kein Anschlussprogramm in der Pipeline steht."
Quelle: Rockfish Games
Michael Schade ist CEO und Mitgründer von Rockfish Games. Der Branchenveteran verantwortet unter anderem die Everspace-Reihe und setzt auf effiziente Entwicklung sowie internationale Vermarktung.
Bürokratie und andere Probleme
Abseits der Förderpolitik sieht der Rockfish-Chef strukturelle Hürden am Standort Deutschland. Zwar funktioniere die Infrastruktur in Städten wie Hamburg grundsätzlich gut, doch insbesondere bürokratische Anforderungen und arbeitsrechtliche Rahmenbedingungen sorgten im Studioalltag für zusätzlichen Aufwand. Das deutsche Arbeitsrecht sei aus Arbeitnehmersicht zwar sehr vorteilhaft, führe aber dazu, dass Unternehmen Neueinstellungen äußerst sorgfältig abwägen müssten. Die Hürden für betriebsbedingte Kündigungen seien sehr hoch, und ein späteres personelles Herunterskalieren gestalte sich gegebenenfalls schwierig.
Hinzu komme eine Vielzahl formaler Auflagen und Prüfprozesse. Sicherheitsbeauftragte, regelmäßige Kontrollen oder wiederkehrende Rentenversicherungsprüfungen verursachten Zeit- und Kostenaufwand, ohne aus Unternehmenssicht immer einen erkennbaren Mehrwert zu liefern. Insgesamt entstehe so mitunter der Eindruck, dass es gerade denjenigen, die wirtschaftlichen Erfolg erarbeiten sollen, an vielen Stellen unnötig schwer gemacht wird.
