In unserem Special sprechen wir mit den Entwicklern von Spielen mit historischem Hintergrund und erfahren von den Tücken der Historie. Wir sprachen unter anderem mit Maxime Durand (Assassin's Creed), Peter Gornstein (Ryse), Daniel Vávra (Kingdom Come) und Al Bickham (Total War).
Neue Historie
Daniel Vávra beantwortet diese Frage ohne Zögern: "Ich bin der Meinung, dass eine interessante Erzählung und historische Genauigkeit sehr gut miteinander funktionieren können. Das sind keine Gegensätze. Natürlich entscheiden wir uns manchmal eher dafür, unseren Fokus auf die dramatischen Situationen aus der jeweiligen Epoche zu legen, und straffen einen Ablauf etwas, um eine spannendere Geschichte erzählen zu können, aber ich teile nicht die Meinung vieler Drehbuchschreiber, dass die Story über allem anderen stehen sollte.
Quelle: PC Games
Die Story von Ryse mag zwar nicht viel Rücksicht auf die Historie nehmen, für die Kämpfe wurde aber viel Recherche betrieben.
Ridley Scotts Königreich der Himmel und Robin Hood sind perfekte Beispiele dafür. Die Filme erzählen weder eine gute Story, noch sind sie in irgendeiner Weise historisch akkurat. Hätte sich der Regisseur daran gehalten, was wirklich in dieser Zeit passierte, hätte er wahrscheinlich viel bessere Storys gehabt und hätte gleichzeitig die Historie korrekt dargestellt." Hier werden Vávra vermutlich viele Historien-Fans zustimmen. Interessanterweise macht es ganz den Anschein, dass viele Entwickler eher das Ziel haben, die Spieler ihre eigenen Storys vor dem Hintergrund der Geschichte erleben zu lassen.
Al Bickham von Creative Assembly ist dieser Meinung: "Genau um dieses Spielerlebnis geht es uns. Es wird wohl kaum einen Spieler unserer Total War-Reihe geben, der nicht schon mal Wendungen erlebt und Heldentaten vollbracht hat, die ihn selbst vollkommen überrascht haben. Total War-Spiele sind die perfekten "Was wäre, wenn…?"-Simulatoren. Dennoch ist es immer unser oberstes Ziel, die größtmögliche historische Authentizität zu gewährleisten. Die Spiele sollen einen guten Eindruck in die jeweilige Epoche geben. Es gibt einige Dinge, bei denen wir unglaublich akkurat sind.
Quelle: PC Games
Die Total War-Strategie-Reihe erlaubt es den Spielern, vor historischem Hintergrund ihre eigene Geschichte zu schreiben.
Zum Beispiel die geopolitische Anordnung der verschiedenen Fraktionen in dem Jahr, in dem das Spiel startet, oder auch Details, wie die Helme der unterschiedlichen Klassen. Diese ganzen Fakten werden von unserem Team gewissenhaft recherchiert und finden dann den Weg ins Spiel. Trotzdem bleibt die Total War-Reihe eine komplett nonlineare Erfahrung. Sobald man das Spiel startet, wird die Geschichte umgeschrieben."
Die Zukunft der Geschichte
Quelle: PC Games
"Total War-Spiele sind die perfekten 'Was wäre, wenn ...?'-Simulatoren. Sobald man das Spiel startet, wird die Geschichte umgeschrieben." - Al Bickham
Es ist durchaus wahrscheinlich, dass viele Spiele mit historischem Hintergrund in Zukunft diesen Weg beschreiten werden. Entwicklerteams haben heutzutage mehr technische Mittel und Budget zur Verfügung als jemals zuvor. Es ist also sehr wahrscheinlich, dass zwar mehr Zeit und Aufwand in historische Recherche gesteckt wird, die Spiele aber die historische Genauigkeit vernachlässigen, um origineller zu wirken. Somit können sie auch den Spielern ermöglichen, die Geschichte umzuschreiben. Jeder Entwickler, mit dem wir sprachen, hat ganz eigene Ideen wie man eine Erzählung in den geschichtlichen Hintergrund einbettet, so schwer und anstrengend diese Aufgabe auch sein mag.
In diesem Artikel
Assassin's Creed Unity wird den Trend der Videospiele mit historischem Hintergrund weiter beflügeln. Maxime Durand und sein Team arbeiten hart daran, unsere Geschichte jedes Mal noch interessanter zu gestalten, und Unity wird ab seinem Release im November wohl der bisherige Höhepunkt der Geschichtsspiele sein. "Schon nach Assassin's Creed Brotherhood legten wir fest, in welcher Ära Unity spielen wird, aber wir brauchten sehr viel Zeit, das damalige Paris in seiner Größe detailgetreu und glaubwürdig nachzubauen", erzählt uns Durand. "Selbst mit den neuen Konsolen sind wir teilweise an unsere technischen Grenzen gestoßen. Auch unsere Nachforschungen und Recherchearbeiten waren äußerst langwierig, da viele Informationen, wo welche Häuser im Paris von 1789 standen, heute gar nicht mehr verfügbar sind. Deshalb konnten wir bei unserem Stadtplan auch nicht hundertprozentig genau sein. Dennoch sind wir der Meinung, dass unser Paris eine akkurate Darstellung der Stadt im 18. Jahrhundert ist und die Stimmung sehr gut einfängt. Unser Paris ist in allen Belangen eindrucksvoll."
