Soulstice im Test: Die unspektakuläre Rückkehr der Spectacle Fighter

Test Stefan Wilhelm
Soulstice im Test: Die unspektakuläre Rückkehr der Spectacle Fighter
Quelle: PC Games

Früher mit God of War, Ninja Gaiden, Devil May Cry und etlichen Nachahmern reich besetzt, muss man richtige Hack & Slays bzw. Spectacle Fighter aktuell mit der Lupe suchen. Das Indie-Studio Reply Games schickt sich mit Soulstice an, das zu ändern. Warum es bei weitem nicht für die SSS-Wertung reicht, erfahrt ihr im Test.

Während ihr hier zumindest noch jede Menge passive Boni erhalten könnt, gibt's für Briar - und damit für den aktiven Part - abseits der bereits erwähnten, immer gleichen Angriffe für jede Waffe, nichts freizuschalten.Skillpunkte bekommt ihr, indem ihr das Level-Inventar in den zugemüllten Abschnitten kaputtschlagt oder die immer gleichen Kristalle mit euren Kraftfeldern bearbeitet. Wegen der größtenteils uninteressanten Skills fühlt sich das aber sehr schnell nach langweiliger Fleißarbeit an.

Keinen Vorwurf machen kann man dem Spiel dagegen bei seiner Gegnervielfalt: Soulstice schafft es den Großteil der Spielzeit über, euch in regelmäßigen Abständen neue Feinde vorzusetzen, die euch mit abwechslungsreichen Angriffsmustern aufs Korn nehmen. Dabei ändert sich dann vor allem die Art eurer Defensive: Während Lute etwa Projektile zuverlässig abwehren kann, werden die Nahkampfangriffe besonders dicker Brocken von eurer Geisterschwester nur kurz verzögert. Wieder anderen entkommt ihr nur durch einen präzise getimten Ausweichsprung. Das hält die Kämpfe noch eine Weile länger frisch, als es Kern-Gameplay und Fortschrittssystem vermögen.

Reißen's die Bosse wieder raus?

Der aus der Demo bekannte Boss Arrowhead gehört zu den besseren des Spiels.  Quelle: PC Games Der aus der Demo bekannte Boss Arrowhead gehört zu den besseren des Spiels.  Bei den Bossgegnern ist das Spiel dagegen etwas zu knauserig: Es gibt nicht sonderlich viele einzigartige Obermotze, und so vielfältig wie etwa der frühe Kampf gegen Arrowhead sind die wenigsten. Hier werdet ihr noch alle paar Sekunden mit einer neuen Situation konfrontiert, bei vielen anderen genügt simples Ausweichen und Draufhauen. So verpasst Soulstice auch die Chance, mehr aus seiner Kraftfeld-Mechanik herauszuholen. Statt euch etwa Ikaruga-mäßig schnelle Wechsel abzuverlangen, sind die Feinde schlicht entweder rot oder blau, was quasi nur beeinflusst, welchen Knopf ihr zu Beginn des Kampfes drücken müsst.

Erkundung zum Einschlafen

Den dicksten Motivationsdämpfer verpasst euch Soulstice aber durch sein wahnsinnig monotones Leveldesign und die kaum vorhandene optische Abwechslung der grob vier verschiedenen Gebiete. Es geht von der grau-braunen Stadt über die grau-grüne Kanalisation zurück in die nun die grau-blaue Stadt und zum Schluss in den Dimensionsriss (in dem ihr euch dann wieder durch die Einzelteile der Stadt bewegt).

Die viel zu vielen Kapitel innerhalb dieser Gebiete gleichen sich wie ein Ei dem anderen, inklusive spärlich eingestreuter Rätselchen. Die bestehen eigentlich immer nur daraus, herauszufinden, welchen schnöden Korridor ihr noch nicht entlanggelaufen seid, und dann eine Reihe von Kristallen zu aktivieren. All das ermüdet schon nach wenigen Stunden und wird nicht besser, wenn das Spiel seine unspektakulären Kämpfe zum Ende hin immer stärker in die Länge zieht und euch immer größere und zähere Feindeshorden entgegenwirft, bei denen die Defizite des Kampfsystems dann besonders auffallen.
Kristalle kaputtschlagen, um eine Barriere aus dem Weg zu räumen, stellt den Großteil der langweiligen Aufgaben zwischen den Kämpfen dar. Quelle: PC Games Kristalle kaputtschlagen, um eine Barriere aus dem Weg zu räumen, stellt den Großteil der langweiligen Aufgaben zwischen den Kämpfen dar. Umfangstechnisch bekommt ihr immerhin ziemlich viel für euer Geld: Die 15 bis 20 Stunden lange Story dürft ihr in fünf Schwierigkeitsgraden versuchen, außerdem warten in jedem Level immer kniffliger werdende Herausforderungsportale, die simple Lebens- und Kraftfeld-Upgrades bereithalten. Die nette Story kommt mit ausführlichen Zwischensequenzen daher und optisch kann sich Soulstice durchaus sehen lassen. Ob all das aber noch so wichtig ist, wenn der monotone, seichte Spielverlauf schon nicht genug für einen Durchgang hergibt, steht auf einem anderen Blatt. Hier sollten wirklich nur sehr ausgehungerte Hack&Slay-Fans einen Blick riskieren.

Meinung

Wertung zu Soulstice (PS5)

Wertung:

6.0 /10
Pro & Contra
Hübsche Präsentation, die an Fantasy-Anime-Klassiker erinnertSchicke CharakterdesignsUmfangreiche Story mit vielen CutscenesAbwechslungsreiches und großes Gegner-RosterZugängliches und schnell verstandenes Gameplay
Seichtes Kampfsystem mit viel zu wenigen Attacken und OptionenMiese Kamera und fummelige Lock-On-FunktionLangweilige und sehr ähnliche WaffenauswahlKraftfeld-Feature wird kaum kreativ genutztWahnsinnig monotone Umgebungen und AufgabenKämpfe werden schnell chaotisch und frustrierendHolprige VertonungUnpassende Techno-Musik beim Kämpfen

Soulstice ist am 20. September 2022 für PC (Steam), PS5 und Xbox Series erschienen. Neben der digitalen Fassung gibt es auch eine teurere physische Version (nur PS5 und Xbox Series), die ein digitales Artbook und den digitalen Soundtrack beinhaltet. Wollt ihr das Spiel selbst antesten, könnt ihr eine kostenlose Demo herunterladen.

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