"Skandal-Shooter" Six Days in Fallujah: So viel Aufregung um so wenig Spiel

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"Skandal-Shooter" Six Days in Fallujah: So viel Aufregung um so wenig Spiel
Quelle: Victura

Wir haben den Early Access von Six Days in Fallujah getestet: Was kann der "kontroverseste Shooter des Jahres"?

Danach verliert Six Days in Fallujah zunehmend an Reiz: Die Maps fühlen sich mangels Umfang und optischer Abwechslung irgendwann gleich an. Man hat sich trotz Zufallsfaktor schnell sattgesehen. Die Missionen laufen zu allem Überfluss auch relativ ähnlich ab: Ihr säubert Gebäude, verteidigt einen Konvoi oder zerstört feindliche Ausrüstung. Das trägt nicht ewig, zumal ihr im Verlauf des Spiels nicht einmal für eure Fortschritte belohnt werdet. Es gibt nichts freizuschalten, außer ein paar Abzeichen neben eurem Spielernamen. Es fehlt an Inhalten, die über einen längeren Zeitraum motivieren, ganz zu schweigen vom technischen Feinschliff. Ihr könnt nicht auswählen, welche der gerade einmal vier Missionen ihr spielen wollt. Es gibt Audioaussetzer, Verbindungsabbrüche, Performance-Probleme. So ist Six Days in Fallujah am Ende nicht mehr als eine weitere Military-Sim mit spannenden Ansätzen, aber schlampiger Umsetzung.

War das schon alles?

Und wie sieht es bei den Skandalen aus? Auch da zeigt sich der Shooter überraschend unspektakulär, was vor allem daran liegt, dass von den "kontroversen Aspekten", die Highwire ins Spiel einbauen wollte, bis dato jede Spur fehlt: Zivilisten, die ins Kreuzfeuer geraten könnten, gibt es keine. Die sollen im kommenden Frühjahr nachgereicht werden.

Für andere "Features" sieht es sogar noch düsterer aus. Nachtmissionen und Wettereffekte sollen erst diesen Herbst kommen, weitere Missionen und KI-Kameraden erst gegen Ende des Jahres. Die viel diskutierte Story-Kampagne ist frühestens für 2024 angesetzt.

Häuserkampf in Egoperspektive Quelle: Victura Es bleibt vorerst also bei ein paar zusammenhangslosen Feuergefechten: keine ansprechende Geschichte, keine erinnerungswürdigen Charaktere, keine tiefgreifenden Dialoge.

Entsprechend gibt es auch nichts, was das Bildschirmgeschehen in irgendeiner Weise kritisch einordnen würde - oder eben nicht. Aktuell ist Six Days in Fallujah erschreckend emotionslos. Viel Zündstoff wohnt dem Spiel also nicht inne.

Fragwürdig sind lediglich die Ladebildschirme voller patriotischem Gefasel. "Angst ist ansteckend", liest man da etwa. "Du darfst keine Angst zeigen, wenn du die Moral deiner Einheit nicht zerstören willst". Auf dem Game-over-Screen prangen dagegen vermummte Gesichter mitsamt der Botschaft: "Das Einzige, was sie von uns bekommen, ist ein scharfes Schwert". Das zeichnet schon ein recht klares Bild davon, wer hier als Held und wer als Feind wahrgenommen werden soll.

Auch in den Doku-Aspekten blitzt dieser Heroismus durch: Bis dato gibt es zwar lediglich zwei Videosegmente zu sehen, in denen Zeitzeugen ihre Erfahrungen aus Falludscha teilen.

Selbstreflexion scheint aber nicht deren Stärke zu sein. Der kritischste Satz fällt wahrscheinlich direkt zu Beginn: "Ich war mit dem Krieg nicht einverstanden", behauptet Lt. Ackerman, 1. Bataillon US Marine Corps, um dann direkt nachzuschieben:

"Aber mein Land war im Krieg und ich musste eine Entscheidung treffen". Warum sein Land im Krieg war? Das wird in den folgenden drei Minuten kein einziges Mal mehr thematisiert.

Das ist weit entfernt von der kolportierten proamerikanischen Kriegspropaganda. Jedoch hat Six Days in Fallujah Kritikern bisher aber auch sehr wenig gezeigt, was sie von ihrem Standpunkt abbringen könnte. Vielmehr hat sich der Eindruck bestärkt, dass man von Highwire Games kein Endprodukt erwarten darf, dass einen aufgeklärten Blick auf die Ereignisse wirft. Und eines, das sich richtig gut spielt, wohl auch nicht.

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