"Skandal-Shooter" Six Days in Fallujah: So viel Aufregung um so wenig Spiel

Special David Benke Lukas Schmid 22,99 €
"Skandal-Shooter" Six Days in Fallujah: So viel Aufregung um so wenig Spiel
Quelle: Victura

Wir haben den Early Access von Six Days in Fallujah getestet: Was kann der "kontroverseste Shooter des Jahres"?

Entsprechend ist Verständigung das A und O. Dafür bietet euch Highwire Games ein rudimentäres Ping-System, mit dem ihr einen Standort hervorheben könnt. Am besten klappt aber natürlich die Verständigung via Voice Chat, vorzugsweise mit Freunden statt mit zufälligen Mitspielern. Dann müsst ihr euch nicht das Geschmatze von Fremden anhören, sondern könnt euch auf die gelungene Soundkulisse konzentrieren. Hier hat Six Days in Fallujah ein paar nette Tricks auf Lager: Wenn ihr die Push-to-Talk-Funktion benutzt, legt das Spiel einen entsprechenden Funkgerät-Effekt über eure Stimme. Außerdem arbeitet die Military-Sim mit Raumklang. Die Worte eurer Mitspieler hallen also von den Wänden wider, wenn ihr in einem Keller steht.

Diese Detailverliebtheit kommt nicht von ungefähr. Guter Sound ist ungemein wichtig, geben euch Schritte, Rufe und Schüsse in der Umgebung doch wichtige Informationen über den Aufenthaltsort eurer Gegner. Mit dem bloßen Auge sind die im graubraunen Häuserdickicht nur schwer zu erkennen. Noch schwieriger wird es in dunklen Räumen, die ihr mit eurer schwachen Taschenlampe nicht gänzlich ausleuchten könnt.

Im Zusammenspiel mit der stimmungsvollen, (mit passender Hardware) fast fotorealistischen Inszenierung vermittelt Six Days in Fallujah eindrucksvoll den Horror der urbanen Kriegsführung: Die Gefahr ist stets gegenwärtig, der Tod könnte hinter der nächsten Ecke lauern.

Zwei Soldaten in einem schwach beleuchteten Raum voller Staub Quelle: Victura Entsprechend steht man als Spieler unter ständiger Anspannung. Manchmal bricht sogar Panik aus, wenn man aus dem Nichts beschossen wird und schnell Deckung suchen muss.

Hardcore ohne Kompromisse

Die KI-Feinde verhalten sich teils überraschend clever. Sie klettern über Hindernisse, beschießen euch durch Fenster oder Deckengitter, verstecken sich oder lugen um die Ecke, um euch zu treffen. Und sie sind verdammt zielsicher. Das fördert wiederum taktisches Vorgehen seitens des Einsatzteams.

Wer nicht sofort den Game-over-Screen zu Gesicht bekommen will, muss sich bedacht vorwärts bewegen, Gebäude ausspähen, Rauchgranaten nutzen, sukzessive Räume säubern, sich nach allen Seiten absichern und vor allem: immer auf Feuergefechte vorbereitet sein.

Die sind in Six Days in Fallujah meist kurz, aber intensiv. Das Waffenhandling ist größtenteils gelungen, die verschiedenen Typen fühlen sich alle etwas anders an. Nur die Steuerung ist manchmal etwas hakelig und wenig intuitiv.

Um das Visier zu nutzen, müsst ihr beispielsweise die rechte Maustaste drücken und dann am Mausrad drehen. Beim Rückstoß haben es die Macher gefühlt auch etwas übertrieben. Vor allem, wenn ihr aus der Hüfte feuert, trefft ihr keinen Blumentopf.

Mehr als drei bis vier Treffer könnt ihr aber ohnehin nicht einstecken. Bei seiner Time to Kill ist der Shooter ziemlich gnadenlos. Es gibt auch nur begrenzte Medikits und keine Defibrillatoren. Das passt ins allgemeine Hardcore-Konzept der Entwickler:

Jede Nachlässigkeit hat gravierende Konsequenzen. Wer nicht aufpasst und auch nur einen einzigen Teamkameraden verliert, wird es für den Rest der Mission bedeutend schwerer haben.

Da ist es fast schade, dass es euch der Titel mit der Option, einmal pro Einsatz alle ausgeschalteten Marines respawnen zu lassen, wieder ein wenig einfacher macht. Viel ärgerlicher sind aber andere Designentscheidungen. Wenn ihr euch heilt, steht ihr etwa automatisch aus der Hocke auf, was euch vollkommen ungeschützt zurücklässt.

Macht ihr das hinter einer niedrigen Deckung, taucht euer Kopf als einfaches Ziel im Blickfeld eurer Gegner auf und ihr seid Kanonenfutter. Das ruiniert gerne die harte Arbeit der vergangenen Viertelstunde. Gleichzeitig ist es umso belohnender, wenn man eine Mission erfolgreich abschließt. Den grünen Rauch der Extraktionszone zu erreichen, ist ein echter Dopamin-Kick - zumindest für die ersten paar Stunden.

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