"Skandal-Shooter" Six Days in Fallujah: So viel Aufregung um so wenig Spiel
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Wir haben den Early Access von Six Days in Fallujah getestet: Was kann der "kontroverseste Shooter des Jahres"?
Stattdessen erzählt der Shooter eine inspirierende Geschichte über die bewundernswerte Courage amerikanischer Soldaten, deren größte Angst nicht der Tod war, wie es ein erster Trailer verrät, sondern allein das Scheitern. Eine Geschichte, die US-Truppen als Helden glorifiziert und dabei nie die Frage aufwirft, ob diese Darstellung auch wirklich mit der Realität übereinstimmt. Ein Spiel mit "'Murica, fuck yeah!"-Einstellung. Oder eben "proamerikanische Propaganda", wie Branchenanalyst Daniel Ahmad es auf Twitter bezeichnete. "Ein billiger Versuch, den Irakkrieg zu legitimieren" und Geschichte einfach umzuschreiben.
Der mediale Aufruhr ging irgendwann so weit, dass sogar die Veröffentlichung des Spiels untersagt werden sollte. Das Council on American-Islamic Relations, die größte muslimische Bürgerrechtsorganisation der USA, veröffentlichte 2021 eine Pressemitteilung, in der sie das Spiel als einen "Arab murder simulator" bezeichnete. "Six Days in Fallujah verstärkt schädliche Vorurteile gegenüber Muslimen und Arabern", hieß es in der Stellungnahme. "Wir fordern Microsoft, Sony und Valve deshalb auf, das Spiel auf ihren Plattformen zu verbieten."
Aus Six Days wird Three Years
Das passierte zwar nicht - Immerhin setzte der öffentliche Gegenwind aber ein paar Prozesse hinter den Kulissen in Bewegung. Plötzlich hieß es, das Spiel sei "unzertrennbar mit Politik verbunden". Auf der hauseigenen Website erklärte man, man wolle sich auch mit den "kontroversen Aspekten des Konflikts" auseinandersetzen.
Quelle: Victura
Man behandle viele komplexe Themen, die Geschehnisse, die zu Falludscha geführt haben, was vor Ort vorgefallen ist und welche Folgen die Aktion nach sich zog. Dafür seien nun auch Interviews mit irakischen Zivilisten geführt worden, deren Schicksale in den Doku-Segmenten und sogar in Form einer separaten Story-Kampagne erzählt werden sollten, in der ein Familienvater versucht, aus der Stadt zu fliehen.
Infolge dieser Überarbeitungen verschob Highwire Games den Release von 2021 auf 2022. Schlussendlich dauerte es bis zum 22. Juni 2023. Jetzt ist Six Days in Fallujah endlich in den Early Access auf Steam gestartet und wir können die Frage beantworten: War die ganze Aufregung um den "Skandal-Shooter" wirklich gerechtfertigt?
Zumindest, wenn man sich den Shooter-Aspekt ansieht, kann die Antwort momentan nur "nein" lauten. Natürlich preist Highwire Games seinen Titel in den höchsten Tönen an: Euch erwartet eine "robuste und ansprechende Koop-Erfahrung" für bis zu vier Spieler, deren immer wieder prozedural neu generierten Umgebungen die "Unberechenbarkeit des Kampfes" widerspiegeln soll.
Die Grundrisse der Karten, das Design von Gebäuden und die Positionierung von Gegnern variiert also mit jedem Playthrough. Abgesehen davon schaut es aber ziemlich dünn aus. Viele der versprochenen Inhalte fehlen bisher komplett.
Taktieren und triumphieren
Als einziger Spielmodus stehen euch die Truppmissionen zur Verfügung. Hier werdet ihr entweder via Matchmaking oder private Einladung in ein vierköpfiges Einsatzteam geschmissen, mit dem ihr eine Reihe von Aufgaben erledigen müsst. KI-kontrollierte Mitspieler gibt es nicht. Offline zieht ihr also nur allein los, was zu einem recht kurzen Spielerlebnis führen dürfte - und zu einem recht frustrierenden.
Denn Six Days in Fallujah ist eine ziemliche Herausforderung, vor allem dann, wenn man nur Call of Duty, Battlefield und Co. gewohnt ist. Das fängt schon beim Movement an: Das ist im Vergleich deutlich entschleunigt. Es gibt kein wildes Herumgesprinte, euer Marine bewegt sich langsam vorwärts, was ihm ein gewisses Gewicht verleiht.
Das heißt aber natürlich nicht, dass ihm die nötige Mobilität fehlt. Ihr könnt euch um die Ecke lehnen, euch ducken, Türen eintreten, und über Hindernisse klettern. Zumindest manchmal, an vorgeschriebenen Stellen. Eine standardmäßige Sprungfunktion gibt es nicht, da hat man es mit dem "Boots-to-the-Ground"-Ansatz vielleicht ein wenig übertrieben.
Aber Realismus wird eben großgeschrieben. Beim Druck auf die R-Taste könnt ihr erst eure Munition checken, bevor ihr sie komplett austauscht. Wechselt ihr bei geladener Pistole das Magazin, habt ihr noch eine zusätzliche Kugel im Lauf. Welche Waffen ihr bei euch tragt, variiert je nach Ausrüstungsset.
Von denen gibt es vier verschiedene: eines mit schwerer MG für Feuerschutz, eines mit Sturmgewehr inklusive optischem Visier zum Zielen auf Distanz, und eines mit Schrotflinte, mit der sich Türen auch aufschießen lassen.
Einziger Wermutstropfen: Ihr könnt zu Beginn nicht wählen, welches Set ihr mitnehmt. Entsprechend gibt es auch keine Anpassungsoptionen, weder was Aufsätze noch was Optik angeht. Das kann man aber auch positiv sehen: keine Skins, keine Lackierung, keine Talismane oder sonstiger Mumpitz. Fokus aufs Wesentliche.
Horror des Häuserkampfs
Auch sonst gibt er nur wenig Bling-Bling. Das Interface gestaltet sich eher minimalistisch, um die Spielerfahrung möglichst immersiv zu halten: Es gibt keine Questmarker in der Spielwelt, keine Icons auf der Map. Ihr müsst selbst die Einsatzkarte studieren, um herauszufinden, wo ihr eigentlich hinmüsst. Mitspieler werden nicht grafisch hervorgehoben. Auf übermäßige Tasteneinblendungen wird auch verzichtet. Wer nicht merkt, dass sein Kollege verletzt ist, lässt ihn einfach ausbluten.
