Silent Hill f überzeugt mit kniffligen Rätsel, schwächelt aber bei der Gestaltung der Charaktere

Kolumne Vivien Ziermann
Silent Hill f überzeugt mit kniffligen Rätsel, schwächelt aber bei der Gestaltung der Charaktere
Quelle: PC Games

Die eingebauten Rätsel in Silent Hill f vermitteln waschechtes Silent-Hill-Feeling. Bei der Gestaltung der Charaktere und der grundlegenden Story sieht das etwas anders aus.

Zum anderen ist der Nebel deutlich belebter. Bereits zu Beginn, als die Nebelwand das Dorf überrollt, ziehen die Schwaden nicht langsam und bedrohlich durch die Gassen, im Gegenteil. Der Nebel bricht hurrikanartig über Ebisugaoka herein und bringt stürmische Winde und merkwürdige Blumen und Ranken mit sich.

Zudem wird auch gleich zu Beginn sichtbar, dass sich in dem Nebel eine riesige Kreatur befindet, die die Bewegung der ganzen Konstellation zu steuern scheint. Damit greift Silent Hill f zwar auf den charakteristischen Nebel des Franchises zurück, ändert aber dessen Gegebenheiten. Auf mich wirkt der Nebel dennoch bedrohlich, allerdings nicht mehr auf die subtile und bedrückende Art, die in vorherigen Teilen spürbar war.

Psychologischer Horror mit dichter Atmosphäre

Auf meiner Liste dessen, was Silent Hill charakterlich ausmacht, steht vor allem der psychologische Horror ganz oben. Die Reihe hat es seit jeher geschafft, komplexe, ernste Themen, traumatische Erlebnisse und schreckliche Ereignisse zu behandeln und sich unverblümt mit wirklich schrecklichen Dingen auseinanderzusetzen.

An diese "Tradition" knüpft Silent Hill f wunderbar an. Erneut nimmt mich die Geschichte mit auf die emotionale Achterbahnfahrt der Hauptfigur. Dieses Mal durchlebt die junge Teenagerin Hinako unzählige Schrecken. Alle metaphorisch für ihre eigenen psychischen Probleme und die verschiedenen Traumata, die sie in ihren jungen Jahren bereits erleben musste.

Obwohl der Teil in den 60er-Jahren spielt, sind viele der Probleme, mit denen Hinako auf ihrem Weg ins Erwachsenenleben zu kämpfen hat, auch heute noch immer aktuell. Trotz der Tatsache, dass ich mich bereits selbst mit einigen dieser Themen konfrontiert sah, fiel es mir dennoch schwer, eine Verbindung zu Hinako aufzubauen. In vorherigen Teilen, wie zum Beispiel Silent Hill 2, gelang es mir deutlich schneller, mit James zu sympathisieren und seine Motive zu verstehen.

Silent Hill f war der große Gewinner bei den Horror Game Awards 2025. Quelle: PC Games In Hinakos Mimik lassen sich oft genauso wenig Emotionen erkennen, wie in ihren verbalen Reaktionen. Hinako wirkt über eine sehr lange Spielzeit hinweg regelrecht unnahbar und beinahe emotionslos. Auf die schlechte Behandlung, die sie von ihren Freunden erfährt, reagiert sie kaum, auch ihre Mimik lässt zu wünschen übrig. Zwar kann ich durch ihre Tagebucheinträge ihre Gedanken etwas besser nachvollziehen, eine echte Bindung kann ich aber nicht aufbauen. Dadurch lassen mich die teils grausamen Geschehnisse, die sie erdulden muss, oft kalt.

Generell spricht mich die Geschichte in Silent Hill f weniger an als die der Vorgänger. Zum einen liegt das daran, dass die Charaktere und besonders ihre Verbindung zueinander auf mich nicht überzeugend wirken. Zum anderen ist mir die Geschichte einfach nicht erwachsen genug. Ja, ich weiß, wie das klingt.

Natürlich durchlebt Hinako Dinge, die niemand je ertragen sollte, und es sind mehr als genug traumatische und schwerwiegende Themen dabei, die auf eine geschickte, Silent-Hill-typische Art dargestellt werden. Unterm Strich ist es dennoch eine Teenager-Geschichte, die sich mit Problemen der Schulzeit, Spannungen im Elternhaus und dem Aufbegehren gegen die klassische Rolle der Frau beschäftigt. Ich spreche keinem dieser Themen seine Ernsthaftigkeit ab. Trotzdem fehlt dem Ganzen eine gewisse Reife, die ich im Normalfall mit Silent Hill verbinde.

Anspruchsvolle, knifflige Rätsel

Was in Silent Hill auf gar keinen Fall fehlen darf, da sind sich fast alle Spieler einig, sind die herausfordernden Rätsel. Hier macht Silent Hill f beinahe alles richtig. Die ersten Rätsel sind noch sehr einsteigerfreundlich und waren für mich sehr schnell zu lösen. Doch mit fortlaufender Geschichte werden die Rätsel immer anspruchsvoller und auch interessanter.

Eine braun-weiße Puzzlebox mit verschiebbaren Plättchen, unter denen Symbole erscheinen. Quelle: PC Games Um die Puzzlebox zu öffnen, müssen die subtilen Botschaften aus mehreren Briefen entschlüsselt werden. Überall in dem Gebiet sind Hinweise versteckt, die ich zunächst sammeln und dann auch noch richtig interpretieren muss, um das vor mir liegende Rätsel zu knacken. Das ist genau das, was ich mir von einem Rätsel in Silent Hill wünsche. Mein einziger Kritikpunkt ist, dass nicht immer alle japanischen Begriffe übersetzt sind und ich zunächst googeln musste, was dieses Wort, das mir einen wichtigen Hinweis gibt, eigentlich bedeutet. Aber das kam zum Glück selten vor.

  1. Seite 1 Die Essenz von Silent Hill, Einsatz des Nebels
  2. Seite 2 Psychologischer Horror und knifflige Rätsel
  3. Seite 3 Actionreiches Kampfsystem, Ist das noch Silent Hill?
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