20 Jahre Silent Hill 3: Vom Rail-Shooter zum Horror-Meisterwerk
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Silent Hill 3 lehrte 2003 Horror-Fans das Fürchten, schlug aber ein gänzlich neues Kapitel innerhalb der Serie auf. Wieso der dritte Teil der Grusel-Serie so besonders war, erfahrt ihr im großen Making-of-Report.
Konami setzt in Zukunft verstärkt auf Silent Hill: Ein Remake des zweiten Teils befindet sich in der Mache, darüber hinaus sind mit Silent Hill F und Silent Hill Townfall noch zwei weitere Spiele in der Entwicklung. Hinzu kommen Projekte wie die "Interactive Video Streaming Experience" Ascension sowie ein neuer Spielfilm unter der Regie von Christophe Gans. Silent Hill ist auch 2023 noch eine bekannte Marke, obwohl in der Vergangenheit viele Fehler mit der Horror-Franchise gemacht wurden, die selbst beinharte Fans davon haben abrücken lassen.
Seine besten Zeiten hatte die Serie vor über 20 Jahren: Der 1999 veröffentlichte erste Teil gilt - gemeinsam mit Alone in the Dark und Resident Evil - als einer der Mitbegründer des Survival-Horror-Genres. Der 2001 erschienene Nachfolger perfektionierte dessen Formel des psychologischen Grusels inmitten der nebligen Geisterstadt Silent Hill, setzte aber noch viel stärker auf Pscho-Horror und erzählte eine eigenständige Geschichte. Mit dem dritten Teil schlossen Konami und Team Silent 2003 hingegen direkt an den Serienerstling an: Das Spiel setzte sich inhaltlich wie atmosphärisch stark vom - heutzutage besonders geliebten - zweiten Teil ab und lieferte somit das, was sich viele Fans nach dem Erstling erwartet hatten.
Doch der Weg zum dritten Teil war alles andere als einfach: Team Silent stand nach zunächst schwachen Verkäufen von Silent Hill 2 in Japan unter Druck und Konami suchte den Erfolg in einer Neuausrichtung der Serie.
Keine echte Erfolgsgeschichte
Die ersten beiden Teile der Silent-Hill-Serie genießen inzwischen Kultstatus. Doch nach Feiern war dem Team nach dem Release von Silent Hill 2 im September 2001 eben nicht zumute. Gerade in Japan hatte das Spiel einen schweren Stand und verkaufte sich anfangs schleppend.
Masahiro Ito, der als Artist unter anderem für das Kreaturen-Design und auch die atmosphärische Ausrichtung mitverantwortlich war, fasste die Reaktionen auf Silent Hill 2 im Jahr 2019 in einem Tweet zusammen: "Zumindest in Japan hatte Silent Hill 2 keinen guten Start. Im Internet wurde es oft beleidigt, weil es kein legitimer Nachfolger sei und weil sich das Kreaturen-Design so stark vom ersten Teil unterschied."
Quelle: Konami
Die Serie stand damals am Scheideweg. Kurz nach der Veröffentlichung von Silent Hill 2 wurden das Team und seine Verantwortlichen daher aufgeteilt. Prominente Namen wie Silent-Hill-2-Director Masashi Tsuboyama und Programmierer und Producer Akihiro Imamura kümmerten sich fortan um das Ausarbeiten eines Konzepts für den übernächsten Titel der Reihe, der 2004 als Silent Hill 4: The Room auf den Markt kommen sollte.
Darüber hinaus verließ CGI-Director Takayoshi Sato 2003 das Unternehmen, nachdem seine Idee für einen potenziellen dritten Teil gescheitert war. Wie sein Pitch für Silent Hill 3 aussah, ist nicht bekannt. Im Interview mit Gamasutra machte er allerdings klar, dass er kein Freund des tatsächlichen dritten Teils ist:
"Ich mag wirklich tiefen, introspektiven, psychologischen Horror. Ich mag Geschichten, in denen der Bösewicht gar kein Bösewicht ist. Er will einfach, was er will, und er denkt darüber nach und verfolgt nicht nur das Böse. Diese Art von kompliziertem Denkprozess war in Silent Hill 3 nicht so offensichtlich. Es war eher purer Horror. Es fühlte sich für mich nicht mehr wie psychologischer Horror an."
Masahiro Ito erklärte später via Twitter, dass eines der Konzepte für Silent Hill 3 ursprünglich einen Rail-Shooter vorsah. Er machte die schwachen Verkaufszahlen dafür verantwortlich, stellte aber auch klar, dass er dies bereits damals für einen "schrecklichen Plan" hielt. Seiner Ansicht nach kostete dieser Ansatz viel Zeit und Geld.
Quelle: Konami
Die Mannschaft hinter dem späteren Silent Hill 3 schrumpfte im Vergleich zum Vorgänger deutlich - von etwa 50 bis 60 Mitarbeitenden auf nur noch 40.
Der von Sato angedeutete Richtungswechsel für Silent Hill 3 zeigte sich auch in der kreativen Führung, die unter anderem Artist Masahiro Ito, Autor Hiroyuki Owaku und Director Kazuhide Nakazawa übernahmen. Silent Hill 3 sollte sich maßgeblich von seinem direkten Vorgänger unterscheiden.
Die Angst spielt mit
Fest stand also: Silent Hill 3 sollte anders werden. Und genau zu diesem Zweck mussten sich auch die Stimmung und die Atmosphäre des Spiels gegenüber dem Vorgänger maßgeblich verändern. Silent Hill 2 setzte stark auf psychologischen Grusel und ließ Spielerinnen und Spieler oft allein mit ihren Gedanken.
Autor Hiroyuki Owaku erklärt die Herangehensweise an den Nachfolger in einem umfangreichen Making-of, das vom britischen Magazin Playstation World veröffentlicht wurde:
"Das Gefühl der Angst in Silent Hill 3 unterscheidet sich von dem im zweiten Teil. In Silent Hill 2 versuchten wir, Angst durch Stille zu erzeugen. Diese Stille trägt jeder in sich und verwandelt sich mit der Zeit in Angst. Sie baut sich also Stück für Stück auf und kulminiert schließlich im Horror. Für Silent Hill 3 aber wollten wir ein gewalttätigeres, direkteres Gefühl der Angst erzeugen. Etwas Schockierendes im Kontrast zur Atmosphäre des Vorgängers."
Quelle: Konami
Kazuhide Nakazawa stellte im Gespräch mit IGN fest, dass Silent Hill 3 für ihn der gruseligste Teil der Serie sei und dass man in Bezug darauf einige wichtige Lehren aus den Vorgängern gesammelt habe.
"Es gibt einige Teammitglieder, die an allen drei Spielen beteiligt waren. Diese Leute waren frustriert darüber, dass sie einige der Dinge, die sie in den früheren Spielen wollten, nicht umsetzen konnten - wie etwa einige ihrer wirklich beängstigenden Ideen in Bezug auf Bilder und Szenarien", erklärte er weiterhin.
Owaku-san schrieb das Skript zunächst auf Japanisch, ehe es später Jeremy Blaustein, damals Übersetzer und Lokalisierungskoordinator bei Konami, ins Englische übersetzte.
Die Dialoge wurden im Nachgang mehrfach überarbeitet, damit sie auch natürlich wirkten. Als Einflüsse für Silent Hill 3 nannte Owaku Werke von US-Schriftsteller Stephen King, aber auch den für die gesamte Marke enorm wichtigen Horrorfilmklassiker J acob's Ladder - In der Gewalt des Jenseits aus dem Jahr 1990.
Ganz normale Leute in einer extremen Situation
Silent Hill 3 schloss an die Geschehnisse des ersten Teils an, rückte allerdings mit Heather erstmals einen weiblichen Hauptcharakter in den Mittelpunkt. Die Adoptivtochter von Harry Mason aus dem ersten Silent Hill schlittert unversehens in die Wirren des Horror-Abenteuers hinein.
Bildergalerie
Als sie beim Einkaufen einschläft, träumt sie von Silent Hill und findet sich wenig später in einer gruseligen Version des Lakeside-Vergnügungsparks in Silent Hill wieder. Heathers Vergangenheit und ihre Geschichte sind eine der tragenden erzählerischen Säulen des Spiels. Wo kommt sie her? Wieso landet sie immer wieder in dieser Albtraumwelt?
