Rollercoaster Tycoon: Mein erstes Mal auf der virtuellen Achterbahn

Special Andreas Altenheimer Benedikt Plass-Fleßenkämper Lukas Schmid
Rollercoaster Tycoon: Mein erstes Mal auf der virtuellen Achterbahn
Quelle: Chris Sawyer Productions/Medienagentur plassma

Zur Jahrtausendwende sprach eine Aufbausimulation das Kind in jedem Zocker an: Rollercoaster Tycoon! Unser Autor hat den Klassiker nie gespielt - bis heue!

Verklickt im Augenblick

Unabhängig vom komplexen Aufbau kommt noch ein weiteres Problem hinzu: Die Dinger brauchen wirklich Platz ... VIEL Platz! Der ist schnell vergeben, weil ich beispielsweise noch gerne ein Riesenrad aufstellen möchte, weitere Essens- sowie Getränkebuden installiere und in dem Zusammenhang auch die Toiletten nicht vergessen darf. Schnell füllt sich also meine Wiese mit allerlei Krimskrams, woraufhin das Aufstellen einer eigenen Achterbahn richtig kniffelig wird.

Nun könnte ich meine Baufläche erweitern, indem ich die am Rand stehenden Bäume fälle und den dahinterstehenden Hügel glätte. Spätestens hier ärgert mich die Steuerung massiv, da ich mich ständig verklicke. So entferne ich versehentlich einen Weg anstatt einen Baum, senke den Boden einige Stufen zu tief oder erzeuge plötzlich eine unebene Schräge, weil ich die falsche Ecke anvisiere. Zudem geht die Übersicht erneut flöten, sobald ich ein besonders hügeliges Gebiet glätten möchte und keine der vier zur Verfügung stehenden Drehperspektiven ausreichend Überblick bieten. In dem Zusammenhang finde ich es auch mehr als ärgerlich, dass ich nur im laufenden Betrieb und nicht im Pausemodus bauen darf.

Ansonsten sind es eher Kleinigkeiten, die mein Hirn irgendwie schwer verinnerlichen kann. So möchte ich gelegentlich meine aktuelle Parkwertung sehen, die sich wiederum hinter einem der vielen unscheinbaren Statistikbildschirme versteckt und weshalb ich mehrfach nach ihr suchen muss.

EIn Auschnitt des Parkes Quelle: Chris Sawyer Productions/Medienagentur plassma Schlussendlich muss ich das Szenario zweimal spielen: Beim ersten Mal geht mir die Zeit aus und ich verfehle die für den Erfolg vorgegebene Wertung. Beim zweiten Versuch klappt hingegen alles einwandfrei: Mein Park besteht aus zwei Achterbahnen, von denen ich eine selbst gestaltet habe.

Sie erzeugt zwar eher wenig Adrenalin, doch zusammen mit den Fressbuden, weiteren Attraktionen und ganz viel Grünzeugs reicht es für das Bestehen. Zwischendurch muss ich zwar das mir zur Verfügung stehende Darlehen erhöhen, kann jedoch gegen Ende ein paar meiner Schulden abbezahlen. Sprich: Der Park ist nicht besonders aufregend, aber lukrativ genug, um auf Dauer Kohle zu erzeugen.

Respekt, aber keine Liebe

Ich gebe zu: Wirklich großen Spaß habe ich nicht, mit Rollercoaster Tycoon meinen Vergnügungspark zu bauen und zu erweitern. Zunächst war ich Feuer und Flamme, eine eigene Achterbahn zu gestalten oder auch eine der vorgegebenen zu installieren - und schnell ein wenig enttäuscht, weil sie mir in Aktion nicht so viel Freude bereiten wie gedacht.

Die Gesamtübersicht über den Park Quelle: Chris Sawyer Productions/Medienagentur plassma Mein nächster Park, den ich in "Leafy Lake" rund um einen See bauen soll, endet im Frust: Innerhalb von drei Spieljahren benötige ich 500 Besucher und eine Park-Bewertung von 600 Punkten. Die ersten zwei Jahre funktioniert alles wie geplant; stetig addiere ich neue Attraktionen und beide Zahlen gehen entsprechend noch oben.

Doch dann kommt es zur unerwarteten Katastrophe: Beim Bootsverleih bewegen sich meine Besucher im Kreis, anstatt zurück zum Ausgang zu gehen. Den Weg hinaus habe ich nämlich aus Versehen an einer unglücklichen Stelle platziert, weshalb ich ihn neu positionieren möchte. Das geht jedoch nur, wenn ich den Verleih kurz schließe ... und daraufhin ertrinken mir alle Besucher, die sich noch mit ihren Booten im Wasser befinden!

Trotz dieses dramatischen Vorfalls bleibt meine Bewertung zunächst stabil. Diese bricht stattdessen erst in den letzten Monaten unerwartet ein. Den Grund dafür kann ich nicht wirklich nachvollziehen, Beschwerden von den Besuchern gibt es kaum und ich platzierte fleißig neue Attraktionen.

Mein Fazit klingt deshalb vielleicht etwas nüchtern, aber dennoch habe ich einen riesengroßen Respekt vor dem, was Chris Sawyer anno 1999 geleistet hat.

Als jemand, der selbst zu jener Zeit viel am PC programmiert und eigene kleine Spiele kreiert hat, weiß ich, was der Mann für eine Leistung allein mit dem Achterbahn-Editor und der physikalischen Simulation vollbracht hat. Und deshalb bin ich trotz des Frustes froh, mich endlich mal mit Rollercoaster Tycoon beschäftigt zu haben. Auch, wenn es mich nach wie vor ärgert, dass ich ihn vor 24 Jahren verpasst habe.

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