Rollercoaster Tycoon: Mein erstes Mal auf der virtuellen Achterbahn

Special Andreas Altenheimer Benedikt Plass-Fleßenkämper Lukas Schmid
Rollercoaster Tycoon: Mein erstes Mal auf der virtuellen Achterbahn
Quelle: Chris Sawyer Productions/Medienagentur plassma

Zur Jahrtausendwende sprach eine ganz besondere Aufbausimulation das Kind in jedem Zocker an: Rollercoaster Tycoon! Unser Autor hat den Klassiker nie gespielt ... bis heute!

Ach ja, die 1990er-Jahre: Es war mein zweites Jahrzehnt als leidenschaftlicher Fan von Computer- und Videospielen und sicherlich das bislang turbulenteste. Ich erlebte den Wechsel von 16-Bit-Pixel-Konsolen hin in die 32-Bit-Polygon-Ära. Als Teenager interessierte ich mich zunehmend für kernig-brachiale Shooter wie Doom (1993) anstatt zuckersüße Jump & Runs à la Bubble Bobble (1986). Und natürlich war 3D "in" und 2D "out". Gleichzeitig hatte ich von 1999 bis 2002 meine erste "Sinnkrise" bezüglich meines Hobbys, das bis dahin wie kein anderes Thema mein ganzes Leben definierte. Eigentlich wollte ich nach wie vor alles zocken, was Rang und Namen hatte. Allerdings nahmen Menge und Komplexität der Games derart zu, dass ich für vieles einfach nicht die Zeit fand. Ich kaufte weiterhin fleißig alles ein, was von der Fachpresse oder Freunden gelobt wurde. Aber ich wurde mehr und mehr zum Sammler - was sich erst 2003 wieder drehte, als meine Karriere als hauptberuflicher Spielejournalist begann.

Eines der größten "Opfer" war eindeutig Rollercoaster Tycoon (jetzt kaufen 24,99 € ) von Chris Sawyer. Kein anderes Spiel aus jener Zeit habe ich derart vernachlässigt, obwohl ich es mir aufgrund der guten Wertungen kurz nach Release gekauft hatte. Ich kann mich nicht einmal mehr daran erinnern, ob ich überhaupt die CD jemals in ein Laufwerk geschoben und das Spiel installiert habe.

Es gab drei weitere Gründe, warum ich ausgerechnet das großartige Rollercoaster Tycoon vermutlich nie gespielt habe: Zum einen gehört es einem Genre an, an dem ich Mitte der 90er ein wenig die Lust verlor. So war ich durchaus ein Fan von SimCity (1989), Sid Meier's Railroad Tycoon (1990) oder auch Sid Meier's Civilization (1991).

Eine Achterbahn wird gebaut. Quelle: Chris Sawyer Productions/Medienagentur plassma Doch ab einem bestimmten Punkt wurden mir die Spiele zu komplex und empfand ich die Steuerung als zu unübersichtlich. Anders ausgedrückt: Ich kam immer super mit dem Merken und Handhaben von einem Dutzend Tastaturkommandos klar, aber nicht mit dem Identifizieren mickriger, pixeliger Icons.

Der zweite Grund: Eines der letzten Aufbau- und Management-Spiele, die ich ausführlich gespielt hatte, war Theme Park (1994) - ein klarer Vorreiter von Rollercoaster Tycoon, den ich auch durchaus mochte. Aber nicht wirklich liebte. Und nachdem ich das Werk von Peter Molyneux und seinem Studio Bullfrog Productions ausgiebig konsumiert hatte, dachte ich mir: "Eigentlich brauche ich keine weiteren Vergnügungsparks mehr zu bauen."

Der letzte Grund: Die damalige Fachpresse war gegenüber dem Spiel wohlwollend, aber nicht euphorisch. Niemals hätte ich damit gerechnet, dass dieses Spiel im Nachhinein einen derartigen Kultstatus erlangen würde. Und ich war aufrichtig erstaunt, als ich viele Jahre später erfuhr, dass Rollercoaster Tycoon das erfolgreichste PC-Spiel des Jahres 1999 war.

Eine Achterbahn Quelle: Chris Sawyer Productions/Medienagentur plassma Nun ist fast ein Vierteljahrhundert Zeit vergangen und ich möchte das Versäumte endlich nachholen. Los geht's!

Kinderleichte Installation

Das Installieren von Rollercoaster Tycoon könnte nicht einfacher sein, schließlich schlummert bereits seit Jahren die Deluxe Edition mit sämtlichen Add-ons in meiner Steam-Bibliothek. Tatsächlich läuft das Spiel auf Anhieb und nahezu einwandfrei auf meinem aktuellen Windows-10-System, ohne dass ich per Hand irgendwelche Patches herunterladen oder an einer INI-Datei herumdoktern müsste.

Auch öffnet sich das Spiel direkt im Fenstermodus, anstatt sich komplett über meinem 16:9-Monitor zu erstrecken. So und nicht anders möchte ich den Retro-Trip genießen: Schließlich stammt Rollercoaster Tycoon aus einer Zeit, in der Bildschirmauflösungen von 1024x768 zur Normalität gehörten.

Entsprechend ist der Ersteindruck überaus positiv: Das Spiel sieht dank seiner liebevoll gezeichneten Pixelgrafik richtig gut und schön bunt aus. Überhaupt mag ich einfach diese isometrische Perspektive, mit der man bereits in den 1980er-Jahren eine plastische 3D-Spielwelt darstellen konnte.

Allerdings hat sie auch einen Nachteil: mangelnde Übersicht. Und wenn ich mir so ein paar der Screenshots von Rollercoaster Tycoon anschaue, dann dürfte mich dieses Problem auch in diesem Klassiker ereilen.

Mein erster Freizeitpark

Sei's drum: Ich schlucke meine Vorurteile erst einmal runter und berichte lieber weiter von meinen positiven Ersteindrücken. Dazu gehört nämlich auch der simple Klick auf den Startknopf, woraufhin mir das Spiel schön übersichtlich mehrere Startszenarien anbietet. Weil ich noch ein blutiger Anfänger bin, darf ich nur die ersten fünf auswählen.

Ich entscheide mich für das erste Szenario namens "Forest Frontiers" und blicke sogleich auf den Eingang meines Themenparks.

Bildergalerie

Dahinter erstreckt sich ein schmaler Weg, der in einer breiten, flachen Wiese mündet. Diese erscheint mir groß genug, um sich frei austoben zu können und den unbeschwerten Bauspaß zu genießen. Leider schweift mein Blick als Nächstes auf den oberen Bildschirmrand, der vollgestopft ist mit typischen 1990er-Jahre-Icons ... und ein Teil in mir fängt an zu seufzen.

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