EA Fußball Manager & Moderne Alternativen - Das Ende einer Ära

Special Olaf Bleich Benedikt Plass-Fleßenkämper
Fußballer im Spielertunnel
Quelle: Sports Interactive

Vom Aufstieg und Fall des EA Fußball Manager bis zu heutigen Alternativen wie We Are Football.

Neben den großen Serien Anstoss und Bundesliga Manager versuchten aber auch weitere Spiele, in diesem damals beliebten Genre Fuß zu fassen. Wer erinnert sich nicht an Boong!?: Die ultimatiefe Fußballsimulation (1996)? Unter den bunten, teils freizügigen Bildchen mit Stammtischhumor steckte ein überraschend durchdachter Manager. Falls ihr euch gefragt habt, was Werner Krahe und Jens Onnen nach ihrem Abgang bei Software 2000 gemacht haben: Sie gründeten ein neues Studio namens Heart-Line. Ihr erstes Spiel war Kurt: Der Fussballmanager (1999). Das Spiel erhielt überaus wohlwollende Kritiken. Gelobt wurden das Manager-Gameplay und die Komplexität, die verspielte Comic-Grafik wollte jedoch nicht so recht passen. Aus Kurt wurde daher noch im selben Jahr Kicker Fussballmanager - datenlastiger, komplexer und seriöser. Bereits ein Jahr später kam mit Kicker Fussballmanager 2 der dezent erweiterte Nachfolger auf den Markt. Aber egal, ob Kurt oder Kicker - an Anstoss und Bundesliga Manager kamen beide nicht vorbei.

Komplexität trifft Übersicht: In Anstoss 3 aus dem Jahr 2000 konnte man die Aufstellung per Drag & Drop verändern und anpassen.  Quelle: Kalypso / GOG.com Komplexität trifft Übersicht: In Anstoss 3 aus dem Jahr 2000 konnte man die Aufstellung per Drag & Drop verändern und anpassen. 

EA übernimmt: Der Aufstieg und Fall von Fußball Manager

Nachdem EA Sports bereits 1997 mit dem FIFA Soccer Manager und später auch mit der Bundesliga-Reihe erste Gehversuche im Genre unternahm, ging man ab 2001 mit der von Bright Future entwickelten Fußball-Manager-Serie den ganzen Weg. Mit von der Partie waren erneut Gerald Köhler als Projektleiter sowie Ralf Langenberg (zuvor Ascaron) als leitender Programmierer. Der Fußball Manager erschien ab dem Startschuss in einem jährlichen Rhythmus. Die Masse an Funktionen und kleinen oder großen Veränderungen von Jahr zu Jahr sprengt daher die Möglichkeiten dieses Artikels.

Die Zusammenarbeit mit EA Sports kam dem Fußball Manager von Bright Future (ab 2001) zugute. Diese erlaubte das Einbinden von Spielszenen auf Basis der FIFA-Engine (Screenshot: Fußball Manager 10) Quelle: EA Sports Die Zusammenarbeit mit EA Sports kam dem Fußball Manager von Bright Future (ab 2001) zugute. Diese erlaubte das Einbinden von Spielszenen auf Basis der FIFA-Engine (Screenshot: Fußball Manager 10) Die Fußball-Manager-Reihe kombinierte die Lizenzpower aus dem Hause EA Sports mit der Komplexität des Genres und eroberte so den Mainstream. Die 3D-Spielszenen griffen dabei auf eine meist ältere Version der FIFA-Engine zurück und konnten sich in ihrer Inszenierung entsprechend sehen lassen. Neben den taktischen Möglichkeiten in Sachen Aufstellung und Training wuchsen auch die Optionen außerhalb des Spielfelds: vom Stadionausbau über die Verhandlung von Sponsoring und Medienrechten bis hin zum Privatleben des Trainers. Fußball Manager bot also eine hohe Komplexität bei ansprechender Optik, ohne Fans jedoch mit Zahlen, Daten und Fakten zu überfordern, wie es das englische Pendant Championship Manager beziehungsweise Football Manager tat.

Allerdings wurden die jährliche Erscheinungsweise und der durch das Erstarken von Mobile- und Browserspielen entstandene Druck zum Problem: Bereits der Fußball Manager 13 litt unter massiven Programmfehlern; Fußball-Manager 14 erschien in der Legacy-Edition und war damit nicht viel mehr als ein größeres Datenbank-Update für 40 Euro. Im Winter 2013 veröffentlichte Bright Future eine offizielle Stellungnahme, in der es hieß, dass die Fußball-Manager-Reihe mit sofortiger Wirkung eingestellt werde.

Nach diesem Niedergang rückten zunehmend Mobile- und Browserspiele an deren Stelle. Plattformen wie Comunio (2000), Goalunited (2006) oder Top Eleven Football Manager (2010) waren teils enorm populär und liefen klassischen Vollpreisspielen den Rang ab.

Konkurrenz für klassische Fußballmanager: Im Verlauf der 2000er-Jahre wuchs die Beliebtheit von Mobile-Games oder auch Browser-Spielen wie Comunio. Quelle: Comunio Konkurrenz für klassische Fußballmanager: Im Verlauf der 2000er-Jahre wuchs die Beliebtheit von Mobile-Games oder auch Browser-Spielen wie Comunio.

Der Hype ist vorbei - und jetzt?

In jüngerer Vergangenheit verlor das Genre der Fußballmanager jedoch zunehmend an Bedeutung. So wanderten beispielsweise die Rechte an der Marke Anstoss zu Kalypso Media, das wiederum das Magdeburger Studio 2tainment mit der Entwicklung von Anstoss 2022 betraute. Fast 4.000 Menschen unterstützten die Produktion in der erfolgreichen Kickstarter-Kampagne. Allerdings gab es bereits früh Probleme: Die für Anfang 2021 versprochene Beta-Version wurde nicht veröffentlicht und die Kooperation zwischen 2tainment und Kalypso Media endete. Das Projekt lief ab 2022 im Steam Early Access, eine Vollversion gab es aber nie. Stattdessen wurde Anstoss 2022 eingestellt. Als Gründe wurden etwa der Ausstieg Kalypsos oder die hohen Kosten für die Neuentwicklung bestimmter Teile des Spiels genannt.

Nach Anstoss und Fußball Manager übernahm Gerald Köhler auch beim 2021 erschienenen We Are Football die Verantwortung. Das Ergebnis konnte sich durchaus sehen lassen, auch wenn es nicht bis in die höchsten Wertungsregionen vordringen konnte. Quelle: THQ Nordic Nach Anstoss und Fußball Manager übernahm Gerald Köhler auch beim 2021 erschienenen We Are Football die Verantwortung. Das Ergebnis konnte sich durchaus sehen lassen, auch wenn es nicht bis in die höchsten Wertungsregionen vordringen konnte. Und auch Gerald Köhler probierte sich in jüngerer Vergangenheit mit einem neuen Projekt aus: We Are Football erwies sich als potenter Manager, der merklich auf den Spuren von Anstoss wandelt. Nicht ganz so komplex wie Football Manager, dafür leichtgängiger und vielfältiger - das war die Prämisse hinter We Are Football. Im Test resümierte Kollege David Benke: "Zwar zeigt sich das neue Werk von Anstoß-Erfinder Gerald Köhler deutlich zugänglicher als etwa der Genre-Konkurrent von Sega. An vielen Ecken und Enden fehlt es aber an nötigen Erklärungen und Features, die für ein rundes Spielerlebnis definitiv vorhanden sein sollten."

Nach zweijähriger Pause erschien im November 2025 Football Manager 26, doch der erhoffte Neustart für die Serie konnte nicht an frühere Erfolge anknüpfen. Neben der sperrigen Benutzeroberfläche störten sich eingefleischte Fans vor allem an gestrichenen Funktionen und der reduzierten Komplexität. Auf Steam hat sich das Spiel inzwischen zu "ausgeglichenen" Reviews hochgearbeitet. Doch Sports Interactive hat noch einen langen Weg vor sich.

Football Manager 26 sollte der Neustart für die traditionsreiche Serie sein. Allerdings kritisierten Fans und Presse gleichermaßen die umständliche Bedienung und die heruntergedampften Features. Quelle: Sports Interactive / Sega Football Manager 26 sollte der Neustart für die traditionsreiche Serie sein. Allerdings kritisierten Fans und Presse gleichermaßen die umständliche Bedienung und die heruntergedampften Features. Auch wenn das Genre nicht mehr so sehr im Rampenlicht steht wie in früheren Zeiten, gibt es dennoch eine Vielzahl von Alternativen, speziell auf Download-Plattformen wie Steam. Titel wie Football: Tactics & Glory (2018), Soccer Manager 2026 (2024) oder das nostalgische Kevin Toms Football Star Manager (2025) bringen allesamt unterschiedliche Ansätze und Ideen in diese Spielart ein. Ob Fußballmanager-Spiele aber noch einmal derart in den Mittelpunkt des Interesses rücken werden, wie es in der Vergangenheit der Fall war, wagen wir zu bezweifeln.

  1. Seite 1 Seite 1: Die Geburt der Fußballmanager
  2. Seite 2 Seite 2: Der Aufstieg des Championship Manager & Football Manager
  3. Seite 3 Seite 3: Die deutsche Antwort - Bundesliga Manager & Anstoß
  4. Seite 4 Seite 4: EA, das langsame Ende - und die Zukunft des Genres
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