Wie Bundesliga Manager und Anstoß in Deutschland Kult wurden - die Erfolgsjahre im Überblick.
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Deutschland kontert mit dem Bundesliga Manager
Das Interesse an Fußballmanager-Simulationen schwappte mit etwas Verzögerung auch nach Deutschland. Im Jahr 1989 erschien Bundesliga Manager unter anderem für den C64 und den Commodore Amiga und schlug ein wie ein Freistoß von Brasiliens Roberto Carlos. Die Entwickler Werner Krahe und Jens Onnen von Kron Simulation Software riefen die Serie ins Leben und prägten sie maßgeblich.
Quelle: Moby Games
Im Bundesliga Manager Professional (1991) machten die Partien grafisch schon deutlich mehr her.
Wie der Name schon verrät, ging es im Bundesliga Manager darum, deutscher Meister zu werden. Der Manageralltag drehte sich vor allem um die Arbeit mit der Mannschaft: Es mussten Transfers getätigt, Trainingslager geplant und natürlich die Aufstellung festgelegt werden. Auch kleinere Wirtschaftselemente wie das Festlegen des Eintrittspreises oder das Abschließen von Krediten waren Teil des Spiels. Die Spielszenen wurden hier noch sehr minimalistisch dargestellt. Wir beobachteten, wie ein kleiner Pixelball auf Mini-Spielfeldern von einer Seite zur anderen hüpfte und hoffentlich nicht im eigenen Tor einschlug.
Nur zwei Jahre später erschien mit dem auch liebevoll "BMP" genannten Bundesliga Manager Professional ein Spiel für PC, Amiga und Atari ST, das bis heute Kultstatus besitzt. Zunächst einmal konnten wir hier nicht nur in der ersten, sondern auch in der zweiten oder dritten Bundesliga spielen. Die störrische Bedienoberfläche des Vorgängers wurde merklich überarbeitet und die Aufgabenfelder waren vielseitiger. So kümmerten wir uns beispielsweise um den Stadionausbau und legten Banden- oder Trikotsponsoren fest. Dank eines virtuellen Spielplans waren die Aufstellungsmöglichkeiten vielseitiger - ebenso wie die Optionen zum Einstellen der Trainingspläne. Ein besonderes Highlight waren die vorberechneten Torszenen, in denen Pixelprofis den Ball formschön über das Spielfeld kickten.
Quelle: Medienagentur plassma
Bundesliga Manager Hattrick markierte 1994 den Höhepunkt der beliebten Reihe.
Bundesliga Manager Hattrick (1994) erschien für PC und Amiga und war der spielerische Höhepunkt der Reihe: extrem komplex und dennoch handlich. Dank des neuen Reality-Modus wurden Spielszenen nun frei berechnet und dabei rückten auch die Eigenschaften der Spieler stärker in den Mittelpunkt. Mit Hilfe der vielfältigen Einstellungsmöglichkeiten konnte man hier wirklich "alles" regeln und verändern: von der Würstchenbude vor dem Stadion über die Aufstellung bis hin zu Toto-Wetten als Nebenverdienst.
Die erste große Krise begann schließlich mit Bundesliga Manager 97: Eine Vielzahl von Programmfehlern sorgte für großen Ärger in der Community. Dass nur ein Jahr später der Nachfolger erschien, der eher ein besseres Update als ein vollwertiges Spiel war, half da wenig. Gleichzeitig war Bundesliga Manager 98 der erste Serienteil, an dem Jens Onnen und Werner Krahe nicht mehr mitwirkten. Bundesliga Manager X (2001) war schließlich ein wahrer Flickenteppich, der nur durch Patches auf ein solides Niveau gebracht werden konnte. Es sollte auch der letzte Teil der Bundesliga-Manager-Reihe bleiben.
Quelle: Kalypso / GOG.com
In der Anstoss-Reihe gehört Humor stets zum Spielerlebnis dazu. Sei es durch wilde Fangesänge oder lustige Bildchen – das Spiel präsentiert Fußball mit einem Augenzwinkern.
Humor als Trumpf: Anstoss
Anfang der 1990er-Jahre hatte sich der Bundesliga Manager als Platzhirsch auf dem deutschen Markt etabliert. Doch im Jahr 1993 erschien mit Anstoss ein Fußballmanager, der bis heute eine treue Fangemeinde besitzt. Das Team dahinter war Ascon (später Ascaron), das sich im Sommer 1992 mit der historisch angehauchten Wirtschaftssimulation Der Patrizier bereits einen guten Namen gemacht hatte. Unter der Leitung von Gerald Köhler entstand Anstoss innerhalb von nur sechs Monaten. Dabei wurde genau die richtige Mischung aus Taktik, sportlicher Ernsthaftigkeit und charmantem Augenzwinkern gefunden.
In für damalige Verhältnisse hübscher Grafik verpackt, bot Anstoss eine ordentliche Komplexität und erlaubte unter anderem die Anpassung des Trainingsplans, Transfers und das Managen des Stadions. Wer seinen Job nicht gut machte, konnte obendrein entlassen werden. Dazu servierte Anstoss toll animierte Zwischensequenzen und bot den auch später im Fußball Manager zum Einsatz kommenden Textmodus. Anstoss war ein voller Erfolg und zog zur Fußball-Weltmeisterschaft 1994 die Anstoß World Cup Edition nach sich. Diese erwies sich als nicht ganz so komplex und umfangreich, dafür war sie auf die Aufgaben als Nationaltrainer ausgerichtet.
Quelle: Kalypso / GOG.com
Anders als bei anderen Managerspielen dieser Zeit war die Bedienoberfläche von Anstoss grafisch ansprechend und übersichtlich gestaltet.
1997 folgte mit Anstoss 2 der nächste große Schritt: Es wurden mehr Ligen und Länder implementiert, die Spielzeit war unbegrenzt und es gab die legendäre Managerkarriere, in der man wie im echten Trainerleben um Jobs verhandelte. Mit den Erweiterungen Verlängerung! und Gold wurden Nationalteams zurückgebracht und Details nachgeschärft.
Anstoss 3 (2000) gilt jedoch als die Krönung der Reihe. Es war das letzte Spiel unter Gerald Köhler. Der dritte Teil vereinte die Stärken seiner Vorgänger und erweiterte sie konsequent. Spieler konnten mehrere Länder gleichzeitig simulieren, die Saisonplanung war deutlich detaillierter und das Vereinsgelände ließ sich mit zahlreichen Gebäuden ausbauen. Die Spieltage wurden erstmals in einer komplett simulierten 3D-Ansicht dargestellt; alternativ stand weiterhin der klassische Textmodus zur Verfügung. Durch die optionale Verbindung mit dem Fußballspiel Anstoss Action war es zudem möglich, die Partien selbst auszutragen.
Über Anstoss 4 (2002), Anstoss Edition 03/04 (2003) und Anstoss 2005 (2004) legen wir an dieser Stelle getrost den Mantel des Schweigens, da sie der Serie spielerisch kaum etwas hinzufügten. Erwähnenswert ist jedoch ein Lizenzstreit zwischen Electronic Arts und Ascaron: Aufgrund verwendeter Spielernamen musste Ascaron im Jahr 2002 eine ganze Charge von Anstoss 4 zurückrufen und neu pressen.
